Basel

07. Februar 2018 14:25; Akt: 07.02.2018 16:48 Print

«Das ist schikanös und reine Behördenwillkür»

Ein Basler Wirt will in seinem Restaurant Forellen halten, um sie frisch servieren zu können. Er machte die Rechnung aber ohne das Veterinäramt.

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Seit geraumer Zeit liegen sich Josef Schüpfer, Wirt der Walliser Kanne, und die Amtstierärztin des Kantons Basel-Stadt in den Haaren. Der Grund: Schüpfer hat in seinem Betrieb für 100'000 Franken ein Fischbecken installiert, damit ihm für die Zubereitung des Traditionsgerichts Forelle blau frische Fische zur Verfügung stehen – ein Muss für das Rezept.

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Soll der Wirt die Auflagen erfüllen?

Die Veterinärin fordert, dass der Wirt Vorkehrungen zur Elektrobetäubung trifft und ein dreimonatiges Volontariat in Fischzucht absolviert. Schüpfer hingegen fühlt sich von den kantonalen Auflagen schikaniert, weil ihm die Bundestierschutzverordnung Recht gebe. Laut deren Artikel 90 ist die Fischhaltung in Gastronomiebetrieben nicht einmal bewilligungspflichtig.

Veterinärin ordnet «Einzelhaft» für Forellen an

«Die Amtstierärztin interpretiert das Gesetz absichtlich so, damit sie dem Wirt die Forellenhaltung zum kulinarischen Zweck verbieten kann», klagt Schüpfer gegenüber der «Basler Zeitung», die den Fall publik gemacht hat. Zudem züchte er die Fische nicht, sondern halte sie nach der Zulieferung nur wenige Tage, bis sie zubereitet würden: «Was Ende Woche nicht gegessen ist, wird filetiert», betont er.

Um das Volontariat zu umgehen, dürfe er nur zehn Fische im Becken halten, so Schüpfer. Das sei für Schwarmtiere wie Forellen aber nicht artgerecht. «Es kann nicht sein, dass ich die Fische falsch halten muss», sagt er. In zu kleinen Gruppen würden sich Alphatiere etablieren, welche für die anderen eine Stressquelle seien. Mangels eines richtigen Schwarms könnten sich die anderen Forellen nicht in dessen Sicherheit zurückziehen. «Das ist wie Einzelhaft für einen Menschen», mahnt er. Das Vorgehen der Amtstierärztin hält Schüpfer für willkürlich.

Veterinäramt ist «gesprächsbereit»

Die Tierärztin erhält Schützenhilfe von ganz oben. Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP), der für das Veterinäramt verantwortlich ist, sehe «keinen Grund, an der Seriosität und Sachlichkeit der Mitarbeitenden zu zweifeln», wie ihn die Zeitung zitiert. Der Kanton müsse Vorgaben des eidgenössichen Tierschutzrechts durchsetzen.

Am Donnerstagnachmittag publizierte das Veterinäramt eine Mitteilung zu dem Fall. Darin wird festgehalten, dass es bisher keine Verfügung zur Forellenhaltung in der Walliser Kanne erlassen habe. Zudem müsse Schüpfer auch bei nicht gewerbsmässiger Wildtierhaltung laut Artikel 93, Absatz 1 der Tierschutzverordnung einen Sachkundenachweis erbringen.

Laut Mitteilung sei «das Dossier im Moment noch offen» und das Veterinäramt «gesprächsbereit».

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy Seeland am 07.02.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Amtsmissbrauch und Schikane

    Ich habe den Fall noch bei andern Quellen nachgelesen, eine Sauerei seitens Veterinäramt. Auf Ebene Bund ist in der Tierschutz Verordnung die Sache geregelt, nur Basel sieht das anders. wen wundert es dass bei so hoch qualifiziertem Staatspersonal laufend Arbeitsplätze verschwinden? Oder ist es ein primitives politisches Spielchen gegen den Besitzer des Restaurants?

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  • seven am 07.02.2018 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter so....

    es gibt bald keine echten Basler Traditionsbeizen mehr. Bravo!

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  • Nicht Einverstanden am 07.02.2018 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    So ziemlich alles falsch

    A) im Bild ist nicht eine Forelle dargestellt sondern ein Saibling B) Forellen sind keine Schwarmfische

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schmidchen Schleicher am 09.02.2018 01:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht verzagen...

    So macht man Schleichwerbung...im Ernst...Behördenwillkür ist doch nichts Neues! Stimmungsmache auch nicht...

  • Eva am 08.02.2018 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Tierschutzverordnung gelesen?

    Hat irgendwer sich die Mühe gemacht und die Tirrschutzverordnung der Schweiz gelesen? Da steht es klar: "Art. 97 Anforderungen an Personen im Umgang mit Fischen und Panzerkrebsen 2 Wer gewerbsmässig Speisefische, Besatzfische oder Panzerkrebse züchtet oder hält, muss über eine Ausildung nach Art. 197 verfügen" Es ist also keine Willkür. Und hier geht es auch nicht nur ums Züchten sondern auch halten von Speisefischen, egal wie lange. Die Verordnung ist auf nationaler Ebene geregelt.

  • Gabi am 08.02.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echte Schweizer!

    «Die Amtstierärztin soll nur eine Deutsche sein wird so betont !!! Erstaunlich, Basel da Grenzstadt, eine multikulturelle Gesellschaft, und diese zunehmende Fremdenfeindlichkeit, gibt zu denken! Gibt es überhaupt noch echte Schweizer in Basel? Mit Betonung auf echte

  • Ex- Basler am 08.02.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Basel, oder?

    An der Stelle des Wirts würde ich Basel sofort verlassen!

  • Gabi am 08.02.2018 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist das Tierschutz gemäss?

    Ehrlich gesagt, ich hätte ein ungutes Gefühl eine Forelle serviert zu bekommen die ich kurz zuvor noch lebend sah! Muss sowas unbedingt sein? Dekadent!!!

    • Fischer am 08.02.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      Frische Fische

      Der Mensch ist und bleibt das grösste Raubtier! Das ist doch ganz normal!

    • Susi Felber am 10.02.2018 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gabi

      Sie müssen die Forelle ja nicht vorher anschauen!

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