«Dumm, krank, kriminell»

23. Februar 2018 07:53; Akt: 23.02.2018 07:53 Print

Basel geht in Kantons-Ranking unter

In einem Ranking der «Weltwoche» schneiden Basel-Stadt und Baselland miserabel ab. Die Kantone reagieren unterschiedlich.

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Offenbar steht es um die beiden Basel schlecht. Die «Weltwoche» hat in ihrer Ausgabe vom Donnerstag offizielle Zahlen verarbeitet, unter anderem vom Bundesamt für Statistik. Stadt- und Landkanton schneiden dabei in diversen Katergorien ganz schlecht ab.

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«Basler sind, statistisch gesehen, rund sechsmal krimineller als die Bewohner von Uri», schreibt das Wochenmagazin. Das Baselbiet sei dafür, basierend auf Logiernächten, der hässlichste Kanton. Zudem rangiert Stadt wegen dem Anteil der Einwohner, die keine Konfessionsabgabe entrichten (46,2 Prozent), an der Spitze der «ungläubigsten Kantone».

Auch die ungesundesten (höchste Gesundheitsausgaben mit 6888 Franken pro Kopf) und die drittdümmsten (Abschlussquote auf Sekundarstufe-II-Niveau bei 85,2 Prozent) Schweizer sollen in Basel-Stadt leben.

Augenzwinkern aus dem Baselbiet

Baselland Tourismus nimmt die «Weltwoche»-Statistik mit Humor. «Dass sich die Schönheit im Verhältnis der Bevölkerungszahl und den Logiernächten misst, finden wir abenteuerlich. Für eine nächste Auswertung schlagen wir vor, anstelle der Einwohnerzahl gleich die Zahl der Kirschbäume zu nehmen. Da wäre das Baselbiet nämlich garantiert die Nummer 1 in der Schweiz», so Geschäftsführer Tobias Eggimann.

Er weist auch darauf hin, dass es von Anfang an klar sei, dass ein bevölkerungsdichter Kanton wie das Baselbiet in diesem Verhältnis schlecht abschneiden würde. «Wir laden den ‹Weltwoche›-Journalisten gerne für eine Exklusivführung zu uns ein, damit er vom ‹hässlichen Entlein› persönlich einen Augenschein nehmen kann», sagt Eggimann.

Basel-Stadt wehrt sich

Der Stadtkanton wehrt sich in allen Belangen gegen den Artikel in der «Weltwoche». «Die ‹Weltwoche› vergleicht Basel mit anderen, ländlichen Kantonen. Das ist falsch», so Regierungssprecher Marco Greiner. Man müsse Basel als «Stadtstaat» mit anderen Städten vergleichen. So sei es kein Zufall, dass Genf jeweils ähnlich abschneide wie Basel.

Auf die hohen Ausgaben des Kantons angesprochen, entgegnet die Regierung in Richtung «Weltwoche»: «Basel ist ein brummendes Zentrum und trägt finanzielle Lasten, die vom Umland nicht vollständig abgegolten werden. Wir geben Geld aus, von dem die ganze Region und die Schweiz profitiert. Über 170 Millionen Franken pro Jahr fliessen in den Nationalen Finanzausgleich zugunsten anderer Kantone.»

Auch in Sachen Kriminalität sehen sich die Basler nicht als Sünder der Nation. Man falle in den meisten Kategorien im Vergleich mit den anderen Städten nicht auf.

Städte nicht mit Kantonen vergleichen

Thomas Kessler, ehemaliger Basler Stadtentwickler, relativiert die Aussagekraft des Artikels. Ihm zufolge sagt eine Statistik nur etwas aus, wenn Gleiches mit Gleichem verglichen wird. Das sei hier nur bedingt der Fall.

Eine Stadt könne man nicht mit einem Kanton vergleichen, daher kämen auch die zahlreichen Ausreisser bei Basel-Stadt und Genf. Beide hätten kein Hinterland und durch die geografische Verortung zudem mit grenzübergreifender Delinquenz zu kämpfen, erklärt er.

Attraktives medizinisches Angebot verursacht hohe Kosten

Die hohen Gesundheitsausgaben würden sich durch das attraktive medizinische Angebot und das Universitätsspital erklären. «Wo mehr Ärzte sind, geht man auch schneller zum Arzt», so Kessler.

Bedenkt man, dass man in Basel-Stadt eine recht hohe Kirchensteuer zahlen muss, bilde die Statistik nur die Kirchensteuer-Zahler ab, nicht jedoch diejenigen, die sich zu einer Konfession zugehörig fühlen. Basel-Stadt sei daher keineswegs der ungläubigste Kanton, erklärt Kessler.

(las/daf/sis)