Basel

07. Februar 2018 12:00; Akt: 07.02.2018 12:00 Print

Sans-Papiers ins Museum eingeladen – und verhaftet

Der Kanton Basel-Stadt offerierte Sans-Papiers Gratiseintritte zur Museumsnacht. Ein Kameruner nahm das Angebot an – und wurde prompt auf dem Weg ins Museum von der Polizei festgenommen.

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Besucher der Basler Museumsnacht warten in der Kälte. Der Kameruner F. wurde bereits auf dem Weg zum Museum festgenommen. (Bild: Keystone)

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Fabrice Mangold von der Basler Anlaufstelle für Sans-Papiers ist empört: «Ein Teil der Regierung will Sans-Papiers die Teilnahme am kulturellen Leben ermöglichen und ein anderer Teil verhaftet sie dabei – das kann doch nicht wahr sein», sagt er gegenüber der «Tageswoche». Man sei schockiert.

Auf dem Weg ins Museum kontrolliert

Doch was ist vorgefallen? Im Rahmen der Initiative «Zusammen ins Museum» hat das Basler Präsidialdepartement Mitte Januar rund 500 Migranten und Armutsbetroffene zur Museumsnacht eingeladen. Man wolle allen Menschen den Zugang zum kulturellen Leben ermöglichen, so die Begründung des Departementes.

Auch der Kameruner F., ein Sans-Papiers, bekam eine Eintrittskarte. Zusammen mit Freunden machte er sich auf den Weg zum Museum. Unterwegs wurde die Gruppe von der Basler Kantonspolizei gestoppt, wie die «Tageswoche» schreibt. Die Beamten wollten die Ausweise sehen. Da F. keine gültigen Papiere vorweisen konnte, nahmen ihn die Polizisten fest.

«Kein Sans-Papiers im klassischen Sinne»

Bei den folgenden Abklärungen stellte sich heraus, dass F. bereits in Spanien ein Asylgesuch gestellt hatte. Der Kameruner wurde deshalb ins Gefängnis Bässlergut gesteckt, wo er nun auf seine Abschiebung nach Spanien wartet.

Den Behörden ist der Vorfall peinlich. «Ich bedaure diesen Einzelfall ausserordentlich», sagt Sonja Kuhn vom Präsidialdepartement. Und Fabrice Mangold von der Anlaufstelle sagt, er hoffe, dass die Verhaftung nun nicht dazu führe, dass Sans-Papiers von der Teilnahme am Kulturprogramm des Kantons abgeschreckt würden.

Gemäss dem Justiz- und Sicherheitsdepartement steht die fragliche Personenkotrolle in keinem Zusammenhang mit der Museumsnacht oder einem Projekt des Präsidialdepartementes. Für Departementssprecher Martin Schütz handelt es sich bei F. allerdings auch nicht um «einen Sans-Papiers im klassischen Sinne».

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Artoffel am 07.02.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Der Anlass?

    Was hat das denn damit zu tun? Eine Kontrolle kann zu jeder Zeit und an jedem Ort vorkommen. Die werden ja nicht am Eingang vom Museum gestanden haben. Hier wird doch wieder nur auf Mitleid gemacht...

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  • Arabella am 07.02.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wegweisen

    sans-papiers sind Menschen welche sich illegal in der Schweiz aufhalten. Ich finde es tragisch, dass das von den Behörden toleriert wird und es offenbar sogar offizielle Vereine gibt, welche diesen Menschen helfe hier zu bleiben. Es wäre schön, wenn man hier deutlich härter durchgreifen würde.

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  • SueR am 07.02.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wie man's macht...

    ...irgendwie kann man's nie jedem recht machen. Wenn sich ein "Sans Papiers" zu Unrecht in der Schweiz aufhält, hat er schlicht und einfach die Konsequenzen zu tragen. Mir kommt mehr und mehr der Verdacht, dass wir als eine Art Wunschkiste betrachtet werden. Die Aktion selbst mit der Museumsnacht für weniger Begüterte finde ich toll.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Didi am 07.02.2018 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Paralelgesellschaft?

    moment, sans-papier sind illegal hier!! Wer illegal in einem Land ist, muss sich nicht wundern wenn er festgenommen und ausgeschafft wird. Ich habe wirklich null Verständnis für diese Aussage von Mangold. Es ist doch absurd dass man eine Anlaufstelle hat wo sich illegale treffen können. Was ist denn das für eine Paralelgesellschaft??

  • coldasgold am 07.02.2018 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisches Basler Behördenproblem

    Über die zweifellos feststehende Rechtmäsdigkeit dieser Verhaftung brauchen wir nicht zu diskutieren. Vielmehr zeigt dieser Fall erneut wie desorganisiert und ausser Kontrolle die Basler Behörden sind. Ich kenne ähnliche Fälle: eine Abteilung der Stadtgärtnerei erklärt einen Baum für schützenswert, eine andere holzt ihn ab. Und es gibt noch viele weitere solcher Pannen...

  • Peter Müller am 07.02.2018 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich?

    Warum ist es eine fragliche Kontrolle? War ja alles in Ordnung und die Person wurde verhaftet weil dies das Gesetz so vorsieht. Muss hier wirklich der fraglich stehen nur weil der Redaktor nicht dieser Meinung ist?

  • Der Erklärer am 07.02.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sans Papiers sind etwas ganz anderes!

    Ist er jetzt ein Kameruner oder ein Sans-Papiers? Dieser Titel suggeriert wieder viel Falsches: 1. Es besteht kein Zusammenhang zwischen Museum und Polizeikontrolle und 2. ein Sans Papiers ist nicht jemand, der seine Papiere weggeworfen hat, sondern jemand, der aus gewissen Gründen keine Papiere bekommt und zwar Papiere aus seinem Herkunftsland und nicht die CH Bewilligung! Ein Kameruner, der einen Asylantrag in Spanien stellt ist KEIN Sans-Papiers! Ein Sans-Papiers wirst du, wenn dir dein Heimatland die Erstellung von Originaldokumenten verweigert! Das dürfte in Kamerun kaum der Fall sein.

    • Innerschweizer am 07.02.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Erklärer

      Auch du muss noch einmal über die Bücher wenn es darum geht was Sans-Papiers sind.

    • Innerschweizer am 07.02.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Erklärer

      Auch du muss noch einmal über die Bücher wenn es darum geht was Sans-Papiers sind.

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  • Innerschweizer am 07.02.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sans-Papiers

    Wenn man die Kommentare so liest dann haben einige keine Ahnung was Sans-Papiers sind und wer die wirklich Schuldigen sind.

    • Ausserrhödler am 07.02.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Innerschweizer

      aber wir haben eine Ahnung davon, dass das eine (Museumsbesuch) mit dem anderen (Polizeikontrolle) nichts zu tun hat und das wird hier fälschlicherweise suggeriert

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