Mittlere Rheinbrücke Basel

17. März 2017 17:24; Akt: 17.03.2017 17:24 Print

Gedenktafel am Ort von Hexen-Hinrichtungen

In Basel wurden zwischen 1433 und 1680 knapp 30 Personen wegen Hexerei exekutiert. Nun bekommen sie und andere Verfolgte ein Denkmal am Käppelijoch.

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Am Käppelijoch auf der Mittleren Brücke prangen normalerweise Schlösser als Liebesbeweise. Die Regierung will dort eine Gedenktafel für die Opfer der Hexenverfolgung anbringen lassen. (Bild: 20 Minuten)

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Mit einer Gedenktafel will die Basler Regierung an die Opfer der Hexenverfolgung erinnern. Damit soll zumindest die moralische Verantwortung für dieses dunkle Kapitel der Geschichte übernommen werden. Eine rechtliche Rehabilitierung ist dagegen aus Sicht der Regierung nicht möglich.

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Als Standort für die Gedenktafel ist das Käppelijoch auf der Mittleren Brücke vorgesehen, wie aus der am Freitag veröffentlichten Antwort der Regierung auf einen Vorstoss aus dem Grossen Rat hervorgeht. Neben der Hexen- soll dort auch an die Judenverfolgung sowie generell an Opfer von Ausgrenzung und Gewalt erinnert werden.

Moralische Verantwortung

Das auch im Vorstoss vorgeschlagene Käppelijoch wurde deshalb ausgewählt, weil dort einst mehrere wegen Hexerei verurteilte Personen hingerichtet worden waren. Nach Angaben der Regierung wurden zwischen 1433 und 1680 unter der Jurisdiktion des Basler Rates 29 Hexen exekutiert.
Die Opfer der Hexenverfolgung rechtlich zu rehabilitieren, ist laut Regierung nicht möglich. Quellen- und Beweislage reichen dafür nicht aus. Mit einer moralisch-ethischen Rehabilitierung soll jedoch in Basel eine moralische Verantwortung übernommen werden.

Wann die Gedenktafel beim Käppelijoch angebracht wird, ist noch offen, wie es bei der Staatskanzlei auf Anfrage heisst. Das erste Hexendenkmal der Schweiz befindet sich seit 2014 in Glarus. Es erinnert an die im Jahr 1782 hingerichtete Magd Anna Göldi, die 2008 rehabilitiert wurde. Ebenfalls 2014 wurde im Zürcher Stadtparlament ein Vorstoss für ein Hexen-Mahnmal überwiesen.

(las/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christian von Stein am 17.03.2017 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Inquisition

    Sehr gute Tat! Gedenkstätten machen die Gedanken sensibler für Ungutes... Richtig cool wäre es allerdings,..... wenn die katholische Kirche restlos alle Kosten für dieses Denkmal übernimmt... und sich öffentlich an Ort und Stelle mit einem deutlichen Schild mit entschuldigt... Ohne die Kirche bzw. deren Inquisition hätten diese netten Damen weiterleben können!

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  • Marguerite am 17.03.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir Frauen

    Bitte nicht zu laut, sonst hat Frau Funiciello wieder einen Grund zu protestieren.

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  • langepassé am 17.03.2017 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schande!

    Das war vor über 300 Jahren! es gibt weit jüngere dunkle Kapitel der Schweizer Geschichte, die wir noch nicht wirklich thematisiert oder verarbeitet haben, und es leben einige Opfer oder Nachkommen noch. Wir sollten und lieber um die kümmern

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Die neusten Leser-Kommentare

  • werner am 19.03.2017 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Beichtstühle

    Diese Gedenktafel gehört nicht in die Öffentlichkeit sondern in die Katholischen Kirchen,denn die Verantwortlichen für diese Schantaten haben dort gewirkt.

  • Dani_87 am 18.03.2017 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschichte lehrt uns... 

    Niemand der heute lebt, kann Verantwortung für Taten übernehmen, die vor hunderten von Jahren begangen wurden. Doch wir können Gedenktafeln an Orten mit historischer Vergangenheit aufhängen. Wir können in der Geschichte forschen und Wissen über verganGene Zeiten ausgraben. Wir können versuchen, uns und unseren Kindern die Vergangenheit zu erklären. Verständlich, greifbar und manchmal sogar erlebbar zu machen. Das, zusammen mit einem vernünftigen Weg in die Zukunft, ist das Wichtigste überhaupt! Das Wissen, woher wir kommen und was das für Menschen waren, die vor uns da waren. Wie sie gelebt, was sie gegessen und was sie anhatten. Was sie dachten und wie ihre Welt funktionierte. Und was sie für Fehler gemacht haben. Denn dann können wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und es besser machen. "Die Geschichte lehrt uns, dass die Geschichte uns nichts lehrt!" Das stimmt eben nur dann, wenn wir uns nicht damit beschäftigen und eben: nichts lernen!

  • Rudi am 18.03.2017 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Im Auftrag der Kirche

    Die Taten selbst wurden ja von der weltlichen Gerichtsbarkeit verübt. Aber was, wenn sie den Forderungen der Kirchenmänner nicht nachgekommen wäre? Also für mich läuft das unter Auftragsmord.

  • FernLeser am 18.03.2017 17:58 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Wieso wenden wir nun resourcen dafür auf Leuten zu "helfen" die seit über 100 Jahren Tot sind ? Nennt mich einen pesimisten, aber ich glaube nicht dass die dadurch wieder lebendig werden. Ich würde es vorziehen wenn wir uns stattdessen bemühen risiken für eine künftige Hexenjadg zu reduzieren. In einigen Ländern scheint das Thema wieder ziemlich aktuell zu werden. Menschen enftühren und Foltern ohne auch nur Ansätze von Beweisen. Oder ganze Familien mit Dronen auslöschen, einfach nur weil man das Ding sowieso schon dort hien gesteuert hat.

  • j. e. am 18.03.2017 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelalter existiert noch heute

    Wir machten solche Dinge im Mittelalter. Andere Religionen machen änliches noch heute...

    • peter meier am 18.03.2017 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @j. e.

      Ja aber das Vermoegen der Hexen ging an die Kirche

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