In Fast-Food-Restaurant

24. Oktober 2017 05:45; Akt: 24.10.2017 05:45 Print

Mann rettet erstickenden Gast mit Spezial-Griff

von Adrian Jäggi - Schreckmoment im Fast-Food-Restaurant: Einem Mann bleibt ein Stück Burger im Hals stecken. Er kriegt Atemnot. Die Hilfeschreie der verzweifelten Mutter werden erhört.

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Kurz vor 12.30 Uhr am letzten Samstag: J.S.* war mit ihrem 28-jährigen Sohn auf dem Heimweg ins Elsass. Zuvor hatten die beiden in Kaiseraugst das Grab der verstorbenen Mutter für Allerheiligen gestaltet. «Komm, jetzt gönnen wir uns was», sagte die 51-jährige Schweizerin zum älteren ihrer beiden Söhne und fuhr auf den Parkplatz der Autobahnraststätte Basel/Weil.

Die beiden machten es sich in der Burger-King-Filiale gemütlich. Das gemeinsame Mittagessen aber wurde plötzlich zum Überlebenskampf. «Das letzte Stück des Burgers blieb meinem Sohn im Hals stecken. Er wurde immer röter im Gesicht und begann zu zittern», beschreibt die Mutter die Schreckensmomente. «Auch das Rückenklopfen half nichts, da fing ich an, um Hilfe zu schreien», so J.S.

Das Heimlich-Manöver

Alarmiert durch die Schreie, eilte in in der Nähe sitzender Mann zu Hilfe und umfasste ihren kräftig gebauten Sohn von hinten. Laut der Mutter wandte er das so genannte Heimlich-Manöver an: «Er wusste genau, was er tun musste. Zweimal zog er meinen Sohn kräftig nach hinten und drückte mit der Faust in den Bauch. Dann spuckte er das Burger-Stück wieder aus», erzählt J.S. Selber wäre sie nicht in der Lage gewesen, ihren Sohn zu retten. «Rein körperlich hätte ich keine Chance gehabt, ihn zu umfassen.»

Derweil Mutter und Sohn der Schock ins Gesicht geschrieben war, setzte sich der unbekannte Mann zurück an den Tisch zu seiner vierköpfigen Familie und ass weiter. «Er sagte, es sei okay. Er wollte kein Tam Tam um die Sache machen.» J.S. fragte nach dem Namen des Franzosen, der auf der Durchreise war. «Er heisst Franck Gaggiotti, wohnt im Grossraum Lyon. Er trug eine Brille, dunkle Haare und einen weissen Pullover», das ist alles, was ich von ihm weiss, so J.S.

Unendliche Dankbarkeit

«Er hat das Wichtigste in meinem Leben gerettet. Er ist mein Held», so die zweifache Mutter über Franck Gaggiotti. «Er war so bescheiden und sympathisch. Das Mindeste, was ich machen kann, ist ihm Merci sagen – ich bin ihm unendlich dankbar.» Sie hat für ihn deshalb einen persönlichen Brief geschrieben (siehe Kasten).

Auch zwei Tage nach dem Vorfall hat sich J.S. noch immer nicht vom Schock erholt. Ihrem Sohn steckt der Schreck noch so sehr in den Knochen, dass er sich selber nicht zum Vorfall äussern möchte. J.S. dagegen hofft, dass ihre Worte den Adressaten finden. Und fürs nächste Jahr hat sie sich etwas fest vorgenommen: «Ich werde einen Nothelferkurs besuchen.»

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Male am 24.10.2017 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Danke

    Er will kein grosses TamTam, und jetzt steht sein Name und Wohnort in der Zeitung. Nicht jeder möchte in die Öffentlichkeit, warum können das manche nicht akzeptieren?

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  • Nici am 24.10.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr Persönlich....

    Sie selbst bleibt anonym, er jedoch nicht!

  • beni am 24.10.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    toller einsatz- und bei uns will man den nothelferkurs abschaffen-dort lernt man sowas

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mom2Boys am 24.10.2017 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Samariterkurs Notfälle bei Kleinkindern

    Gut hab ich diesen mal besucht. Auch mein Sohn hat sich schon an etwas verschluckt und durch den Kurs kannte ich den Heimlichgriff und hab ihn angewendet. Das Strahlen in den Augen meines Sohnes werde ich nie vergessen.

  • AlexK am 24.10.2017 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hm

    Trivia: Fast-food muss man nicht schnell essen.

  • Spaniel am 24.10.2017 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super gemacht

    Richtige Reaktion-die Massnahme ist leider wenig bekannt. Danke dem Helfer!

  • Pia am 24.10.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Innere Organe

    Im Komnentar nicht erwähnt: nach der Anwendung des Heimlich - Griffes sollte man sich umgehend untersuchen lassen da durch den Druck innere Organe verletzt werden können.

    • Hosche am 24.10.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pia

      Die Gefahr der inneren Verletzungen wird zuunterst in der Box erwähnt, in welcher das Heimlich-Manöver beschrieben wird.

    • Spaniel am 24.10.2017 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pia

      Richtig - sehr guter Hinweis !

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  • Sandra am 24.10.2017 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Angenommen eine zierliche Person kann eine korpulente Person nicht von hinten umfassen und den Heimlich Griff ausüben - wie macht man es diesem Fall?

    • Sanitäter am 24.10.2017 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      Im äussersten Notfall den notwendigen Druck über eine Stuhllehne ausüben. Aber wirklich nur, wenn es keine andere Option gibt. Und dann ab ins Spital zur Kontrolle.

    • M. Meyer am 24.10.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Anwtort

      Gar nicht. Von hinten hätte sie keine Chance. Was funktionieren könnte ist, dass sich die zierliche Person auf das Becken der am Boden liegenden und erstickenden Person setzt und zwar so, dass sie ihr ins Gesicht sehen kann. Dann die Hände wie bei der Herzmassage aufeinander legen und in Magenhöhe von unten in Richtung Brustkorb stossen.

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