Eurythmie und Morgengebet

06. Mai 2018 18:49; Akt: 06.05.2018 18:50 Print

Primarschule wird Fall für kantonale Schulbehörde

Unterricht wie in der Steinerschule, schlechte Leistungen, Kündigungen und Aufruhr bei den Eltern. Die Primarschule Zwingen ist ein Fall für das Amt für Volksschulen geworden.

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Morgengebete und Eurythmie an einer öffentlichen Schule? Wegen anthroposophischer Unterrichtsmethoden, die vom Schulleiter augenscheinlich über Jahre gebilligt wurden, ist vergangene Woche ein Konflikt an der Primarschule Zwingen eskaliert. Zwei Klassenlehrerinnen haben auf Ende Schuljahr gekündigt. Im Dorf tauchten am 1. Mai Flugblätter auf, auf denen der Schulleiter von einer fünften Klasse des Mobbings bezichtigt wurde.

Die Flugblätter mussten wegen des justiziablen Mobbing-Vorwurfs entfernt werden. Am Freitag wurden die Vorgänge durch Medienberichte öffentlich. Noch am selben Abend wurde an der Primarschule Zwingen ein Krisensitzung einberufen. Der kritisierte Schulleiter Erich Rubitschung lässt sich nun bis Pfingsten vertreten. Der Schulrat ist darum bemüht, dass wieder Ruhe einkehrt. «Das oberste Ziel ist, für die Schüler einen guten Übertritt zu gewährleisten», erklärt Schulrat Harald Schmidlin.

Schlechte Noten mit umstrittenen Methoden

Dass in Zwingen Schüler über Jahre nach anthroposophischen Methoden von Rudolf Steiner unterrichtet wurden, kam ans Licht, nachdem eine 5. Klasse in einem Vergleichstest in den Fächern Deutsch und Mathematik massiv ungenügend abgeschnitten hatte. Klassenlehrerin Marianne Lander hinterfragte die Ergebnisse, da sickerte nach und nach durch, dass ihre Vorgängerinnen einen Grossteil der Schüler mit Steiner-Pädagogik unterrichtet hatte. «Ein Schüler fragte mich, wieso wir kein Morgengebet mehr machen und keinen Epochenunterricht haben», erzählt Lander.

Dass Lander dies dem Lehrerverein Baselland meldete, wurde ihr von Schulleiter Rubitschung als unkollegiales Verhalten ausgelegt. Zuvor sei sie bei ihm aber auf taube Ohren gestossen, als sie das Problem ansprach. Rubitschung verteidigte die anthroposophischen Methoden als lehrplankonform. «Einwände von Eltern und uns Lehrpersonen wurden schlicht ignoriert», heisst es in einem Elternbrief, den Lander und ihre Kollegin kürzlich verschickten, um die Gründe ihrer Kündigung darzulegen.

Aufsichtsbeschwerde beim Kanton hängig

Die Unzulässigkeit der kritisierten anthroposophischen Unterrichtsformen und -Inhalte steht ausser Frage: «An einer staatlichen Schule die Buchstaben des eigenen Namens zu tanzen und das Morgengebet zu sprechen, ist nicht mehr religionsneutral», kommt der Rechtsdienst der Lehrergewerkschaft LVB zum Schluss. Gegenüber der «Basler Zeitung» sagte Isabella Oser, die Rechtsberaterin des LVB, dass Rubitschung «eine rote Linie überschritten hat».

Mit dem Fall muss sich mittlerweile auch das Baselbieter Amt für Volksschulen befassen. Dort ist nämlich eine Aufsichtsbeschwerde hängig. Der Schulrat der Primarschule Zwingen erwartet noch bis zu den Sommerferien einen schriftlichen Bescheid von Amt.

Anthroposophischer Unterricht geht weiter

Derweil geht die Beschulung nach Steiner in den Zwingner Klassenzimmern unbeirrt weiter. Die beiden Lehrerinnen wollen ihren Unterricht von einer sachverständigen Person des Kantons überprüfen lassen. Schulrat Harald Schmidlin verteidigt deren Unterrichtspraxis: «Im Sinne der Vielfalt sollen in einem gewissen Rahmen weiterhin verschiedene Methoden eingesetzt werden dürfen.»

