Zehn Monate Gefängnis

26. April 2018 11:47; Akt: 26.04.2018 11:47 Print

Einbrecher verwechselt Basler Münster mit Villa

Zwei Männer waren eines Abends ins Basler Münster eingebrochen und hatten Geld gestohlen und Sachschaden angerichtet. Am Mittwoch stand einer der Männer vor dem Basler Strafgericht.

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Angeklagter: «Mir war nicht bewusst, dass ich in eine Kirche eingedrungen war. Ich habe geweint, als ich das erfahren habe. Das würde ich doch nie tun.» Richter: «Sie sind in die grösste Kirche von Basel eingebrochen. Was sollte es denn sonst sein?»

Zu diesem Dialog kam es am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht, wie die «bz Basel» schreibt. Der Rumäne drang mit einem Komplizen im Oktober 2016 gegen halb elf Uhr abends ins Basler Münster ein.

Die beiden brachen die Bauverschalung auf und kletterten über das Baugerüst auf die Galerie des Münsters, wo sie ein Fenster beschädigten. Durch dieses gelangten sie schliesslich ins Erdgeschoss des Basler Wahrzeichens. Dort brachen sie eine weitere Türe auf und machten sich über die Kiosk-Kasse und den Opferstock her. Da der Ausstellungsbereich gesichert war, ging der Alarm los und die beiden Einbrecher suchten das Weite. Sie nahmen Bargeld im Wert von 1100 Franken mit und hinterliessen rund 9000 Franken Sachschaden.

Mittäter habe nichts von einer Kirche erzählt

Einer der Täter stand am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht, der andere ist bis heute flüchtig. Der Angeklagte war aufgeflogen, als er im Januar 2018 im Kleinbasel eine Apple-TV-Box stehlen wollte. Seine Fingerabdrücke und DNA-Spuren überführten ihn schliesslich auch des Einbruchs im Münster, den er über ein Jahr zuvor begangen hatte.

Das Gericht fragte den Angeklagten nach dem Mittäter. «Ich dachte, es sei eine grosse Villa. Diese andere Person hat mir nicht gesagt, dass es eine Kirche ist. Es war ja eine Baustelle», schilderte der Angeklagte. Er gab an, vor der Tat getrunken zu haben. Dass er aus dem Münster Geld gestohlen hatte, gab der Täter zu. Auch den Sachschaden wolle er übernehmen, wenn er eine Arbeit gefunden habe.

Ein vorbestrafter Kriminaltourist

Der Einbrecher ist kein unbeschriebenes Blatt. In seinem Heimatland wurde er bereits straffällig und sass wegen Diebstählen über zwei Jahre im Gefängnis. Er ist ausgebildeter Maurer und laut eigenen Angaben in die Schweiz gereist, um eine Stelle auf dem Bau zu finden. Zuvor hielt sich der Angeklagte in Frankreich und Italien auf, wo er 2011 und 2015 ebenfalls verurteilt wurde. Der Grund: Diebstahl.

Der Richter stufte den Einbrecher vom Münster folglich als unbelehrbaren Kriminaltouristen ein. Wegen seiner Vorstrafen muss der Mann für zehn Monate ins Gefängnis. Damit dürfte er genug Zeit haben, um sich über die Basler Sehenswürdigkeiten schlau zu machen. Der Verurteilte erhält zudem einen Landesverweis von sieben Jahren.

(daf)