Basel-Landschaft

25. Januar 2018 12:03; Akt: 25.01.2018 12:04 Print

Whistleblower nach Auto-Affäre entlassen

Eine Behörde des Kantons Basel-Landschaft entliess einen Mitarbeiter, der einen dubiosen Verkauf alter Dienstautos aufklären wollte. Die Behörde hatte die Verkäufe nicht sauber deklariert.

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Sabine Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion ist Vorwürfen ausgesetzt. (Bild: Keystone)

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Zu diesem Schluss kommt die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Baselbieter Landrats, wie die «bz Basel», die «Basler Zeitung» und die «Tageswoche» am Donnerstag übereinstimmend berichten. Die entlassene Person hatte sich laut der GPK dafür eingesetzt, dass die Umstände von schleierhaften Autoverkäufen durch die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) des Kantons Basel-Landschaft aufgeklärt werden. Sie war bei der BUD angestellt. Ob sie männlich oder weiblich ist, wurde nicht kommuniziert. BUD-Direktorin Sabine Pegoraro bestreitet, dass die Kündigung in Zusammenhang mit den Autoverkäufen steht.

Alles begann mit einem Hinweis an die GPK von einer Mitarbeiterin der Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD): Es bestehe der Verdacht, dass in der BUD Fahrzeuge «auf nicht nachvollziehbare Weise» an Mitarbeitende des Kantons verkauft werden, wenn die Direktion neue Fahrzeuge anschafft, schreibt die GPK in ihrem Bericht. Sowohl beim Verkauf als auch bei der Verbuchung würden geltende Richtlinien verletzt, habe die BUD-Mitarbeiterin der GPK erzählt. Bei dieser Mitarbeiterin handelt es sich aber nicht um die entlassene Person.

Finanzkontrolle lieferte Mitarbeiter ans Messer

Die GPK untersuchte folglich die Verkäufe und stellte fest, dass bei 14 von 36 verkauften Autos jegliche Verkaufsbelege fehlten. Ihr Präsident, Hanspeter Weibel, spricht von «erheblichen Mängeln bei der Nachvollziehbarkeit der Abläufe». Die Untersuchungen der GPK entwickelten in der Folge «eine überraschende Dynamik», wie es Weibel nennt, als die besagte Kündigung aufgedeckt wurde.

Die Finanzkontrolle, ebenfalls an den Untersuchungen beteiligt, lieferte die Person ans Messer, die schliesslich entlassen wurde. Denn sie habe jene Personen namentlich genannt, die Gespräche mit der GPK geführt hatten, berichtet die GPK. So habe die Kündigung den wirklichen Missstand innerhalb der kantonalen Behörden aufgezeigt.

Regierung gesteht unsaubere Arbeit der BUD ein

Die GPK kommt in ihrem Bericht zum Schluss, dass die Abläufe das Resultat von kumuliertem Führungsversagen auf allen Ebenen sind. Die Hinweise auf dubiose Autoverkäufe seien zu wenig ernst genommen worden. Sowohl der Rechtsdienst wie auch die Finanzkommission hätten nicht die nötigen Fakten zum Fall geliefert – erst die GPK habe diese aufgedeckt.

Die Baselbieter Regierung ihrerseits teilte mit, dass die BUD nicht rechtswidrig gehandelt habe. Sie gesteht aber ein, dass die untersuchten Autoverkäufe «administrativ mangelhaft abgewickelt» wurden. Finanzielle Nachteile für den Kanton hätten sich daraus aber nicht ergeben. Das BUD habe nun aber verfügt, dass ab sofort sämtliche Verkäufe von ausgemusterten Fahrzeugen über den Verwertungsdienst der Sicherheitsdirektion abgewickelt werden.

Und die Regierung lässt es sich inmitten der Affäre nicht nehmen, ihrerseits gegen die GPK zu schiessen: Deren Rechte und Aufgaben müssten klarer geregelt werden, fordert sie vom Baselbieter Landrat.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PS;L am 25.01.2018 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Es rollen die falschen Köpfe

    Typisch Regierung - Als ich kriminelle Aktivitäten (Diebstahl von grösseren Geldsummen) im Militär-Kader melden wollte, war ich plötzlich Dienstuntauglich... Das fördert natürlich das Vertrauen in die Regierung enorm!

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  • S. Gruber am 25.01.2018 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Leider nicht sauber

    Frau Pegoraro ist leider alles andere als sauber. Meiner Meinung müsste Sie sofort abgewählt werden. Zudem wird Sie für die FDP immer mehr zur Last. Verliert jede Abstimmung.

  • GigiMumu am 25.01.2018 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nich in Deutscher Sprache?

    Ein Whistleblower (im deutschen Sprachraum zunehmend auch Hinweisgeber', Enthüller' oder Skandalaufdecker'), ist eine Person, die für die Allgemeinheit wichtige Informationen aus einem geheimen oder geschützten Zusammenhang an die Öffentlichkeit bringt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wälti vo Gälti am 28.01.2018 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht jammern...

    Wer hat sie gewählt?

  • Die Pessimistin am 28.01.2018 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Informationsweg ...

    Kündigungsgrund wird wohl und wie immer bei Schweinereien die Nichteinhaltung des Informations- Dienstweges sein.

  • Fritz am 27.01.2018 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetterliwirtschaft

    Ich kann nur sagen, dass die Baselbieter Regierung zusammenhält und als normaler Bürger kein durchkommen ist. Und zwar auf jeder Ebene. Das nennt man Vetterliwirtschaft!

    • Die Pessimistin am 28.01.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

      Die Selbstverherrlichung ...

      ... gibte es nicht nur im BL ich war bis jetzt in einer sozialen Institution tätig. Mit befristetem Vertrag. Eben, war. Ü50 lässt grüssen - das ist der , sozialen GL egal.

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  • Problem Loswerden am 27.01.2018 01:52 Report Diesen Beitrag melden

    Regieren wie geht das denn so....

    Politiker haben vielleicht dieses Verfahren entwickelt. Es bewährt sich eben schon. Denn wenn Negatives auskommt, kann es nur schädlich sein für die Politikerkarriere. Irgendwie muss man es unter den Teppich kehren oder wenigstens solange verzögern bis nach den Wahlen, wenn es niemanden mehr interessiert.

  • kue am 27.01.2018 01:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    korrupte CH

    die sog. "saubere" Schweiz gehört m.E. bald zu einer der korruptesten "Demokratien"