Datenschutz-Panne

23. Januar 2018 10:30; Akt: 23.01.2018 10:30 Print

Kesb stellt demenzkranke Dame bloss

Die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb Leimental hat Unbeteiligte Dritte über die Verbeiständung einer dementen, betagten Frau informiert.

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Weil sie bei einer Spendenaktion der Starken Schule beider Basel mitmachte und einen Einzahlungsschein ausfüllte, wurde die an Demenz leidende Dame nun blossgestellt, wie die «Basler Zeitung» am Dienstag publik machte. Und zwar von der – eigentlich für ihren Schutz zuständigen – Kesb Leimental.

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So kam es, dass die Starke Schule beider Basel, für die die Spende vorgesehen war, vor kurzem einen Brief bekam. Aus diesem ging hervor, dass die Frau nun nicht mehr frei über ihr Geld entscheiden kann und einen Vermögensverwalter der Kesb zur Seite bekommt – Adresse, Geburtsdatum sowie Bankkontodaten inklusive.

Kesb widerspricht sich

Die Co-Geschäftleiterin der Starken Schule beider Basel, Saskia Olsson, die die Post öffnete, informierte umgehend den Starke-Schule-Gründer und Landrat der Grünen Jürg Wiedemann, der wiederum direkt bei der Kesb Leimental intervenierte. Dort bestätigte man ihm, dass der Verein die Informationen zur Verbeiständung der Frau – eine sogenannte Ernennungsurkunde – aufgrund der Spende zu Recht erhalten habe.

Und mehr noch: Auch viele andere Personen hätten diese Ernennungsurkunde erhalten. Grund dafür sei laut Kesb-Leiter Stephan Gollonitsch, dass die Dame ihre Spendenausgaben nicht mehr überlicken könne und ihr Vermögen und damit ihre Existenz daher gefährdet sei. «Aufgrund dieser Information muss ich davon ausgehen, dass solche Zustellungen standardmässig erfolgen und selbst an Pizzakuriere und NGOs gehen», sagte Wiedemann gegenüber der «Basler Zeitung».

Interne Untersuchungen eingeleitet

Auf Nachfrage der BaZ räumte Gollonitsch aber ein, dass versehentlich eine falsche Variante der Ernennungsurkunde verschickt worden sei. Mittlerweile haben sowohl Gollonitsch als auch der Datenschutzbeauftragte des Kantons Baselland interne Abklärungen eingeleitet.

Für Wiedemann müssen aus diesem Vorfall klar Konsequenzen folgen. Mittels einer Motion will er den zuständigen Baselbieter Regierungsrat Isaac Reber auffordern, sich stärker für den Schutz hochsensibler Daten einzusetzen.

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffener am 23.01.2018 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kenne ich

    Wieder mal die KESB.. Ich mag die SVP überhaupt nicht, aber eine Initiative für die Abschaffung oder eine knallharte Kontrolle würde ich sofort unterschreiben. Da haben zuviele Dilettanten und Selbstverwirklicher definitiv zuviel Macht und zu wenig Kontrolle. Ein Staat im Staat. Ich musste mich auch mit denen anlegen, mein Anwalt war aber besser. Jetzt ohne die Einmischung der KESB läuft alles perfekt!

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  • beast98 am 23.01.2018 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung..?

    Die KESB, in meinen Augen als dipl. Pflegefachmann in der Langzeitpfleige, ist sowieso ein Witz!

  • Rocky am 23.01.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Auch andere Behörden gehen leichtfertig mit Daten

    Leider nicht nur bei kesb,gerade gestern musste ich feststellen das eine Sachbearbeiterin der EL St.Gallen meinem Zahnarzt nicht nur die Bestätigung der Auszahlung seiner Rechnung zugeschickt hat nein es wurden alle Abrechnungen vom Dezember ausgehändigt . Selbst der Zahnarzt war erschrocken

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jimbo.johnes66@gmail.com am 27.01.2018 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die KESB dein Freund und Helfer.

    Hab seid 4 Jahren immer wieder ärger mit der Kesb. Die sind so überfordert das sie einzelne Fälle oberflächlich behandeln und sich nicht ausreichend informieren, dadurch werden viele Fehlentscheidungen getroffen und damit macht die Kesb es in vielen Fällen noch schlimmer. Wenn man sich dagegen wehren will und sein Mund aufmacht, wird man dann von der Kesb schnell als zu impulsiv abgestempelt oder die psy. Belastbarkeit wird in Frage gestellt. Das ist ja auch einfacher für die Kesb.

  • c. Glaset am 24.01.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    KESB sind Spezialisten??

    Wie hiess es damals? KESB das sind alles top ausgebildete Spezialisten und nicht Hobbysozialarbeiter aus den Gemeinden. Na Glückwunscht dem der von der KESB an die Kandarre genommen wird.

  • Fuzzovic am 24.01.2018 05:09 Report Diesen Beitrag melden

    Kesb stellt demenzkranke Dame bloss

    Was soll der Austand? die demente Dame bekommt von alledem sowieso nichts mehr mit.

  • Denkerin am 23.01.2018 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    KESB in der Geriatrie

    Als Pflegeexpertin mit Erfahrung in der Geriatrie: frühzeitig eine Patientenverfügung UND einen Vorsorgeauftrag verfassen (Altersfachstellen, Hausärzte etc.) bieten Unterstützung. Empfehlung an KESB: zieht Pflegeexperten bei; bzw. stellt Fachleute ein. Meine Erfahrung mit der KESB in der Geriatrie: mehrheitlich ungenügende Qualifikation der Mitarbeiter (was haben die für eine Ausbildung?) um ein (fachliches) Assessment zu erheben, Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und Urteil zu bilden. Wen wundert; Mit verheerenden (menschenunwürdigen) Folgen...

    • Mareveck am 24.01.2018 11:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Denkerin

      Genau so ist es. Die sind absolut nicht ausgebildet und hinterfragen nichts, um sich ein wirkliches Bild über die Situation der betroffenen Person zu machen. Es sollte wieder an die Gemeinden gehen, die ihre langjährigen Einwohner und ihr Umfeld wesentlich besser kennen.

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  • seher am 23.01.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hardy

    wer die beiden von der starken schule kennt, ahnt, dass sie diesen lapsus nutzen, um sich in den medien zu sehen