Happige Vorwürfe

05. Dezember 2016 19:12; Akt: 05.12.2016 19:12 Print

Mieter wettert gegen Basler Scientology-Chef

Ein jahrelanger Mietstreit in der Unteren Rebgasse ist zu wüsten Aktionen eskaliert. Der Inhaber der Liegenschaft: Der oberste Basler Scientologe Patrick Schnidrig.

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Hüseyin Akin (55) und seine Frau Fatma (33) sind zutiefst verunsichert. Sie wohnen seit sieben Jahren zusammen in einer Wohnung in der Unteren Rebgasse. Seit Juni geschehen dort aber seltsame Dinge: Unbekannte schleichen vor ihrer Wohnung herum, läuten nachts bei ihnen oder durchwühlen ihren Briefkasten. Von all dem gibt es Videoaufnahmen. Akins Verdacht: Der Besitzer der Liegenschaft, Patrick Schnidrig, seines Zeichens oberster Basler Scientologe, missbrauche seine Verbindungen zur religiösen Bewegung, um ihn und seine Frau aus der Wohnung zu ekeln.

In der «Basler Zeitung» vom Montag ist zu lesen, dass es sich um Scientologen handeln soll, die den Akins das Leben zur Hölle machen. Akin ist sich aber sicher, dass Schnidrig mit unsauberen Bandagen zu Werke geht. Denn diesen Aktionen geht ein jahrelanger Mietstreit voraus. Tatsächlich weist die Liegenschaft zahlreiche Mängel auf, die Akin wiederholt beanstandet hat. Am 2. November landete der Zwist gar vor der Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten. Diese verpflichtete Schnidrig dazu, die Mängel zu beheben. Laut Akin ist bisher nichts dergleichen geschehen.

Mysteriös steigende Miete trotz nicht behobenen Mängeln

Verstopfte Lüftung im Bad, kein warmes Wasser und Abfallsäcke im Keller. «Einige Mieter haben sogar Ratten in ihren Wohnungen gefunden», klagt Akin. Der hygienische Zustand des Gebäudes sei unhaltbar. Der Missstand hänge damit zusammen, weil die Nutzung des Kellers nicht ausreichend geregelt sei. Auf eingeschrieben Briefe Akins habe Schnidrig nicht reagiert, bis plötzlich das Gesundheitsdepartement angeklopft habe. Wer dieses alarmiert hat, weiss Akin nicht.

«Die meisten bisherigen Mieter sind weggezogen», so Akin. Er und seine Frau sind aber geblieben, selbst als ihr Mietzins im März unerklärlich in die Höhe schnellte. Für Akin ist der Grund klar: «Schnidrig will uns rausschmeissen.» Er konnte aussergerichtlich eine Rücknahme der Erhöhung erwirken. Als die Mängel weiterhin nicht behoben wurden, zog Akin wieder vor Gericht.

Scientology schaltet sich ein

Um sich vor den seit Juli andauernden Schikanen zu schützen, hat Akin zwei Kameras installiert: Eine im Eingangsbereich und eine vor seiner Wohnungstür. Diese haben die mysteriösen Vorgänge aufgezeichnet. In einem Schreiben vom 27. Oktober erklärt sich Schnidrig widerwillig einverstanden mit der Überwachung. Die Scientology, die ebenfalls in der Liegenschaft eingemietet ist, sieht das aber anders. Als Mieterin habe sie das Recht, die Erlaubnis zu einer Überwachung von gemeinschaftlich genutztem Raum zu verweigern. Der Grund: «Unsere Mitarbeiter als auch unsere Besucher wollen nicht gefilmt werden.»

«Die Anschuldigungen wegen Aktionen gegen Herrn Akin respektive seiner Frau sind meines Wissens nicht korrekt», dementiert Scientology-Sprecherin Annette Löffler die Vorwürfe. Patrick Schnidrig selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Baz sagte er aber, dass ein Mitarbeiter in den Briefkästen lediglich einen Schlüssel holen wollte, der dort deponiert worden sei. Oder Kästen seien aus Feuerschutzgründen durchsucht worden.

(las)