Nach dem Klassiker

07. Juni 2018 18:25; Akt: 07.06.2018 18:47 Print

Gericht verurteilt FCZ- und FCB-Rowdys

Drei Fussball-Rowdys standen am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht. Sie hatten sich nach dem Spiel FCB – FCZ im April 2015 an Scharmützeln beteiligt.

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Die Situation war schier eskaliert. Nach dem Fussballklassiker zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich vom 12. April 2015 gingen im St. Jakob-Park rund um den Gästesektor die Wogen hoch. Security und Zäune konnten gerade noch Schlimmeres verhindern.

Am Donnerstag wurden die Ereignisse am Basler Strafgericht nochmals aufgerollt. Drei Beteiligte von damals – zwei Zürcher Fans und ein Basler Anhänger – hatten sich vor dem Richter zu verantworten. Ein Angeklagter auf Zürcher Seite hatte bereits während des Spiels Pyros gezündet und diese brennend ins Parkett des Gästesektors geworfen. Auch ein Stuhl flog vom Balkon, geworfen vom Beschuldigten.

Nach dem Schlusspfiff kam es zur Konfrontation mit FCB-Anhängern, die die Zürcher Fans «massiv provozierten», wie die Verteidigung vor Gericht zu Protokoll gab. Offenbar mit Erfolg: Der Angeklagte kletterte über die Abtrennung zwischen den Stadion-Sektoren und versuchte, ein Tor zu öffnen, um ganz zu den gewaltbereiten Baslern zu gelangen. Dazu kam es nicht. Der 22-jährige Zürcher konnte das Tor nicht öffnen und die Security setzte Reizgas ein, worauf sich der Zürcher Mob aus dem Staub machte.

Richter: «Trinke auch mal ein paar Bier im Stadion»

Der angeklagte Chaot gestand seine Taten vor Gericht ein und zeigte Reue. Sein Verteidiger betonte zudem, sein Mandant sei stark alkoholisiert gewesen und habe sich deshalb zu «solchen Dummheiten» hinreissen lassen. Das Gericht verurteilte den jungen Mann schliesslich wegen Landfriedensbruchs und einem geringfügigen Vermögensdelikt zu einer bedingten Geldstrafe sowie einer Busse von 1000 Franken. Den hohen Alkoholpegel des Beschuldigten quittierte der Richter – offensichtlich selbst Fussballfan – folgendermassen: «Ich trinke selbst auch mal ein, zwei oder drei Bier im Stadion und prügle mich dennoch nicht.»

Ein zweiter Beteiligter auf Seiten des FCZ-Fanlagers sass ebenfalls wegen der Scharmützel auf der Anklagebank. Auch er war auf die Provokationen von Basler Seite eingegangen, stieg auf den Zaun und heizte die aufgeladene Stimmung zusätzlich an. Der 21-Jährige ist kein einmaliger Täter: Im selben Jahr war er auch an Ausschreitungen in Luzern zwischen Zürcher und Luzerner Anhängern beteiligt gewesen. Alles in allem kassierte auch er vom Basler Strafrichter eine bedingte Geldstrafe. Reue war bei ihm keine zu erkennen. Der Angeklagte kommentierte seine Taten nicht und nahm das Urteil wortlos entgegen.

Nicht nur beim Fussball aggressiv

Eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten setzte es für einen 36-jährigen FCB-Anhänger ab. Laut Anklageschrift hatte er die Zusammenrottung von FCB-Schlägern angeführt, als diese nach dem Klassiker über den Sektor A in Richtung Gästesektor vorgedrungen waren. Es flogen Plastikstangen und es gab Tritte seitens der Basler Schläger gegen den Zaun und ihre Gegner aus Zürich. Das Gericht verurteilte den Basler wegen Landfriedensbruchs. Da er auch wegen eines Gewaltdelikts abseits des Fussballgeschehens angeklagt war, sprach ihn der Richter zudem wegen einfacher Körperverletzung schuldig.

(daf)