Ob der Morgenspruch in der Einführungslektion weiterhin verwendet werde, werde der Schulrat mit der betreffenden Lehrerin besprechen. «Hierbei gilt es auch die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen», teilt Schmidlin auf Anfrage mit.

(lha/daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vera Gut am 04.05.2018 19:50 Report Diesen Beitrag melden

    Überraschung????

    Ach, alle sind empört und die Eltern wussten gar nichts??? Wie kann denn das sein. Kinder erzählen doch normalerweise, was sie in der Schule lernen und machen.

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  • Monika am 04.05.2018 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ahnungslose Eltern?

    Sprechen die Eltern nicht mit ihren Kindern? Oder wie erklären sie, dass sie nichts mitbekommen haben?

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  • René B. am 04.05.2018 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Hier muss der Riegel geschoben werden, und personelle Konsequenzen gezogen werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flo am 07.05.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    umfassend betrachten

    1. Es sind Medien. Nicht alles glauben. 2. Wer sagt denn Steinermethoden sind ausschliesslich Ursprung für Lernrückstände in dieser Situation? Es kann auch viele andere Gründe haben. Ich frage mich, ob solche Hetzkampagnien nicht auch abträglich auf die Leistung eines Kindes ist...? 3. Würde man den Wert einer Person nicht mit der Leistung verknüpfen, gäbe es vielleicht weniger Schlammschlacht, sondern vieleher Raum und Gehör, für was das Kind denn braucht. Das ist eine Kunst. Vorschnell mit dem Finger zeigen, ist einfach. Sich selber an der Nase zu nehmen braucht ein Leben. Will man das?

  • E.G. am 07.05.2018 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht reden was man nicht kennt

    Alle die sich jetzt gegen die Steiner Pädagogik auslassen wissen wenig bis gar nichts darüber sonst würde nicht von Sekten gesprochen. Ich habe meine Tochter weder getauft noch in irgend einer weise Religiös aufwachsen lassen. Sie hat die 12 Jahre Steinerschule mit Gymnasiumabschluss bestens geschafft und wurde dort nicht Rel. indoktriniert. Von îhrer Klasse 25 Schüler haben 18 die Matura gemacht und die anderen erfolgreiche Lehrabschlüsse. Also kann diese Schule nicht so schlecht sein. Sie lassen die Kinder aber noch ihre Kindheit erfahren und Bilden sie vielseitig, nicht nur den Intellekt.

  • Steinerschüler am 07.05.2018 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich kann meinen Namen tanzen! ;-)

    Also ich habe 12 Jahre lang die Steinerschule besucht und kann mit gutem Gewissen sagen, dass diese Form von Unterricht sehr kindgerecht und alles in Allem eine tolle Sache ist! Jedoch kann ich ebenso gut verstehen, dass es nicht sehr positiv ankommt, wenn an einer statlichen Schule nach antroposophischen Vorgaben unterrichtet wird, ohne die Eltern darüber zu informieren! Jedoch möchte ich gerne anfügen, dass hier im Artikel die Antroposophie relativ schlecht dargestellt wird und die Vorstellung einer Irrenanstalt aufkommen könnte... :) DEM IST NICHT SO! Tante Google fragen kann helfen ;)

  • Leserin aus dem Laufental am 07.05.2018 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die erste Gemeinde im Laufentsl

    Einen solchen Fall gab es such schon vor ein paar Jahren in einer anderen Gemeinde des Laufentals Auch das war in der Presse und warf hohe Wellen. Die geführte Schlammschlacht war belastend und liess viele Fragen offen !! Viele Augen blieben geschlossen statt einer Aufklärung gab Kündigungen und Herabspielungen von Tatsachen unfassbar was immer wieder in der Schule vorkommt Ausgetragen auf dem Buckel der Kinder.

  • PS;L am 07.05.2018 08:41 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Stimmt das wirklich, muss eine drakonische Strafe her - Unsere Kinder und deren Bildung sind unsere Zukunft! Damit ist in keinem Fall zu spassen! So züchtet man Kampflesben und Hardcore Veganer - und von denen haben wir wirklich genug...