Nationale Kampagne

09. Oktober 2017 05:52; Akt: 09.10.2017 17:28 Print

Sanitäter will Schweizern Rettungsgasse beibringen

Bei einem Verkehrsunfall eine Gasse für Rettungskräfte bilden – das können viele Schweizer Autofahrer nicht. Der Basler Sanitäter Pascal Rey (20) will das ändern.

Sehen Sie, wie auf der Autobahn eine Rettungsgasse gebildet wird. (Video: Maiori Films)
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Der Verkehr staut sich nach einem Unfall auf der A5 bei Biel. Polizei und Ambulanz stehen vor einer Blechwand und müssen zu Fuss zum Unfallort vordringen, um einen Verletzten zu bergen. Zum Glück ist die Szene nur gestellt. Das Autobahnteilstück, das erst am 27. Oktober für den Strassenverkehr freigegeben wird, war Schauplatz eines Foto- und Videoshootings für eine Kampagne, die der Schweiz die Rettungsgasse beibringen soll.

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Wissen Sie, wie eine Rettungsgasse gebildet wird?

Kopf hinter der Kampagne, die am Montag lanciert wurde, ist der Basler Pascal Rey. Der 20-Jährige ist Lernender im Gesundheitswesen und arbeitet nebenbei selbst als Sanitäter bei einem privaten Rettungsdienst. Anfang Jahr hatte Rey von einem Unfall auf der deutschen Autobahn gehört. Da die Autofahrer dort keine Rettungsgasse bildeten, verloren die Rettungskräfte viel wertvolle Zeit. Rey entschied sich anschliessend, etwas zu unternehmen, damit es in Zukunft nicht mehr zu solchen Situationen kommt. «Die Leute müssen wissen, wie eine Rettungsgasse gebildet wird», so Rey. Dabei weichen die Verkehrsteilnehmer im Notfall mit ihrem Fahrzeug zur Seite, damit die Rettungsfahrzeuge freie Fahrt zum Unfallort haben. Damit wird Zeit gewonnen, die unter Umständen Leben retten kann.

Mit seinem Verein «Helfen helfen» hat Rey die Kampagne vorbereitet, mit der die Bevölkerung über die Rettungsgasse aufgeklärt werden soll. «Wir wollen mit unserer Kampagne in der ganzen Deutschschweiz informieren», sagt sein Mitstreiter Cristian Fernandez. Die Bildung einer Rettungsgasse ist in der Schweiz noch nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Rettungsgasse regelmässig ungenügend

An Bord der Kampagne sind auch das Bundesamt für Strassen (Astra) und die Berner Kantonspolizei. «Die Rettungsgasse ist sehr wichtig, da bei einem Unfall so schneller geborgen werden kann und die Situation entschärft wird. Zudem löst sich der Stau im Anschluss schneller auf», erklärte Jörg Dreier vom Astra gegenüber dem Fernsehsender Telebielingue.

Die Kapo Bern hatte sich des Themas Rettungsgasse bereits selbst angenommen, ehe man die Kampagne unterstützte. Denn auch in Bern stellt man fest: «Es kommt immer wieder vor, dass Verkehrsteilnehmer die Rettungsgasse nicht oder nur ungenügend bilden», sagt Kapo-Mediensprecher Dominik Jäggi auf Anfrage. Beide Partner unterstützen das Kampagnen-Team fachlich und stehen ihm beratend zur Seite. Geplant ist, dass das Kampagnenmaterial auch über sie an die Leute gelangt.

Ausgerechnet Basel ist nicht an Bord

«Wir sind noch auf der Suche nach weiteren Partnern», sagt Fernandez. Erstens, um die Kampagne breiter streuen zu können. Zweitens hat der Verein praktisch kein Geld. Die Kosten würden durch Spenden und durch Sponsoring gedeckt, so Rey. Der Kanton Basel-Stadt ist übrigens nicht an Bord, wie Rey gegenüber der «BZ Basel» erklärte. Vonseiten des Sicherheitsdepartements heisst es, man konzentriere sich bereits auf andere Kampagnen.

Ohne weitere Partner muss der Verein vieles auf eigene Faust unter die Leute bringen – auf der Strasse wie auch online. Rey und Fernandez lassen sich in ihrem Ehrgeiz davon nicht abschrecken: «Wir wollen die Kampagne in einem nächsten Schritt auch auf die französisch- und die italienischsprachige Schweiz ausweiten», so Fernandez.

Die Schweiz soll lernen, eine Gasse zu bilden

(daf)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Berechtigte Frage – Spibee

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Res am 09.10.2017 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mich nervt dies jeden Tag

    Einmal als ich auf Seite ging, fuhr der Typ hinter mir auf meine Höhe. Ich sprach ihn darauf an, er meinte:"Ich habe gedacht,sie haben eine Panne." Macht endlich eine Gasse und dies bevor man die Sirene hört oder der Radiomoderator es sagt. Vielleicht seit ihr selber mal Froh.

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  • Tk am 09.10.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bussen

    Ich finde es sollte wie in Östereich gehandhabt werden. Wer da keine Gasse bildet wird mit hohen Bussen bestraft. Zuerst muss es natürlich schon ein paar Kampagnen geben.

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  • meh am 09.10.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laute Musik

    da sehe ich Autofahrer mit modernen Kopfhörer als Fahrer unterwegs. Die hören nicht mal eine Sirene wenn die unmittelbar hinter ihnen ist. Rückspiegel sind für viele nur zur Zierde da.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Anonym am 09.10.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bussen erhöung

    Man sollte die Bussen wie in Österreich machen, mit hoen Bussen und im Notfal eine Anzeige?

  • Jonny am 09.10.2017 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rettung zu teuer

    zu schnelle Rettung ist wirtschaftlich nicht sinnvoll In anderen Ländern gibt es keine REGA und keine schnelle Rettung. So werden hohe Kosten durch Polytraumas vermieden weil diese Menschen nie mehr arbeiten können und die Spitalkosten sind enorm.

  • coldasgold am 09.10.2017 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel braucht das nicht

    Völlig verständlich, dass Basel nicht mit dabei ist. In einer Stadt ohne Autos brauchts schliesslich auch keine Rettungsgassen, oder?

  • olivia am 09.10.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    andere Sachlage als in DE

    In der Schweiz haben wir fast lückenlos Pannenstreifen auf den Autobahnen. Das ist im Ausland nicht so. Bevor man eine Kampagne macht, sollte die Gesetzeslage klar sein. Darf ich im Stau auf den Pannenstreifen, wenn kein Blaulicht in der Nähe ist? Nein. Darf ich die ausgezogene Linie links überqueren? Nein. Wie soll ich dann eine Rettungsgasse bilden?

  • Zürcher am 09.10.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    STOP!

    Aufhören!!! Wir habe mehr als genug Einschränkungen, Vorschriften und Gesetze... und dazu weltweit am wenigsten Unfälle!!