Pilotprojekt floppt

14. Januar 2018 12:41; Akt: 14.01.2018 14:45 Print

Pädophile haben wenig Interesse an Therapie

Nur zehn Freiwillige in vier Jahren: Das ist die bescheidene Bilanz eines Pilotprojekts der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, wo Pädophile präventiv behandelt werden.

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Fachleute schätzen, dass es in der Schweiz etwa zehntausend Menschen mit einer pädophilen Neigung gibt, der Grossteil davon sind Männer. An dieser Sexualpräferenz, dem Code F 65.4 der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten (ICD), leidet rund ein Prozent der männlichen Bevölkerung. In den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel-Stadt können Betroffene seit vier Jahren präventiv in Therapie gehen.

Therapie soll Straftaten verhindern

Meistens wird Pädophilie erst nach einer Verurteilung behandelt. Das Basler Pilotprojekt will mit dem präventiven Therapieansatz verhindern, dass es überhaupt zu einer Straftat kommt.

Das Angebot ist für Personen, die noch nicht straffällig geworden sind, aber auch an Pädophile, die schon eine Straftat verübt haben, aber ohne strafrechtlich belangt worden zu sein. Auch Verurteilte, die fürchten, rückfällig zu werden, können in die UPK-Therapie.

Die Bilanz ist allerdings ernüchternd. Bislang haben nur zehn Betroffene das Angebot genutzt, wie eine Recherche der «Schweiz am Wochenende» zeigt.

Fehlende Anonymität als Hindernis?

Der Leitende Arzt der Erwachsenenforensik Henning Hachtel ist enttäuscht. Die Hemmschwelle für die Anmeldung beim Programm «Sex: Egal - Legel - Illegal» sei offenbar grösser als gedacht. Immerhin habe es 50 Therapieanfragen gegeben, berichtet er gegenüber der Zeitung. «Bei vielen waren es allerdings nur die Angehörigen gewesen.»

Dennoch: Ist die Statistik verlässlich, hätte das Therapieangebot ein viel grösseres Klientel. Schweizweit wurden im letzten Jahr rund 1300 sexuelle Übergriffe an Kindern in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst. Woran liegt es also, dass das Basler Pilotprojekt floppt?

«Die Anonymität ist bei uns nicht gewährleistet», erklärt Hachtel der «Schweiz am Wochenende». Das dürfte mitunter ein ausschlaggebender Grund sein, vermutet er, obwohl man sich unter einem Decknamen anmelden kann. Aber: Wenn die Patienten nicht in der Lage sind, die Behandlung, rund 200 Franken pro Sitzung, selbst zu bezahlen, müssen sie ihre Daten gegenüber der Krankenkasse offenlegen. «Pädophilie ist noch immer ein Tabuthema, damit outet sich niemand», sagte Monika Egli Alge, die Leiterin des Forensischen Instituts Ostschweiz (Forio) gegenüber Radio SRF.

Risikoreduktion ist möglich

Vielleicht ist es auch die fehelende Aussicht auf Heilung. Denn die sexuelle Präferenz lässt sich nicht ändern. Dafür ist «eine relative Risikoreduktion im Verlgleich zu unbehandelten Straftätern» möglich, schreiben die UPK. Die Erfolgsquote liege etwa bei einem Drittel. Effektiver ist nur die medikamentöse Behandlung von Pädophilie. Eine chemische Kastration ist aber nur ganz selten ein Thema.

Die UPK arbeiten an Verbesserungen, damit mehr Betroffene das Behandlungsangebot wahrnehmen. Die neuen Ansätze sind laut Direktor Marc Graf noch nicht spruchreif, wie er gegenüber der Zeitung sagte.

(lha)