Basel unverpackt

09. April 2017 18:39; Akt: 09.04.2017 18:39 Print

In diesem Laden kauft man ganz ohne Plastik ein

Am Erasmusplatz eröffnete am Samstag Basel unverpackt: Im Laden sind alle Produkte aus der Schweiz, biologisch – und eben nur offen erhältlich.

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«In Zürich und Winterthur sind gerade ähnliche Geschäfte aufgegangen. Und auch von Bern und der Romandie habe ich kürzlich gelesen», erzählt Chris Mani. Er ist einer von sieben Gründern von Basel unverpackt – ein Name, der für sich selbst spricht. Im kleinen Geschäft am Erasmusplatz, das den Hauptfokus auf Lebensmittel legt, kriegt der Kunde nur das, was er will: das Produkt, ohne den Plastik, Karton oder das Papier drumherum.

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Internationaler Trend nun auch in Basel

In den USA besteht der Trend des nachhaltigen Einkaufens der nächsten Stufe schon seit einigen Jahren. Grundgedanke dahinter ist die Wiederverwertbarkeit: Anstatt sich immer wieder mit neuen Plastiksäckchen einzudecken, bringt man seine Behälter selbst mit und füllt sie mit dem, was man braucht. 2017 hat die Idee auch in der Schweiz Fuss gefasst.

«In Basel haben wir im Moment noch Pionier-Charakter», sagt Mani. Er und das restliche Team haben anstrengende Tage hinter sich, denn am 8. April war Eröffnung. «Wir haben den ganzen Tag lang verkauft. Es ist wirklich sehr gut gelaufen», resümiert er am Sonntag. Lebensmittel, vor allem Trockenware, machen gut zwei Drittel des Sortiments aus. Doch auch Artikel wie Kosmetika und wiederverwertbare Behälter finden sich im Laden. Grundsätzlich sei alles biologische und möglichst in der Schweiz produzierte Ware.

Finanziert wird über Darlehen

Gestartet wurde das Projekt vor zwei Jahren. Nathalie Reinau, die unter anderem Umweltwissenschaften studierte, hatte die zündende Idee. Nach und nach lernten sich die sieben Köpfe von Basel unverpackt kennen – das Spektrum reicht von der Beratungsingenieurin bis hin zur Detailhandelsspezialistin. Daraufhin gründeten sie eine Genossenschaft und fanden im Februar 2017 schliesslich die Liegenschaft am Erasmusplatz. Auch konnten vor Ladeneröffnung bestehende Netzwerke aus lokalen Lieferanten ins Konzept integriert werden.

Doch der Weg vom Konzept zum Laden kostet Geld. Mani: «Die Finanzierung läuft hauptsächlich über Darlehen und zum Teil auch über Spenden». Zur Zeit arbeiten alle ehrenamtlich zwischen 10 und 20 Prozent im Geschäft. «Längerfristig ist es aber schon der Plan, Löhne auszuzahlen», sagt der 30-Jährige, der zur Zeit eine Ausbildung zum Gymnasiumlehrer durchläuft.

Konkurrenz folgt schon bald

Vor einigen Tagen hat das Team auch eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um die Kosten für die Einrichtung wieder reinzuholen. «Wir sind zuversichtlich», so Mani. Generell sei die Resonanz der Kundschaft durchweg positiv ausgefallen, und auch der Zuspruch auf Plattformen wie Facebook sei gross. «Die Idee ist es, das Interessierte zu Genossenschaftern werden und so bei der weiteren Gestaltung mitreden können.»

Dass im Mai im Gundeli mit der Abfüllerei Basel ein Geschäft mit gleichem Konzept eröffnet ist für Mani nicht weiter tragisch: «Es ist nun mal ein Trend, mit dem muss man leben. Ausserdem gibt es in Basel genug Platz für zwei Unverpackt-Läden». Ob auch grössere Geschäfte in Zukunft vermehrt auf die Verpackung verzichten, bleibe abzuwarten.


(rob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joe SH am 09.04.2017 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich wieder mal etwas kluges

    Wünsche mir es gibt überall in der Schweiz solche Einzelhandelsgeschäfte...ich finde dass die Anderen die Kaffeekapseln, eingepackte Patisserie/Gemüse/Fleisch/Käse....ein NO GO sind. Auch alle "Take-away"/"Coffee to go" müssten umdenken und keine Wegwerfpackungen mehr benützen.

  • Olaf Müller am 09.04.2017 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Hr.

    Das ist die Zukunft und ich freue mich auf weitere Geschäfte, auch in Deutschland. Zur Zeit lebe ich mit viel zu viel Plastik, aber ich gebe mir Mühe beim Einkauf nicht noch mehr mitzunehmen als nötig.

  • Ein Leser am 09.04.2017 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nicht ganz ausgereift

    Dann müsste man die gesamte Versorgungskette ohne Verpackung machen. Es nützt nichts wenn die Filialen das Essen auspacken. Dann ensteht der Abfall einfach bei den Filialen. Der Abfall sollte komplett vermieden werden. Schon beim Rohstoff sollte man auf Jutesäcke setzen. Dann die Säcke mit der Kutsche in die Filialen transportieren so reduziert man den CO2 Ausstoss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neuer Kunde am 09.04.2017 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer hats erfunden

    Ein Klasse Konzept aus der Hansestadt Hamburg! Auch Berlin ist schon nachgezogen und Österreich, nur die Schweiz brauchte wieder ewig. Ich freue mich sehr diesen Laden in meiner Heimatstadt zu finden.

  • alfmir am 09.04.2017 23:13 Report Diesen Beitrag melden

    unappetitlich....

    Wenn ich mir so vorstelle, wie die Leute über diesen offenen Behältern niesen und husten.........

  • Manuela690 am 09.04.2017 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool

    Würde es sofort auch probieren so einzukaufen! Super:-)

  • RS am 09.04.2017 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Supper Idee

    Trozdem hat man das Problem, dass beim Fleisch vlt doch noch ein Papier mit einer Plastikschicht verwendet wird... So muss aber auch die ganze Kette mitmachen, also von Produktion bis Verkauf

  • Perry am 09.04.2017 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cool!!

    weiss jemand wie der laden in zürich oder bern heisst??