Revolution in der Forschung

08. Februar 2018 18:28; Akt: 08.02.2018 18:28 Print

Schweizer Forscher stellt Universum auf den Kopf

Ein Doktorand aus Basel rüttelt mit einer neuen Erkenntnis an den Grundfesten der Astronomie. Nun bricht ein riesiger Rummel über den 28-jährigen Metal- und «Star-Wars»-Fan ein.

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Was, wenn unsere Milchstrasse anders funktioniert als Wissenschaftler dachten? Was, wenn es die dunkle Materie gar nicht gibt? Mit diesen Fragen macht der 28-jährige Basler Oliver Müller zurzeit die ganze Astronomie-Community nervös. Er und sein Team stützen ihre Fragen auf eine eigens entwickelte Theorie. Diese schaffte es nun sogar auf die Titelseite der aktuellen Ausgabe von «Science», dem wohl renommiertesten Wissenschaftsmagazin der Welt.

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Bislang ging die Astronomie davon aus, dass kleinere Galaxien, die grosse Sternensysteme umgeben, zufällig verteilt sind und sich chaotisch bewegen. Zusammengehalten würden die Galaxien von unsichtbarer dunkler Materie, die zwar mathematisch beschrieben, aber nie nachgewiesen werden konnte. Müller stellt dieses kosmologische Standardmodell nun auf den Kopf.

Gibt es gar keine dunkle Materie?

Anhand von Untersuchungen von Sternbildern der Centaurus-A-Galaxie hat er mit seinem Team festgestellt, dass alles ganz anders ist. Die Satellitengalaxien bewegen sich nämlich in einem gemeinsamen Bewegungsmuster und rotieren um die Muttergalaxie. «Die kohärente Bewegung scheint ein universelles Phänomen zu sein, das nach neuen Erklärungen verlangt», kommentiert Müller.

Mit diesem Befund rüttelt er an den Grundfesten der Astrophysik und stellt sogar die Existenz von dunkler Materie und das heutige Verständnis von Gravitationskraft infrage. Stattdessen arbeitet Müller mit einem neuen Modell der Gravitationskraft – also jener Kraft, die wir als Erdanziehung wahrnehmen. Denn: Mit dunkler Materie und dunkler Energie kann das feste Bewegungsmuster der Satellitengalaxien, das Müller festgestellt hat, nicht erklärt werden.

Haben bestehende Modelle ausgedient?

«Es muss bezweifelt werden, dass es dunkle Materie und dunkle Energie überhaupt gibt. Sie steht für das Unwissen, das wir über einen Grossteil des Universums besitzen», erklärt Müller. Gerade einmal fünf Prozent des Weltalls würden sich dem Menschen erschliessen. Die restlichen 95 Prozent lägen buchstäblich im Dunkeln – und diese würden mit dunkler Materie und dunkler Energie erklärt. «Ein anderes Modell von Gravitationskraft kann möglicherweise vieles erklären», so Müller.

Experten nehmen Müllers Erkentnisse mit Interesse auf. Zumal «die bestehenden Theorien und Modelle schon länger Schwierigkeiten haben, die Entstehung und die Bewegungen von Zwerggalaxien zu erklären», sagt Thomas Schildknecht, Vizedirektor des Astronomischen Instituts der Uni Bern. Müllers Resultate würden das bestehende Weltbild der Astronomie fürs Erste nicht über den Haufen werfen, glaubt der Astronome. «Aber die Erkentnisse sind spannend und wichtig. Sie könnten noch einiges auslösen.»

Der Letzte seiner Art

Der 28-Jährige macht zurzeit seinen Doktor an der Uni Basel. Und der begeisterte Astronom zündet mit dem Erfolg seiner Theorie ein regelrechtes Abschlussfeuerwerk: Das Astronomische Institut gibt es seit zehn Jahren nicht mehr. Die Uni hat die Türen des Instituts aus Spargründen geschlossen, wie die «Tageswoche» berichtete. Müller doktoriert deshalb unter dem Dach der Physiker und ist der letzte Astronom, der an der Uni den Doktortitel erhalten wird.

Hinter dem schlagartig berühmten Wissenschaftler Müller steckt aber ein gewöhnlicher junger Mann, der ein Flair für Metal-Musik und Fantasy-Spiele hat. Und natürlich ist der Sternenforscher auch «Star-Wars»-Fan, wie er gegenüber 20 Minuten bestätigt. In wenigen Monaten wird Müller sein Doktorat abschliessen. «In Europa weiter zu forschen wäre schön», meint er. Denn in Basel selbst kann er nicht bleiben. Wegen seiner Freundin, einer Mathematikerin, und seiner Verbundenheit mit Basel möchte der Münchensteiner aber nicht zu weit weg ziehen.

Wegen einer Anstellung muss sich Müller wohl keine zu grossen Sorgen machen. Seit dem Erscheinen des «Science»-Artikels rollt eine Welle von Medienanfragen über ihn. «Das bin ich mich nicht gewohnt. Seit zwei Wochen klingelt bei mir nur noch das Telefon. Aber ich geniesse es auch.»

Für die Uni Basel ein «grosser Erfolg»

Die Uni Basel ist natürlich stolz. Dass es ihr Eigengewächs ins «Science»-Journal geschafft hat, sei ein «ein grosser, erstaunlicher und sehr erfreulicher Erfolg», sagt Dominik Zumbühl, Leiter des Departements Physik. Und was sagt er zur Tatsache, dass dieser Erfolg ausgerechnet in einem Forschungsgebiet erzielt wurde, das demnächst ganz aus der Uni Basel verschwinden wird? «Spitzenleistungen können auch ausserhalb der Forschungsschwerpunkte erfolgen, was aber noch nicht heisst, dass jeder Erfolg zu einem Schwerpunkt wird», betont Zumbühl.

