Projekt Rastplatz

25. September 2015 05:59; Akt: 25.09.2015 09:02 Print

Junge Basler kochen auf dem Balkan für Flüchtlinge

von Matthias Kempf - Eigentlich wollten sie nur Ferien machen und entspannen. Doch nun brechen vier Basler an die kroatisch-serbische Grenze auf, um Flüchtlingen Essen zuzubereiten.

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Am Freitagmorgen geht es los: Mit einem VW-Bus machen sich Joel Sames, Simon Krieger und zwei weitere Basler auf die 1200 Kilometer lange Reise an die kroatisch-serbische Grenze, um die dort ausharrenden Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Sames war schon tief in der Ferienplanung mit der Freundin, als ihn das bedrückende Gefühl überkam, «dass momentan nicht der Zeitpunkt sei, um gemütlich am Strand zu liegen.»

«In dieser Flüchtlingskrise sind alle gefragt. Vor allem seit die Staaten nicht mehr in der Lage sind, die Probleme allein zu bewältigen», so Sames. Vor drei Wochen hat er seine Idee mit dem Projekt Rastplatz konkretisiert. Voraussichtlich zwei Wochen werden die freiwilligen Helfer vor Ort bleiben. «Wir haben aber offiziell keine Hilfsgüter dabei», sagt Sames. Der Van ist voll mit Zelten, Kochgeschirr und Verbandsmaterial, aber auch Kleidern, speziell für den Winter. «Alles, was wir mitnehmen, müssen wir auch wieder zurückbringen.»

Eines der wichtigsten Mitbringsel ist laut Sames aber das Akkuladegerät, das mit einem Generator betrieben wird und den Flüchtlingen das kostenlose Aufladen ihrer Handys ermöglicht. Das Essen hingegen wird direkt vor Ort eingekauft.

Flüchtlinge sollen selber kochen

Ziel sei es, mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen und durch das Essen eine Vertrauensbasis aufzubauen, so Sames. Der 40-jährige Filmschaffende hofft, dass sie durch ihre Hilfe auch Hilfe zurückerhalten. «Es wäre schön, wenn sich die Flüchtlinge am Kochtopf beteiligen würden.» Gekocht werden soll vegetarisch, da Halal-Fleisch schwierig aufzutreiben sei und auch seinen Preis habe. «Wir werden Maklube zubereiten, ein nahrhaftes syrisches Gericht mit Reis und Kartoffeln.»

Finanziert wird das Projekt Rastplatz durch Spenden, die die Helfer durch Crowdfunding zusammentragen. «Bis jetzt haben wir schon 12'000 Franken zusammen.» Das Geld soll hauptsächlich in den Kauf von Nahrungsmitteln investiert werden.

Nicht in kulturelle Fettnäpfchen treten

Die Gruppe hat sich vor ihrer Abfahrt umfassend über die Gegebenheiten vor Ort informiert. «Wir wissen ein bisschen über die Tabus Bescheid», sagt Sames, der schon in Afghanistan, Sri Lanka oder Uganda gearbeitet hat. «Keine Tampons verteilen, sondern nur Binden. Kondome sind tabu, genauso wie Gummibärchen, da diese Knochenmark von Schweinen enthalten», weiss er.

Da keiner der vier arabisch spricht, müssen sie gute Beziehungen zu syrischen Flüchtlingen knüpfen, die als Übersetzer fungieren. Denn geplant ist neben der Hilfs- auch eine Aufklärungsaktion. «Wir wollen in unserem Van Video-Interviews mit Flüchtlingen durchführen, die ihre Geschichte erzählen», sagt Sames. Dadurch soll vermittelt werden, dass Flüchtlinge vor der Flucht normale Menschen waren mit einem geregelten Leben, wie wir es auch kennen.

Fahrt ins Ungewisse

Simon Krieger hat Erfahrungen mit Flüchtlingen. Zurzeit stellt er eine multimediale Flüchtlingsreportage fertig, die ihn von Griechenland bis in den Iran geführt hat. Trotzdem weiss der 26-Jährige nicht, was ihn und seine Freunde in Kroatien und Serbien erwarten wird. «Es ist möglich, dass wir Probleme mit den Behörden bekommen.»

Je nach Situation bleiben sie länger vor Ort. «Wir sind freischaffend. Wenn es gut läuft und wir Kontakte knüpfen können, bleiben wir ein bisschen länger.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max am 25.09.2015 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kroatien

    Hay Leute, Bin vor 3 jahren nach Zagreb ausgewandert. Kroatien ist im Moment total sicher. Das Rote Kreuz, UNHCR ect ist vor Ort. Die Flüchtlinge werden mit dem grössten Respekt behandelt da die Einheimischen mitfühlen. Aber es ist nicht zu vergleichen mit den Flüchtlingen von damals. Heute sind es zu 80 prozent nur Männer 20-35 Jahre. Ob das gut ausgehen wird bezweifle ich. Gestern wurde die Armee in bereitschaft gerufen, darüber weiss keiner was.

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  • Kr. Itiker am 25.09.2015 07:40 Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen ob die "Flüchtlinge" ...

    weniger Heikel sind als in Ungarn wo sie Essen auf die Polizei geworfen haben... upps davon hat man natürlich nichts gehört in den Medien... warum wohl?

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  • Noname am 25.09.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Randständige

    Ist an sich ja eine gute sache wäre aber auch schön wenn sie am Claraplatz bei denn Randständige Menschen auch Kochen würden

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Die neusten Leser-Kommentare

  • zu eng am 26.09.2015 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben unsere eigenen Probleme

    Toll, dann kocht sooo gut, dass sie bei euch bleiben wollen und dann ist allen geholfen!

  • roman am 26.09.2015 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    anstatt die welt zu retten

    meine grossmutter kriegt ergänzungsleistungen weil sie die kinder gross gezogen hat und keine pensionskasse hatte. wer heute teilzeit arbeitet wird im ahv alter ebenfalls el beantragen müssen. und dann lese ich so aktionen. setzt euch mal für die hiesigen probleme ein anstatt die welt zu retten. krankenkassenprämien, arbeitslosenquote etc. was sind das für bürger?!

    • ladina am 26.09.2015 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roman

      Was tuen sie Roman machen sie sich mal ernst gedanken was sie tuen , befor sie eine solche meiner Meinung grossartige tat verurteilen..

    • roman am 26.09.2015 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ladina

      ich kandidiere für den nationalrat, gerne können sie für mich stimmen falls sie im kt zh wohnen und stimmberechtigt sind, denn mein aktionismus orientiert sich nicht am zeitgeist und facebook likes, sondern an den bedürfnissen der bevölkerung.

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  • Die andere Schweiz am 26.09.2015 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Cool! Kann man spenden? Wo?

  • Alex am 26.09.2015 00:43 Report Diesen Beitrag melden

    So irgendwie

    werde ich den Eindruck nicht los, dass die ganze Aktion für diese Leute in erster Linie Happeningcharakter hat. Tue gutes und sprich darüber ;-)

    • alles SVP? am 26.09.2015 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alex

      wer gegen den Mainstream schwimmt verdient auch Aufmerksamkeit.

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  • Regina Arena am 25.09.2015 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top!

    Viel Glück Jungs und Hut ab. Ihr lebt die Menschlichkeit, danke dafür. Das muss bei all der Gehässigkeit hier auch mal gesagt werden. All ihr Haters....ihr tut mir Leid. Ihr seid Arm.