Strafuntersuchung

08. Mai 2018 09:15; Akt: 08.05.2018 14:31 Print

Hat SVP-Sekretär Mail-Konto gehackt?

Hat der Sekretär der Basler SVP heimlich die Mails von Nationalrat Sebastian Frehner mitgelesen? Eine Strafuntersuchung läuft.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Basler SVP wird von einem handfesten Skandal durchgeschüttelt. Gegen den Parteisekretär Joël Thüring läuft eine Strafuntersuchung. Er steht im Verdacht, sich über Monate hinweg heimlich Zugriff auf die E-Mails von Nationalrat Sebastian Frehner verschafft zu haben, wie eine Recherche der «bz Basel» publik machte.

Parteisekretär Thüring bekleidete letztes Jahr das Amt des Grossratspräsidenten und gilt parteiintern als aussichtsreicher Kandidat für das Regierungsamt. Das Strafverfahren stellt seine politische Karriere infrage.

Gegenüber der Zeitung bestätigen sowohl Frehner als auch Thüring die Strafuntersuchung, machen aber keine weiteren Angaben. Der Vorwurf gegen Thüring birgt Zündstoff. Frehner sitzt in mehreren Verwaltungsräten und ist als Nationalrat Mitglied der Finanzkommission. Wer sich Zugriff auf seine E-Mails verschafft, dürfte Einblick in streng vertrauliche Unterlagen erhalten.

Steckt eine Intrige dahinter?

Zum jetzigen Zeitpunkt steht einzig und allein fest, dass vom Parteisekretariat der Basler SVP an der Kornhausgasse, dem Büro von Thüring, über Monate Zugriffe auf Frehners Mail-Server bei den Informatikdiensten des Bundes stattgefunden haben. Nur: Das allein ist kein Beweis für einen Hackerangriff.

Das Strafverfahren könnte auch der vorläufige Höhepunkt einer Fehde zwischen Frehner und seiner Partei sein. «Gegen Thüring läuft eine Intrige, man will ihn zerstören», sagt Eduard Rutschmann, Vize-Präsident der Basler SVP, gegenüber der «bz Basel». Grund für die Intrige: Frehners Zeit im Bundeshaus könnte ablaufen. Parteipräsident Lorenz Nägelin will eine Amtszeitbeschränkung einführen, über die in der Partei in Kürze entschieden wird. Das passt Frehner gar nicht, weil er ihr zum Opfer fallen würde. Onlinereports wertet die Anzeige Frehners in diesem Zusammenhang als «gezieltes Störmanöver». Parteisekretär Thüring scheint bei dem parteiinternen Machtkampf nicht auf Frehners Seite zu stehen.

Frehner und Thüring teilten sich ein Büro

Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass Frehner und Thüring sich bis Anfang 2017 die Firma Aspero AG und das Büro an der Kornhausgasse teilten. Thüring war als Administrator auch für die Einrichtung der E-Mail-Konten zuständig. Auffällig: Als Frehner Verdacht schöpfte und seine Passwörter änderte, brachen die Zugriffe von der Kornhausgasse ab, weiss die «bz Basel». Es ist also möglich, dass der dortige Computer via Mailprogramm noch mit Frehners Account verknüpft war und die Abfragen automatisch tätigte.

Frehner liess seinen Schützling Thüring damals fallen, als publik wurde, dass dieser Steuerschulden hatte.

(lha)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miro am 08.05.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin verblüfft!

    Ich kann kaum in Worte fassen wie verblüfft ich bin. Einen SVP-ler der in der Lage ist ein Mail Konto zu hacken, habe ich bisher für einen Mythos gehalten. Holz hacken ja, Knobli fein hacken auch aber elektronische Dinge zu hacken, das hätte ich nicht erwartet.

    einklappen einklappen
  • Angelo am 08.05.2018 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nase voll!

    Die Politiker sind auch nicht mehr das was sie mal waren, zumindest ein grosser Teil davon!Heute glänzen sie mit Sex-affären,Verleumdung, Umgangsformen zum vergessen....und das sind Volksvertreter?Sie sollten dem Bürger dienen, nicht sich selbst!

    einklappen einklappen
  • Schlufi am 08.05.2018 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Game over

    Am besten gleich beide rauskippen, dann kann sich die Politik wieder aus das konzentrieren, wofür sie eigentlich da ist, nämlich die Probleme des Landes zu lösen und nicht das von einzelnen Randfiguren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bär14 am 08.05.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts andere erwartet

    Wie so oft hat man wieder etwas gefunden und das gegen einer der SVP und welche Partei schwebt jetzt im siebten Himmel und lenkt wieder ab und das in Basel STADT!

  • Foss am 08.05.2018 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Auch bei gewissen Gewerkschaften...

    ...und nicht nur bei Politikern, ist das gegenseitige, illegale haken und ausspionieren womöglich an der Tagesordnung!

  • Dave74 am 08.05.2018 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Frage

    Was haben denn streng vertrauliche Daten auf einem Mailserver des Bundes verloren? Diese dürften nur klassifiziert und verschlüsselt auf Arbeitsplatzsystemen oder entfernbaren Datenträgern sein.

  • SVP Implodiert am 08.05.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Eine gute Entwicklung

    wenn die Partei welche meist auf anderen Rum Hackt sich intern selber Hackt.

  • Martial2 am 08.05.2018 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geheimnis draus machen...

    Eine Sekretärin/Sekretär sollte über alle Geschäfte informiert sein, und dürfte Einsicht nehmen in allen Unterlagen...!