Laufenburg AG

15. Mai 2018 05:48; Akt: 15.05.2018 09:59 Print

Lehrer reisten in Vatikan statt Schule zu geben

Für ihr Schulmagazin besuchten sechs Lehrpersonen im Januar den Vatikan – während der Unterrichtszeit. Die Kreisschulpflege segnete die Reise ab und handelte damit vermutlich widerrechtlich.

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Im Januar waren sechs Lehrer, die Schulverwalterin und der Schulleiter der Kreisschule mit drei Begleitpersonen für sechs Tage nach Rom geflogen, um für die Frühjahrsausgabe des Schulmagazins mit dem Thema «Dein Gott. Kein Gott. Mein Gott» zu recherchieren. Ihre Ausbeute: Sechs Sätze und sieben Bilder.

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«Ein grosser Artikel war vorab in Aussicht gestellt. Da staune ich doch sehr», schreibt ein aufgebrachter Elternteil. In einem Schreiben wandte sich der anonyme Beschwerdeführer an 20 Minuten, um seine Kritik an der Italien-Reise zum Ausdruck zu bringen. An drei Tagen wurde seine Tochter von Vertretungslehrern unterrichtet, während das Rechercheteam der Schulzeitschrift in Rom laut ihrem Bericht «beste Wetterverhältnisse, ein sauberes Hotel, wunderbares Essen und Trinken» geniessen konnte. Auch eine Audienz beim Papst stand auf dem Programm.

«So etwas sollte doch wirklich keinen Platz in unserem Schulsystem haben», regt sich der Beschwerdeführer weiter auf. Da dürfe man sich nicht wundern, wenn auch im Bildungswesen der Sparhebel angesetzt werde.

Spesenpauschale von 200 Franken

Für die Reisekosten mussten die Teilnehmer laut Schulleiter Siegbert Jäckle selbst aufkommen. «Das Redaktionsteam wurde für seine Ausgaben in Bezug auf die Recherchearbeiten mit einer Spesenpauschale von 200 Franken pro Teilnehmer entschädigt», so Annick Caruso von der Kreisschulpflege Laufenburg.

Es gebe keine konkreten internen Regelungen für die Durchführung solcher «einmaliger Möglichkeiten». Stattdessen werde individuell entschieden: «Im vorliegenden Fall beschlossen wir, die Reise nach Rom zu Recherchezwecken für das Schulmagazin und anschliessendes Einfliessen in den Unterricht zu bewilligen. Die Unterrichtsvertretung erfolgte im Austausch unentgeltlich – die Lehrpersonen mussten die Zeit also aufarbeiten», so Caruso.

Dass drei reguläre Unterrichtstage von der Reise betroffen waren, ist laut Jäckle Zufall. «Geplant war die Reise in den Ferien. Aufgrund der Teilnahme an der Papstaudienz mussten wir einen Teil in die Schulzeit verlegen», erläutert der Schulleiter.

Ausführlicher Bericht in der Lokalzeitung

Im Widerspruch dazu steht allerdings ein ausführlicher Artikel über das recherchierende Pädagogenteam der «Neuen Fricktaler Zeitung». Das Blatt berichtet ausführlich über den Kontakt zu Schweizer Gardisten, der sie an exklusive Orte führte, die für die Öffentlichkeit normalerweise unzugänglich sind sowie die Papstaudienz.

Davon war im Schulmagazin allerdings nicht viel zu lesen. Laut Jäckle ist eben der ausführliche Artikel der «Neuen Fricktaler Zeitung» Grund für die knappen Informationen im Magazin. Man bevorzugte deshalb mehr Bilder.

«Kein Spielraum für Reise dieser Art»

Die Recherche-Reise der Laufenburger Pädagogen könnte ein Nachspiel haben. Denn in welchen Fällen Urlaube während der Unterrichtszeit für Lehrpersonen möglich sind und wann Stellvertretungen bewilligt werden, sei klar geregelt, schreibt die Sprecherin der Aargauer Bildungsdirektion auf Anfrage. Sie hält unmissverständlich fest: «Es gibt keinen Spielraum für eine Reise in der Art, wie sie im vorliegenden Fall geschildert wird.»

(sis)