Basel

20. Juni 2018 17:29; Akt: 05.07.2018 10:39 Print

Grossrazzia in Rotlichtbar endet ohne Festnahmen

Am Dienstagabend wurde eine Bar in Basel von rund 60 Polizisten abgeriegelt. Es wurden mehrere Personen zur Befragung angehalten. Es ist nicht die erste Razzia in der Milieu-Bar.

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Am Dienstagabend kam es in der Sperrstrasse zu einem Grosseinsatz der Polizei. (Bild: Leser-Reporter)

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«Zuerst kamen drei zivile Autos voller Polizisten, dann zwei Streifenwagen», sagt ein Leser-Reporter, der den Einsatz der Polizei beobachtete. Der Bereich um das Rotlichtlokal Ipanema Bar in der Sperrstrasse sei gegen 21 Uhr abgeriegelt worden. «Danach begaben sich die Polizisten in die Bar.»

An dem rund zweieinhalb Stunden dauernden Einsatz seien geschätzt 60 Beamte, 15 Fahrzeuge und auch Polizeihunde beteiligt gewesen. Der Leser berichtet, dass mindestens fünf Personen von der Polizei zur Befragung zu den Einsatzfahrzeugen geführt worden seien.

Bar notorisch bekannt

Die Staatsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage den Einsatz im Lokal wegen «Verdacht auf Förderung von Prostitution». Mehrere Personen seien befragt worden, es kam aber zu keinen Festnahmen, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärte. Weitere Angaben machte die Behörde nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Behörden in der Ipanema Bar anklopfen. Bereits 2012 erfolgte dort eine Razzia. Damals hatten mehrere Prostituierte im Lokal keine gültigen Papiere und boten ihre Dienste illegal an. Gegen den Betreiber der Bar wurde ein Verfahren eröffnet.

Prostitution wird immer mobiler

«Bei den Razzien im Rotlichtmilieu wird die Legalität des Aufenthalts kontrolliert», erklärt die Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe Aliena auf Anfrage. Dies wird jenen zum Verhängnis, die trotz Meldeverfahren schon länger als 90 Tage in der Schweiz oder ohne Arbeitsbewilligung tätig sind und keinen Pass eines EU-Landes vorweisen können. Zumeist ungarische Staatsangehörige nutzen die 90-tägige Erlaubnis für kurzfristige Erwerbstätigkeit, bei der lediglich eine Meldepflicht besteht. Diese gilt aber nur für EU-Staaten.

«Durch die erhöhte Mobilität kommen viele Frauen nach Basel und gehen dann wieder», erklärt eine Aliena-Beraterin. Oft würden sie nicht am gleichen Ort bleiben, sondern an verschiedenen Orten in der Schweiz arbeiten. «Es ist ein Merkmal des Gewerbes», sagt sie.

Rund 800 Sexarbeiterinnen im Kanton

Das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement schätzte die Anzahl der Sexarbeiterinnen im Kanton 2016 auf rund 800 im Tagesschnitt. Im gleichen Jahr waren in Basel-Stadt 194 Bordelle, 17 Kontaktbars und neun Cabarets gemeldet. Aktuellere Zahlen waren am Mittwoch auf Anfrage nicht erhältlich.

(las/lb)