Strafgericht BS

20. März 2017 15:59; Akt: 21.03.2017 11:17 Print

Freier gefügig gemacht und dann abgezockt?

Vor dem Strafgericht begegneten sich am Montag eine Prostituierte und ihre ehemalige Kunden. Die Frau soll zu illegalen Methoden gegriffen haben, um sich zu bereichern.

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Eine Frau soll ihre Freier erpresst haben, um an Geld zu kommen. (Bild: 20M)

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Ein Besuch bei der 54-Jährigen im Basler Rotlicht-Milieu an der Ochsengasse/Webergasse wurde schnell zum äusserst kostspieligen Erlebnis. Männer, die mit ihr aufs Zimmer gingen, mussten gerne mal 4000 Franken für eine Stunde ihrer Liebesdienste hinblättern. «Nur normaler Sex, keine Spezialwünsche», wie ein Zeuge am Montag vor Gericht beteuerte. Auch halbstündige Massagen, ohne direkte sexuelle Handlungen, hatten bei der Französin ihren Preis: 2000 Franken soll das Vergnügen gekostet haben.

Die Angeklagte sass jedoch nicht aufgrund ihrer Wucherpreise vor der Dreierkammer. Sie soll im Zeitraum zwischen Winter 2012 und Frühling 2015 ihre Freier enorm unter Druck gesetzt haben, um an Geld zu kommen und ihnen damit gedroht haben, die Puff-Besuche bei Arbeitgebern und Ehefrauen zu verpfeifen.

«Kein Geschwätz»

Sie soll auch nicht davor zurückgeschreckt sein, ihre Freier bis in deren Wohnungen zu begleiten, um an deren Erspartes zu kommen. Ein Mann suchte während einer Nacht mit ihr 20 Mal einen Bancomaten auf, um insgesamt 2820 Franken zu beziehen. Wegen mehrfacher, teilweise räuberischer Erpressung, mehrfacher Freiheitsberaubung, Diebstahl und Sachentziehung musste sie sich nun verantworten.

Die Mutter einer Tochter war um keine Erklärung verlegen, theatralisch ihre Unschuld darzulegen. Der Gerichtspräsident ermahnte die Beschuldigte mehrfach, bei der Sache zu bleiben: «Wir wollen die Fragen beantwortet haben und nicht irgendein Geschwätz.»

Nach Sex war Portemonnaie leer

«Bei Männern, die ich kannte, habe ich Ausnahmen gemacht und auf eine Vorauszahlung verzichtet. Wenn sie mir dann nach dem Sex kein Geld gaben, habe ich sicherheitshalber ihren Pass, Ausweise und Bankkarten bei mir behalten», sagte sie. Zwei ihrer vier Opfer sprachen im Gerichtsaal jedoch von Diebstahl. «Nach meinem Besuch bei ihr war mein Portemonnaie leer», so ein Zeuge.

Zudem stand der Vorwurf im Raum, die Prostituierte habe ihre Kundschaft mit einer unbekannten, flüssigen Substanz gefügig gemacht, um einfacher an Geld zu kommen. «Ich weiss, dass ich es nicht beweisen kann, aber ich habe eine Lücke. Ich glaube, sie hat mir etwas in mein Getränk getan», äusserte einer der Zeugen seinen Verdacht.

Während Baselworld in Untersuchungshaft

Zweieinhalb Jahre will die Staatsanwältin die Frau hinter Gittern wissen, während die Verteidigerin auf Freispruch plädierte und eine Entschädigung von rund 44'000 Franken forderte. Ihre Mandantin habe während der 114-tägigen U-Haft enorme Umsatzeinbussen einstecken müssen. «Sie sass während der Uhren- und Schmuckmesse im Gefängnis. Es ist ja bekannt, dass das Milieu dann floriert.»

In einem tränenreichen Schlusswort sagte die Beschuldigte, die immer noch im Gewerbe tätig ist: «Es wird nie mehr Probleme mit Kunden geben, ich muss mich jetzt um meine Tochter kümmern, damit sie ein besseres Leben hat als ich.»

Das Urteil wird am Dienstag verkündet.

(jd)