Experte über Basler Extremisten

04. März 2018 12:46; Akt: 04.03.2018 17:27 Print

«Reichsbürger haben ein paranoides Weltbild»

Zwei Rechtsextreme in der Region sorgen für Aufregung: Ein deutscher Reichsbürger poltert in Basel gegen den Staat, ein Österreicher wollte in Osteuropa Terroristen ausbilden.

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Wirre Propaganda: Detlev Hegeler sieht sich als Opfer des Staates, den er als «Firma» bezeichnet. (Bild: Screenshot)

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Für Detlev Hegeler ist die Schweiz kein Staat, sondern eine Firma, die Menschen terrorisiert. Wie die «SonntagsZeitung» nun in Erfahrung brachte, war sich der in Basel wohnhafte Deutsche trotz seines Grolls nicht zu schade, von eben diesem Staat Geld zu beziehen.

Hegeler ist 63. Ab diesem Alter kann er eine Frührente beziehen. Da diese dem selbsternannten «Reichsbürger» aber nicht zum Leben reicht, hat er laut der Zeitung AHV-Ergänzungsleistungen beantragt und auch erhalten. Zuvor hatte Hegeler über Jahre hinweg Sozialhilfe bezogen.

Den Behörden entging dabei offenbar, wen sie da finanziell unterstützen: Hegeler verbreitet offensichtlich nationalsozialistisches Gedankengut von Basel aus auf seiner Website, in den sozialen Medien und auf Youtube. Er produziert auch Sendungen, verkauft im Netz CDs, DVDs und T-Shirts und bittet um Spenden für seine «journalistische Arbeit».

Unterstützungsbeiträge eingestellt

Die Behörden wurden laut dem Bericht durch einen anonymen Hinweis auf Hegelers Aktivitäten aufmerksam. Sie stellten schliesslich Ende Januar die Unterstützungsleistungen für ihn ein, da dieser ihnen keinen Einblick in seine finanziellen Aktivitäten gewähren wollte.

Der «Reichsbürger» protestiert nun vehement gegen diese Massnahme. Zudem sieht er sich selbst als Opfer, das vom Staat terrorisiert werde, da er die Öffentlichkeit über die Machenschaften des «Systems» aufkläre.

Hegeler ist nicht allein

Hegeler ist nicht der erste rechtsextreme Rentner in der Region Basel, der dieser Tage für Schlagzeilen sorgt: In Birsfelden BL organisierte ein Österreicher als Chef der rechtsextremen Europäischen Aktion Militärcamps in Ungarn, um Anschläge auf Politiker verüben zu können.

Die Polizei hatte 2016 seine Wohnung durchsucht, Material beschlagnahmt und den 76-Jährigen verhaftet, wie der «Blick» berichtete. Der Österreicher sitzt nun seit 14 Monaten in Wien in U-Haft. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Wie gefährlich sind solche Menschen wirklich?

«Reichsbürger sind Verschwörungstheoretiker, die mit ihrer Ideologie durch das System des Rechtsstaates irren und es ad absurdum führen», sagt Extremismus-Experte Samuel Althof. Er misst ihnen keinen politischen und strukturellen Einfluss und auch keine Attraktivität bei, weil vor allem junge Menschen sich nicht dafür interessieren würden, sich durch deren «obskuren» Rechtstheorien zu wühlen. Er geht davon aus, dass es in der Schweiz höchstens 80 Personen gibt, die zudem trotz internationaler Vernetzung auf keinen grünen Zweig kommen.

«Ein Gewaltpotenzial besteht meist nur dann, wenn sie sich in ihrem teilweise paranoiden Weltbild bedroht fühlen», so Althof. Allerdings sei es im Gegensatz zu Deutschland in der Schweiz nie zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Reichsbürgern und Behörden gekommen. Vielmehr verursachen sie laut Althof vor allem finanziellen Schaden, weil der Staat juristisch auf ihre Provokationen reagieren muss. Mehr als ein paar verstreute Störenfriede gebe es hier zur Zeit aber nicht.

Der Berichterstattung über diese kleinen Fische steht Althof teilweise kritisch gegenüber: «Liest man manche Artikel, könnte man meinen, wir sind im Krieg», sagt er. In der öffentlichen Wahrnehmung sei das Problem in der Folge disproportional grösser als in Wirklichkeit. «Das erschwert die Präventionsarbeit und gibt Nachahmern das Gefühl, Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu können», erklärt er.

(daf)