St. Jakobshalle

09. Februar 2018 05:46; Akt: 09.02.2018 05:46 Print

«Wie soll man das im Rollstuhl schaffen?»

Über 100 Millionen Franken kostet die Modernisierung der Basler St. Jakobshalle. Kurz vor Fertistellung wird nun Kritik laut, dass der Vorzeigebau nicht rollstuhlfreundlich ist.

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Für rund 107 Millionen Steuerfranken wird die 42 Jahre alte Basler St. Jakobshalle zurzeit zur modernsten Event-Halle der Schweiz aufgerüstet. Es ist ein Leuchtturm-Projekt der Stadt Basel. Aber schon wird auch Kritik laut: Der Vorzeigebau sei so gar nicht vorbildlich punkto Behindertengerechtigkeit. Konkret geht es um einen schwer zugänglichen Lift sowie die Türen beim Eingang.

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Weil der Umbau in mehreren Etappen erfolgt, konnte die Halle so zwischen den Bauphasen zur provisorischen Nutzung freigegeben werden. So wurde die Durchführung von jährlich wiederkehrenden Grossanlässen wie den Swiss Indoors oder dem CSI Basel gewährleistet. Dabei kamen auch Mängel bei der Barrierefreiheit ans Licht.

«Wie soll man das alleine bewerkstelligen?»

«Die Eingangstüren im Foyer gehen nicht automatisch auf und sind zudem sehr schwer von Hand zu öffnen. Wie soll ein Rollstuhlfahrer das alleine bewerkstelligen?» empört sich Thomas Ruepp, Inhaber eines Basler Orthopädieunternehmens. Er hat in seinem Beruf öfter mit Behinderten und Schwerstbehinderten zu tun und kennt sich daher mit den Herausforderungen aus, die das Leben im Rollstuhl mit sich bringt.

Auch der Lift, der Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte auf die obere Ebene bringen soll, missfällt ihm: «Das ist eigentlich ein Warenlift und zudem noch weit weg vom zentralen Haupteingang. Mit Inklusion hat das nichts mehr zu tun», sagt Ruepp. Bemängelt wird auch, dass der Lift mangels Wegweisern schwer zu finden ist.

Hochbauamt zieht Nachbesserungen in Betracht

Vertreter von Behinderten-Schutzverbänden bestätigten gegenüber 20 Minuten die beanstandeten Mängel. Man sei auch bereits an das zuständige Basler Hochbaudepartement gelangt. Konkret wolle man sich jedoch nicht äussern. Thomas Blanckarts, Leiter des Hochbauamts, bestätigt dies auf Anfrage: «Wir nehmen die Kritikpunkte zur Barrierefreiheit sehr ernst und diskutieren sie zur Zeit mit den zuständigen Behörden und Behinderten-Schutzverbänden.»

Blanckarts erklärt die Situation mit der provisorischen Nutzung der Halle – der Bau sei eben noch nicht fertiggestellt. Die momentane Situation mit dem Behinderten-Lift sei daher sicher nicht ideal, aber: «Es wurden alle gesetzlichen Vorschriften zur Barrierefreiheit eingehalten.» Trotzdem würde nun sorgfältig geprüft, ob Verbesserungen erforderlich seien. Das gelte auch für eine mögliche Automatisierung der Eingangstüren.

Bis April wird die Halle noch provisorisch «zwischengenutzt». Unter anderem werden dort noch das internationale Badmintonturnier Yonex Swiss Open 2018 und die Pferdeshow Apassionata stattfinden.

Letzte Bauphase beginnt im Mai

Zwischen Mai und September wird dann die dritte und letzte Bauphase durchgeführt. Ob und was dann verändert oder ergänzt werde, sei noch offen: «Wir wollen die Erfahrungen der bisherigen und der kommenden Veranstaltungen nutzen und aufgrund dieser letztlich entscheiden, wie wir weiter verfahren», erklärt Blanckarts.

Die endgültige Inbetriebnahme der modernisierten St. Jakobshalle ist für Oktober 2018 geplant. Statt 9000 Besucher fasst die Halle neu 12'000.

(sis)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 09.02.2018 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da frage ich mich

    Da fragt man sich schon wozu die Bauherrschaft teure Architekten beschäftigt.Dies sind beleibe keine Einzelfälle!!

  • Dislike Me am 09.02.2018 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dort am "Ende Gelände"?

    Rollstuhllift montieren? Die haben genug Geld (Sieht man an der Architektur) da wird ein Rohlstuhllift zu montieren keine grosse Hürde sein!

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  • Mami einer Rollstuhlperson am 09.02.2018 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist wirklich so

    Alleine geht gar nicht !! Auch zu den Toiletten ist es keine gute Lösung in diesem so schon engen Gang. hatte erst grad das Vergnügen,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ginou am 09.02.2018 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Merci les ARCHINULS

    Private unternehmen, wie z.b. Restaurant müssen viel Geld investieren weil die Reglemente so streng sind. Aber DA! Ich hasse sowiso Treppen! Heute gibt es andere möglichkeiten. Aber la crème de Basel hat ja andere sorgen.

  • G. Perez am 09.02.2018 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Und wieder kommen sie - wie bei den neuen SBB Zügen - daher wie die alte Weihnacht. Wenn fast komplett fertig. Aber ja nicht schon am Anfang eines Projektes anklopfen. Ausserdem - wieviele sind effektiv betroffen? Nicht "es könnte" Betroffene geben.

  • Rolando am 09.02.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kleiner Finger - ganze Hand?

    Jeder Mensch der im Rollstuhl sein Leben verbringen muss, hat es wirklich nicht einfach und tut mir leid. Wir müssen schauen, dass den Behinderten das Leben so weit wie möglich vereinfacht wird. Dies aber auch unter Berücksichtigung von Kosten/Nutzen. Ob es allerdings immer das Optimum sein muss stelle ich in Frage. Es kann nicht sein, dass ein Rollstuhllift an bester Lage im Gebäude eingebaut werden muss und am besten noch angeschrieben, "Nur für Rollstuhlfahrer" obwohl ein Warenlift vorhanden ist.

  • JL am 09.02.2018 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandal

    Einfach nur skandalös, anscheinend spiel das Design bei gewissen Architekten eine größere Rolle. Ebenso schuldig sind die Verantwortlichen, die sich für diesen Vorschlag entschieden haben!

  • Beat Gurzeler, Winterthur am 09.02.2018 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt mir bekannt vor als Rollstuhlfahrer

    Wenn es die SBB nicht bis jetzt es fertig bringt, warum sollen es die Basler besser machen, ansonsten würden Sie in einer anderen Liga mitspielen !