Basel

28. Dezember 2017 05:50; Akt: 28.12.2017 09:33 Print

Mahnwache für Georg und ein riesiges Kerzenmeer

Freunde und Bekannte des erstochenen Obdachlosen Georg C.* kommen am Donnerstagabend für eine Mahnwache zusammen. Ob es Angehörige gibt, ist derzeit nicht bekannt.

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Am Donnerstagabend um 19 Uhr halten Freunde und Bekannte bei der Dreirosenanlage eine Mahnwache für den getöteten Georg C. ab. Kinder und Erwachsene werden sich in stillem Gedenken an seinen gewaltsamen Tod versammeln: «Wir werden Kerzen, Glühwein und Punsch dabeihaben und an das tragische Ereignis und an Georg denken», sagt Marc Moresi von der Dreirosen-Freizeithalle, der die Aktion mitorganisiert.

Wie gross die Anteilnahme der Basler ist, zeigt das Kerzen- und Blumenmeer an seinem ehemaligen Schlafplatz. Alle, die den 60-jährigen Schweizer kannten, berichten nur Positives über ihn. Beschützt habe er sie und zu ihnen geschaut, wenn es abends dunkel wurde. Nun ist er tot – erstochen, wohl vom 21-jährigen Brasilianer, der vergangenen Donnerstag verhaftet wurde. Das Motiv wird noch ermittelt.

Hatte Georg C. eine Familie?

Georgs Leiche befindet sich derzeit wohl noch im rechtsmedizinischen Institut. Sobald eine Freigabe erfolgt, kümmern sich im Normalfall die Angehörigen um die Bestattung. Im Fall von Georg C. ist bislang jedoch unklar, ob es welche gibt. Die Staatsanwaltschaft gab keine Auskunft darüber, ob Angehörige kontaktiert werden konnten. Und bei der Stadtgärtnerei Basel, die für das Bestattungswesen zuständig ist, hat sich noch niemand gemeldet.

Können keine Angehörigen ausfindig gemacht werden, fällt die Verantwortung für die Beisetzung in die Hände der Stadtgärtnerei. In Basel hat jeder Einwohner das Recht auf eine unentgeltliche Bestattung – unabhängig von der finanziellen Situation: Ein gewisses Grundangebot, zu dem auch ein Staatssarg gehört, wird immer garantiert. «Wünsche, die darüber hinausgehen, müssen selber finanziert werden», erklärt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel.

Dreirosenpark in Georg-Park umbenennen?

Derweil werden Stimmen lauter, man solle den Dreirosenpark zu Ehren des getöteten Obdachlosen in Georg-Park umtaufen. Eine Mutter bestätigt diesen Wunsch der Kinder, denen er besonders wichtig sei. Auch am Tatort, dem Schlafplatz von Georg C., kann man dieses Begehren etlichen Trauerbekundungen entnehmen. «Georg gehört zu diesem Park. Damit er es auch in Zukunft bleibt, sollten wir den Park in ‹Georg-Park› umbenennen», schrieb jemand.

Wie realistisch ist die Umbenennung einer öffentlichen Anlage? Die dafür zuständige kantonale Nomenklaturkommission hat laut Präsident Präsident Paul Haffner jedenfalls noch keinen entsprechenden Antrag entgegengenommen.

* Name der Redaktion bekannt


«Georg war ein fester Bestandteil dieses Ortes», sagt Jugendarbeiter Marc Moresi von der Freizeithalle Dreirosen. (Video: 20 Minuten)

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SonjaA am 28.12.2017 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke allen!

    Wunderschön, Kerzen und positive Gedanken begleiten Georg über die Regenbogen Brücke! Basel bezahlt für alle, die es sich nicht leisten können, eine Beerdigung, finde ich super! Weiss gar nicht, wie das hier bei uns geregelt ist. Danke allen, die Georg einen würdigen Abgang ermöglichen und für den Täter wünsche ich einfach nur eines: Karma!

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  • Maria Zeidler am 28.12.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    ist es nicht zu spät!

    Georg hat Glück! Wenn er gestorben wäre auf normale Art hätte keine erst nach seinem Tod nur einen Gedanken verschwendet. Schade dass an solche Menschen erst in so einen Situation gedacht wird.

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  • Bruno Nett am 28.12.2017 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt nützt es nichts mehr

    All die Menschen, die jetzt Kerzen dort hinbringen, hätten sich besser zu Lebzeiten um diesen George und all die andern Obdachlosen kümmern sollen. Nun ist es zu spät.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.K am 29.12.2017 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Welt

    Wo wart Ihr alle als er noch am Leben war? Diese paar Kerzen machen Ihn auch nicht wieder lebendig.

    • Fred am 29.12.2017 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.K

      Hast du die Artikel hier über ihn nicht gelesen oder gehörst du zu den Menschen die ihre Hilfe anderen Leuten aufzwingen ? Er war nicht alleine und wollte keine Hilfe punkt.

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  • Picard am 29.12.2017 02:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mahnwache für erstochenen Obdachlosen

    @ Remo: Anstatt dass Sie hier sich so aufplustern und auf dicke Hose machen, wäre es angebrachter richtig ,die Grammatik zu beherrschen.Im übrigen wäre es zu Ihrem Vorteil¨ statt mit proletenhaftem Gegeifere ,eine gute "Tat" an einem oder einer Notleidenden Person, zu vollbringen.Vielleicht einem einsamen Menschen in der Stadt wo Sie leben , werter Herr Remo. Alles andere ist unlogisch und schadet nur Ihr Galle und verkürzt so Ihr Leben.

  • Maler50 am 29.12.2017 02:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eindrücklich

    Auch ein Obdachloser darf betrauert werden. Muss jedenfalls bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben!

  • Tjololo am 28.12.2017 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher die Hand reichen

    Niemand war da wo er noch gelebt hat. Wieso vergiessen wir erst Tränen wenn es zu spät ist. Wir sollten einfach mit offenen Augen durch die Welt gehen und eher die Hand reichen, nicht erst wenn es zu spät ist.

    • Gina am 28.12.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tjololo

      Stimmt nicht das niemand da war. Lies die Artikel die hier zu diesem Thema erschienen.

    • Tjololo am 28.12.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gina

      Wenn man sich um ihn gekümmert hätte, wäre er nicht obdachlos gewesen und jetzt weint man um ihn. Also sagen sie nich, man war für ihn da, das stimmt schlichtweg nicht

    • Nülpe am 28.12.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tjololo

      Aus einem Artikel der hier erschienen ist. Über die Biografie von Georg ist wenig bekannt, auch im Netz hat er nie Spuren hinterlassen. «Er hat nicht viel von sich erzählt», sagt Marc Moresi, der Leiter der Freizeithalle Dreirosen. Bekannt ist, dass der Verstorbene seit über zehn Jahren bei der Dreirosenbrücke wie ein Eremit lebte. Zurückgezogen, schweigsam und doch immer auch in Kontakt mit den Menschen. Hilfe wollte er nicht annehmen.

    • Georges am 28.12.2017 21:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tjololo

      falsch er wollte so leben! leben und leben lassen RIP GEORGES

    • Nina am 28.12.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tjololo

      Auch wenn sie es nicht verstehen können, es gibt tatsächlich Menschen, die so leben wollen. Kenne auch so einen. Haben ihm sogar eine Wohnung organisiert, er wollte nicht. Das muss man respektieren!

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  • Phil Krill am 28.12.2017 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... riesiges ...

    ... wo ist das Bild mit dem "riesigen Kerzenmeer" RIP Schorsch ...