Wandvermittler

20. Oktober 2015 05:52; Akt: 20.10.2015 07:40 Print

Philipp Brogli bringt Farbe in die graue Stadt

von Lukas Hausendorf - Urban-Art-Künstler von Weltrang verschönern in Basel Trafohäuser der IWB, die zuvor vor allem verschmiert wurden. Kunst-Förderer Philipp Brogli ist der Vermittler.

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Philipp Brogli engagiert sich seit 2004 mit dem Artstuebli für Street Art. 2012 vermittelte er anlässlich einer Ausstellung zur Art Basel erstmals eine Wand. Seither entwickelte sich die Vermittlungsarbeit zu einem festen Standbein, mit der er den Ausstellungsraum des Artsuebli querfinanziert. Das jüngste Werk: Der renommierte Basler Künstler Tarek Abu Hageb gestaltet im Oktober 2015 eine Trafokabine der IWB an der Reiterstrasse in Basel. Der bekannte Parises Graffitikünstler Alexone verschönerte im September 2012 eine Trafokabine der IWB an der Hegenheimerstrasse. Die Industriellen Werke Basel haben seither regelmässig mit Brogli zusammengearbeitet. Etwa bei der Gestaltung des Trafo-Häuschens an der Müllheimerstrasse in Basel. Vorher war diese ein beliebtes Ziel von Taggern und unschönen Schmierereien. Brogli vermittelte für dieses Objekt wiederum Künstler. Borer Oberer verwandelten den ehemaligen Unort im September 2014 in ein farbenprächtiges Kunstwerk. Ästhetisch entwertet werden auch regelmässig Kabelverteilkästen der IWB. Auch damit lässt sich etwas machen. Pascal Kehl kreierte mit Schablonen ein niedliches Motiv in den IWB Farben und schuf auch gleich eine Verbindung zum Briefkasten der Post. Broglis Vermittlungstätigkeit hat sich herumgesprochen. Das Novotel Basel beauftragte ihn mit der Gestaltung dieser etwas tristen Aussicht aus einem Konferenzzimmer. Der bekannte Graffiti-Künstler Smash137 kam hier zum Zug und schuf eine neue Perspektive. Street Art kommt nicht nur aus der Sprühdose. Im Juni 2015 bespielte das New Yorker Künstlerkollektiv ASVP pünktlich zur Art Basel acht freie Plakatflächen der Stadt am Spalenring. Im Quartier freute man sich darüber. Die Plakatflächen sollen nun langfristig von wechselnden Künstlern gestaltet werden.

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Wände sind Mangelware, obwohl die Stadt voll davon ist. Zumindest für Street-Art-Künstler, deren Werke im öffentlichen Raum entstehen. Für ein Wall-Live-Painting anlässlich der ArtYou 2012, einer urbanen Kunstaustellung in Basel, suchte Ausstellungsmacher Philipp Brogli Wände. Die Teilnahme des renommierten Pariser Graffiti-Künstlers Alexone war bereits organisiert. Nur mit den Wänden war das so eine Sache. «Es war sehr schwierig», erinnert sich Brogli.

Doch dann kamen die Industriellen Werke Basel (IWB) ins Spiel und plötzlich gab es ganz viele verschmierte Häuschen. An der Hegenheimerstrasse durfte Alexone die komplette Fassade einer Trafokabine neu gestalten. «Die IWB waren froh um die Aufwertung», sagt Brogli. Daraus wuchs mittlerweile eine Zusammenarbeit, die bekannten und aufstrebenden Street-Art- Künstlern regelmässig neue Flächen im öffentlichen Raum zuführt.

Der öffentliche Raum gewinnt dadurch an Qualität und wird dank den Beiträgen namhafter Künstler gewissermassen zu einem Freiluftmuseum. Mittlerweile bietet Brogli bereits Urban-Art-Führungen durch die Stadt an.

Kunst statt Schmierereien

Die Zusammenarbeit zwischen Brogli und den IWB ist ein Gewinn für beide Seiten. «Wir treffen ganz überwiegend auf Zustimmung», sagt Unternehmenssprecher Erik Rummer. «Unserer Erfahrung nach ist urbane Kunst eine sympathische Art, unsere notwendigen, aber manchmal als unschön empfundenen Infrstrukturbauten in Szene zu setzen.» Der positive Nebeneffekt: Die Wände werden so von weiteren Schmierereien verschont. «Die Bilder geniessen Respekt», sagt Brogli. So finanzieren die IWB die Street Art aus dem Budget für Reinigungskosten.