Oliver Müller und ein Kollege stellen ihre revolutionäre Theorie von Galaxien vor. (Video: Oliver Müller)

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luzerner am 08.02.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach genial

    Das mit 28 Jahren! Weiter so... Respekt!

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  • Fakelaki am 08.02.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Astronomie in der Schweiz, top

    Super, weiter so. Ich hoffe, dass wir von dem Jungen noch einiges hören werden. Bin gespannt, wie die Geschichte weiter geht. Gute Werbung für die Schweiz

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  • Appeeri am 08.02.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dieser Artikel...

    ...liest sich in etwas so: "Ein Schweizer hat etwas herausgefunden über Galaxien. Wir verstehen nicht ganz um was es geht aber es hat etwas mit der schwarzen Materie zu tun und damit, dass diese widerlegt werden könnte. Leider haben wir keine blassen Schimmer davon aber wir sind sehr stolz auf ihn vor allem weil er der Letzte seiner Art ist." Fazit: Unterirdisch. Sehr interessantes Thema aber wer es genau wissen will muss Google fragen... hätte der Schreiberling evtl. auch mal machen sollen, dann hätte dieser Artikel etwas mehr Inhalt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonja am 09.02.2018 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft ist genial, wenn

    Am meisten Spass an der Wissenschaft hat man, wenn man als Geschöpf das studieren kann was der Schöpfer geschaffen hat. Wer so an das Geschaffene herangeht, der kann die Schönheit und Genialität des Universums viel mehr schätzen als jener der vermeintliche Zufälle studiert.

    • Pete am 10.02.2018 00:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Sonja

      Abgesehen davon, dass diese Behauptung komplett aus der Luft gegriffen ist, ist die Sache mit den "vermeintlichen Zufällen" ein absolutes Strohmann-Argument. Auf dass Sie aber pochen müssen, um das falsche "entweder Schöpfer oder Zufall"-Dilemma aufrecht zu erhalten. Leere Behauptungen, falsche Prämissen, fehlerhafte Logik... Ich sehe das alles ein wenig anders. Wer allen Wundern unseres Kosmos einen Schöpfer unterstellt untergräbt damit ihre wahre Schönheit. Das beharren auf einen Schöpfer ist eine Beschneidung des geistigen Horizonts und eine Herabwürdigung unseres Universums.

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  • Katholik am 09.02.2018 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Am Anfang aller Ursachen steht ein Ver..

    Wenn die Wissenschaft wirklich Wissen schaffen will, dann muss sie auch die Demut haben das Offensichtliche in Betracht zu ziehen, nämlich dass am Anfang aller Ursachen ein Verursacher steht. Wer bei den Grundannahmen falsch liegt, der liegt auch bei allen nachfolgenden Schlussfolgerungen falsch. Deshalb ist das alte Mütterchen heute Morgen in der Messe näher an der Wahrheit als jener Doktor der Astronomie, der nicht den nicht erkennt, der alles geschaffen hat und zusammenhält. Jenen, der vor 2000 Jahren unter uns weilte und uns die ultimative Realität offenlegte.

    • Oliver R. am 09.02.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      @Katholik

      Ein von Menschen erfundenes Märchen, welches auch noch mehrere Jahrhunderte und diverse Übersetzungen auf dem Buckel hat, soll näher an der Wahrheit sein als die Wissenschaft? Die Wissenschaft ist immerhin bereit, Irrtümer einzugestehen und zu korrigieren, was man vom "Märchen" nicht behaupten kann.

    • Katholik am 09.02.2018 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oliver R.

      Bist Du bereit für deinen Glauben auch zu sterben so wie die Christen seit 2000 Jahren. Oder hat ihr Märchen mehr Substanz als deine Glaubensannahme, dass Gott nicht existiert?

    • Oliver R. am 09.02.2018 23:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Katholik

      Da ich keinen Glauben habe, kann ich auch nicht bereit sein dafür zu sterben, wüsste auch nicht wozu. Was haben all diese "Götter" gebracht, ausser Milliarden von Toten, nix aber auch gar nix.

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  • Butch am 09.02.2018 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht?

    Was hat Gravitation mit dunkler Materie zu tun? Zumindest die Gravitation, welche wir auf der Erde kennen, geht vom Erdkern aus. Auf dem Mond kann man bekanntlich weiter springen, als auf der Erde. Aber was hat das mit dunkler Materie zu tun?

  • Pat Mächler am 09.02.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt Alternativen zur Dunklen Materie

    Möglicherweise wird Dunkle Materie und Dunkle Energie genauso ein Rohrkrepierer werden wie der Äther oder das geozentrische Weltbild. Ein interessanter Kandidat dazu wäre etwa auch die These der emergente Gravitation von Erik Verlinde.

  • Dr.Prof.Sirius am 09.02.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft

    Leider gibt es das Astronomische Institut an der Uni Basel seit 10 Jahren nicht mehr.Im Gegenzug kann man jetzt Islamwissenschaft studieren.Das ist scheinbar für die Universität wissenschaftlich viel interessanter.

    • Fata Gaskic am 09.02.2018 12:38 Report Diesen Beitrag melden

      Meihnung

      Jede hat Recht auf seine Wahrheit...leider dass das alles viel Geld kostet, man könnte das für bessere Zwecke benützen....

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