Allschwil BL

11. Mai 2018 10:58; Akt: 11.05.2018 10:58 Print

Lehrer wegen Actimel, Cola und Wähe gekündigt

Ein Hauswirtschaftslehrer verhielt sich in den letzten Jahren so gar nicht vorbildlich. Seine Spesenabrechnung über 147 Franken brachte das Fass zum Überlaufen.

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An der Sekundarschule am Lettenweg in Allschwil unterrichtete der umstrittene Lehrer Hauswirtschaft. (Bild: Google Street View)

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Weil er einen privaten Einkauf in der Migros über seine Schulklasse abgerechnet hatte, kündigte die Schulleitung der Allschwiler Sekundarschule am Lettenweg einem Hauswirtschaftslehrer im Oktober 2016. Das Baselbieter Kantonsgericht bestätigte am Mittwoch die Entscheidung nun als rechtmässig, wie die «bz Basel» berichtet.

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Der Pädagoge hatte im ersten Halbjahr 2016 unter anderem Balisto, Actimel, Coca-Cola Zero und Rhabarberwähe für sich eingekauft. Genau wie auch die Abokosten der Kochzeitschrift «Saisonküche», die er zu sich nach Hause liefern liess, wickelte er diese Kosten über die Spesenabrechnung seiner Schulklasse ab.

Gericht bestätigt Entlassung

Nach der Entlassung durch den Schulrat rekurrierte der Mann beim Baselbieter Regierungsrat, allerdings ohne Erfolg. Für ihn sprach, dass ihm nach der Kündigungsandrohung die Akteneinsicht sowie das rechtliche Gehör verweigert worden waren. Das attestierte ihm Richter Markus Clausen laut der Zeitung zumindest in Teilen.

Ausserdem versuchte er, sich mit dem Argument zu verteidigen, dass eine fristlose Kündigung bei einem Staatsdiener nur im besonders schweren Fall angebracht sei. Ein Geldbetrag von 147 Franken wäre dafür zu gering.

Schülern wurden nach Prüfung Ergebnisse vorgelesen

Weil der Erzieher aber schon seit fast einem Jahrzehnt immer wieder negativ aufgefallen ist, nützen ihm alle Argumente letztlich wenig. So kassierte er im Juni 2016 bereits eine Verwarnung, weil er Matheschülern während einer Prüfung, die er beaufsichtigen sollte, erlaubte, den Taschenrechner zu benutzen. Am Ende der Matheprüfung las er ihnen die Ergebnisse auch noch laut vor.

Ferner soll er im Jahr 2009 Küchengeräte im Wert von knapp 320 Franken angeschafft haben, ohne es vorher mit der Schulleitung zu besprechen.

«Wie viele Chancen gibt man dem Lehrer noch?»

Der Lehrer habe sich laut Clausen nicht entsprechend seiner Vorbildfunktion als Lehrer gegenüber seinen Schützlingen verhalten. Die Gerichtspräsidentin Franziska Preiswerk-Vögtli fragte rhetorisch: «Wie viele Chancen gibt man dem Lehrer noch? Es handelte sich hier nicht um Bagatellen», wie die «bz Basel» schreibt.

Seine geforderte Abfindung in Höhe eines Jahreslohns bekommt er nicht. Dafür muss er die Verfahrenskosten nicht ganz übernehmen, da ihm die Akteneinsicht tatsächlich zu Unrecht verweigert wurde. Der Pädagoge hat inzwischen eine neue Stelle angetreten.


(sis)