Basel

05. April 2018 18:04; Akt: 05.04.2018 18:36 Print

Der Polizeidirektor hat keine Leichen im Keller

Unter der Zentrale der Basler Kapo sind Archäologen auf Reste eines frühmittelalterlichen Handwerkerviertels gestossen. Diese könnten Aufschluss über Basels Ursprung geben.

Ausgrabungsleiter Simon Graber erklärt die Besonderheiten der Ausgrabungsstätte unter dem Polizeihauptquartier.(Video: archaeologie-live.ch / 20 Minuten)
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Im Polizeigebäude Spiegelhof ist seit Januar diesen Jahres einiges los. Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt sichert mit sogenannten Rettungsgrabungen wertvolle Überbleibsel eines frühmittelalterlichen Handwerkerviertels, die durch die Tiefersetzung der Einstellhalle des Polizeigebäudes zerstört würden.

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Rechnen die Wissenschaftler bei den Arbeiten sogar mit einem spektakulären Mumienfund wie zuletzt in der Barfüsserkirche? «Wir gehen nicht davon aus, dass wir auf ein Gräberfeld stossen werden. Wenn, dann würde es sich um eine Ausnahme handeln», erklärt Ausgrabungsleiter Simon Graber.

Bisher gibt es also noch keine Leichen im Keller der Basler Polizeidirektion unter Baschi Dürr. Immerhin wurden aber mehrere Häuser aus der Zeit um 1100, zahlreiche Lederfragmente und Nahrungsreste wie Eier- und Nussschalen entdeckt.

«Funde sind einzigartig in Zentraleuropa»

«Er hat wohl gerade einen Pfirsichkern ausgegraben», sagt Graber und deutet auf einen Mitarbeiter. «Die Funde sind einzigartig in Zentraleuropa, da sie aufgrund der feuchten Bodenbeschaffung unter dem Gebäude gut erhalten bleiben», so Graber. Sie lieferten wichtige Hinweise auf das Leben in der spätantiken und mittelalterlichen Stadt.

Die Ausgrabungen erlauben weitere Nachforschungen über den Ursprung der Stadt – beim Quartier handelt es sich um den ältesten Bereich Basels.

Einst lebten hier Handwerker

Wo heute das Polizeigebäude steht lebten vor 1000 Jahren wahrscheinlich Handwerker. Die Leder- und Schuhfunde weisen auf Schuhmacher hin, die vermutlich schon seit dem 10. Jahrhundert dort tätig waren.

In den Häusern könnten Kochstellen ausgemacht werden. Auffällig erscheint ein System aus Kanälen, die aus Ziegelsteinen gebaut sind. «Dabei handelt es sich um Entwässerungskanäle zur Trockenlegung der Häuser», erklärt Archäologin Dagmar Bargetzi bei einem Augenschein am Donnerstag.

Führungen für Interessierte

Die Bevölkerung kann die Fortschritte der Ausgrabungen bei regelmässigen Führungen, die jeweils Donnerstagmittag stattfinden, begutachten und einen Einblick in die Arbeit der archäologischen Bodenforschung gewinnen.

Die Rettungsgrabungen dauern voraussichtlich noch bis Ende Dezember.

Der Polizeidirektor hat keine Leichen im Keller

(lb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jo Nas am 05.04.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Er gräbt und gräbt

    Schön, dass Herr GRABER seinem Name Ehre macht und Ausgrabungsleiter idt :)

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  • Archäologe am 05.04.2018 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmittelalter

    Das Handwerkerviertel gehört ins 11. Jh., ist also hochmittelalterlich. Der Ort um den Spiegelhof ist berühmt, weil in den 1930er Jahren bei Grabungen hunderte von Lederfragmenten gefunden wurde Abfall von Schuhmacherwerkstätten!

  • Biker am 06.04.2018 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Knochentrocken

    Hr. Dürr hat genügend Leichen im Keller, nur dass diese nicht aus alten Knochen bestehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Biker am 06.04.2018 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Knochentrocken

    Hr. Dürr hat genügend Leichen im Keller, nur dass diese nicht aus alten Knochen bestehen.

  • Realist am 06.04.2018 00:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für Börne

    Jetzt haben wir es! Dreht doch den neuen Tatort in Basel. Die erste Leiche die nicht von damals stammt läge dort drinnen. Ihr könnt ja gleich Prof. Börne aufbieten...

  • Archäologe am 05.04.2018 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmittelalter

    Das Handwerkerviertel gehört ins 11. Jh., ist also hochmittelalterlich. Der Ort um den Spiegelhof ist berühmt, weil in den 1930er Jahren bei Grabungen hunderte von Lederfragmenten gefunden wurde Abfall von Schuhmacherwerkstätten!

  • Jo Nas am 05.04.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Er gräbt und gräbt

    Schön, dass Herr GRABER seinem Name Ehre macht und Ausgrabungsleiter idt :)

    • Hugo Meyer am 06.04.2018 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jo Nas

      Guter Kommentar, man muss nicht weiter graben da die Leichen ja oberirdisch sind

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