Basel-Stadt

06. Dezember 2017 19:19; Akt: 06.12.2017 21:10 Print

Kommt der direkte Steuerabzug nun vors Volk?

Nach dem Nein des Grossen Rats zum direkten Steuerabzug durch den Arbeitgeber sind die Bürgerlichen erleichtert. Die SP prüft nun eine Volksinitiative.

Was halten die Basler Bürger vom direkten Steuerabzug? (Video: sis)
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Es war ein wahres «Kräftemessen zwischen den Bürgerlichen und der Linken», wie es SVP-Vertreter Eduard Rutschmann nennt: Nach einer zweistündigen Debatte schob der Grosse Rat von Basel-Stadt am Mittwoch dem automatischen direkten Steuerabzug den Riegel. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 48 gegen 47 Stimmen entschied die bürgerliche Seite die Kampfdebatte für sich.

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Sollen Ihre Steuern direkt vom Lohn abgezogen werden?

Das Begehren der Basler SP hatte bereits im Vorfeld hohe Wellen geschlagen. Ein Ja zur Vorlage hätte alle Arbeitgeber im Kanton Basel-Stadt dazu verpflichtet, ihren Angestellten deren Kantonssteuern direkt vom Lohn abzuziehen – das entspricht zwischen drei und zehn Prozent des Bruttolohnes. Arbeitnehmer, die den Abzug nicht wollen, hätten allerdings die Möglichkeit gehabt, dies dem Arbeitgeber mitzuteilen.

«Nicht Sache der Arbeitgeber»

Die Befürworter des direkten Steuerabzugs wollten mit diesem soziale Probleme wie Verschuldung, Notlagen und administrativen Aufwand bekämpfen. Die Gegner der Vorlage argumentierten, dass der direkte Steuerabzug mehr Bürokratie und höhere Kosten bedeute, zudem diene ein Steuerabzug nur einer Minderheit.

«Ich bin sehr froh», reagiert Barbara Gutzwiller auf das Resultat der Abstimmung. Der Entscheid sei so nicht unbedingt zu erwarten gewesen, sagt die Direktorin des Arbeitgeberverbands Basel. Dieser hatte die Vorlage vehement bekämpft. «Es ist nicht Sache der Arbeitgeber, für den Staat die Arbeit zu erledigen», so Gutzwiller. Auch Rutschmann von der SVP ist erleichtert über das Nein zum direkten Steuerabzug. «Die Vorlage war totaler Unsinn.» Die Bürgerlichen sprachen von einer Bevormundung der Bürger.

Grünliberale haben die Abstimmung entschieden

Den Grund für die Niederlage sieht Rudolf Rechsteiner (SP), Urheber der Motion, bei den Grünliberalen: Sie hätten sich auf die Seite der Bürgerlichen geschlagen und somit das Zünglein an der Waage gespielt. Die Sozialdemokraten wollen den direkten Steuerabzug aber dennoch durchbringen und prüfen eine Volksinitiative. «Das geht sicher nicht von heute auf morgen», so Rechsteiner. Er geht aber davon aus, dass das Basler Stimmvolk im nächsten Jahr über das Anliegen abstimmen kann.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco Giotto am 06.12.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    aiaiai

    Wenn jeder Schweizer Ende Monat auf dem Lohnzettel sehen würde, was REAL bleibt, dann müssten sich Unternehmen ja wirklich mal Gedanken um gerechte Löhne machen...

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  • Waterpolo1s am 06.12.2017 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie kann man nur ..

    Wie kann man nur gegen Vereinfachung sein? !!!!

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  • A.a. am 06.12.2017 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild FL

    So würden endlich mal Gelder nicht verlore gehen an leute die nicht ZAHLEN! Im Liechtenstein geht das Super.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Georg am 07.12.2017 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Einzahlungsschein Ade

    Ich freue mich jetzt schon auf die Zukunft. Diese wird so aussehen, dass wir keinen Lohn mehr ausbezahlt bekommen. Alle opligatorischen Pflichten, auch die Mieten werden Direkt abgezogen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

  • Arbeiter Rentner am 07.12.2017 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso sich dagegen streben

    Wäre das einzig richtige, aber das passt den bürgerlichen ja wieder einmal nicht die lästern lieber über Leute mit Steuerschulden als diesen Leuten einen Gefallen zu tun. Für Löhne ab 6000 sollte sogar mehr abgezogenen werden. Von wegen Mehraufwand am Ende wäre der Aufwand kleiner, mann stelle sich vor wieviel Papierflut es gibt bis einer betrieben wird. Noch besser wäre eine neue Steuerharmonisierung kein Kantönligeist und Gemeindedifferenzierung mehr. Es vergeht heute kein Tag mehr wo nicht noch an Berichte angehängt liest dass Steuerschulden vorhanden sind.

    • f meier am 07.12.2017 12:23 Report Diesen Beitrag melden

      Deshalb:

      1. Wir müssten unsere Steuern im Schnitt 11 Monate früher bezahlen (1. Rate: 17 Monate früher, 12. Rate: 5 Monate früher). 2. Der Aufwand, der beim Staat wegfällt, würde einfach den Unternehmen übertragen. Dabei nimmt der administrative Aufwand für Unternehmen schon heute Überhand. 3. Es ist auch ohne direkten Abzug für jeden problemlos möglich, mit einem Dauerauftrag monatlich einen Teil der Steuern zu bezahlen.

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  • Villar am 07.12.2017 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Ratensystem nicht!!!!!

    Wenn jeden Monat etwas abgezogen wird, okey! Finde ich es gut. Aber nicht das auf einen Schlag 2500.- 5000.- abgezogen wird, erste, zweite Rate usw...... Das geht gar nicht! Muss auch noch andere Rechnungen zahlen.

  • Kain Spam am 07.12.2017 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt als nächstes?

    Wenn das Steueramt das Geld direkt abziehen will werden einfach andere Rechnungen nicht bezahlt. Wer kommt als nächstes und will Direktabzug? Krankenkasse? Miete? Leasingrate? Stromrechnung? SP-Parteibeitrag?

    • Chewy am 07.12.2017 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kain Spam

      Zahlen müssen Sie so oder so, wo ist das Problem, sind Sie mal ehrlich wie oft denken Sie dann wenn Sie Ihren Lohnzettel sehen das sie noch Steuern bezahlen müssen.

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  • Kain Spam am 07.12.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gefahr

    Die grosse Gefahr beim Direktabzug besteht darin das "Fritzchen Doof", den nur solchen Leute soll es nutzen, glaubt dass mit den 10% Abzug die Steuern beglichen sind. Spätestens bei der definitiven Abrechnung wird er aber eine böse Überraschung erleben...