Das Wandvermittlungsgeschäft ist für ihn und die Künstler bisweilen auch eine Gratwanderung. Die Gestaltung eines Trams für H&M Home im Sommer 2014 wurde in der Szene wegen des kommerziellen Aspekts nicht von allen goutiert. Das von Boogie SML bemalte Tram wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit Teer und Federn «geschmückt». Bei den Objekten der IWB ist ihm darum wichtig, dass die Künstler sich frei ausdrücken können. «Es braucht Platz für Abstraktes, das den künstlerischen Anspruch erfüllt.»

Lobbyist für urbane Kunst

Brogli engagiert als Gründer von Artstübli seit 2004 für urbane Kunst in Basel. Unter dem Namen Artyou veranstaltete er mehrere Ausstellungen. Seit Sommer 2014 verfügt Artstübli auch über einen permanenten Ausstellungs- und Projektraum bei der Markthalle Basel, wo urbane Kunst in all ihren Facetten präsentiert wird. Das Lobbying für Wände zahlt sich auch hier aus. Mit den Einnahmen aus der Vermittlungsarbeit kann Brogli einen Teil der Mietkosten finanzieren. «Meine Rolle als Bindeglied zwischen Künstlern und Auftraggebern hat sich bewährt», so Brogli.

Das Lobbying für urbane Kunst ist kein Selbstläufer. Brogli hat mittlerweile bei allen relevanten Stellen der Basler Verwaltung die Klinken geputzt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den IWB sollte helfen, dort Türen zu öffnen, hofft er. «Man muss hartnäckig dranbleiben.» Und wenn er von Reisen in andere europäische Städte wie Barcelona oder Lissabon erzählt, hat er noch einen weiten Weg vor sich. «Dort überlässt man freie Wände noch so gerne Künstlern», erzählt er. Im Vergleich ist Basel da noch eine graue Maus.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lisi am 20.10.2015 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cooooole idee...

    ja, das finde ich doch mal eine coole idee... weiter so... sieht wirklich top aus...

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  • stefan am 20.10.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    es giebt auch künstler in basel...

    im grunde ja eine gelungene aktion, ich frage mich nur wo hier die lokale szene unterstützt wird? das line up ist bis auf smash doch sehr international. wie wäre es mit z.B. mit dem freigeben von legalen flächen für graffiti writer aus basel? genügent talent wäre vorhanden....

  • Fritz Beyeler am 20.10.2015 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Ich denke Kindergärtner machen bessere Kunst als gewisse "Künstler" von Brogli!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz Beyeler am 20.10.2015 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Ich denke Kindergärtner machen bessere Kunst als gewisse "Künstler" von Brogli!

    • Fritz Beyeler am 20.10.2015 12:18 Report Diesen Beitrag melden

      Kindergarten

      Tarek Abu Hageb und Pascal Kehl namentlich, machen "Kunst" welche auch durch Kindergärtner oder Primarschüler kostengünstig gemacht werden könnte.

    • Thhhhhhhhh am 21.10.2015 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Fritz Beyeler

      Macht es erst mal nach. Ist schlimm,wie manche Leute sehr schnell negative Bemerkungen raus lassen. Raus mit denen,lasst Euren Neid im Keim ersticken ,denn der schadet allen

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  • stefan am 20.10.2015 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    es giebt auch künstler in basel...

    im grunde ja eine gelungene aktion, ich frage mich nur wo hier die lokale szene unterstützt wird? das line up ist bis auf smash doch sehr international. wie wäre es mit z.B. mit dem freigeben von legalen flächen für graffiti writer aus basel? genügent talent wäre vorhanden....

  • n.Plakatmaler am 20.10.2015 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gratis?

    Und wer zahlt für den Mist? Unglaublich da gäbe es bestimmt genügend Webefritzen die sich selbstverwirklichen könnten - gratis und schönes.

  • Lisi am 20.10.2015 07:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cooooole idee...

    ja, das finde ich doch mal eine coole idee... weiter so... sieht wirklich top aus...

    • GATorre am 20.10.2015 07:29 Report Diesen Beitrag melden

      Weiter so

      Es gibt dafür nur ein einziges Wort: Hervorragend!

    • Judy am 20.10.2015 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Farbig

      Wunderbare Idee! Gilt für diese Künstler, wie ev. auch für zukünftige Kindergartenkünstler.

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