Basel

03. April 2018 11:55; Akt: 03.04.2018 12:28 Print

Decke stürzte wegen Strassenbauarbeiten ein

Für die Eigentümerin eines historischen Gebäudes ist klar, dass wegen der Baustelle auf der Strasse Schäden entstanden. Sie hat sich beschwert, doch das Baudepartement will nicht haften.

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Dass Wände und Decke ihrer Wohnung ein wenig zitterten, war Barbara Mutz gewohnt. Als kurz vor Weihnachten dann aber heftige Vibrationen auftraten, fühlte sich alles anders an: «An diesem Tag hat es gezittert wie bei einem Erdbeben», schildert Mutz, die in der St.-Alban-Vorstadt wohnt, der «Basler Zeitung». Aus der Stubendecke hätten sich mehrere Nägel gelöst, schliesslich sei diese eingebrochen. Mutz glaubt, dass Vibrationen von der nahen Baustelle der Grund dafür sind, denn das städtische Tiefbauamt saniert zurzeit an der Ecke Malzgasse/St.-Alban-Vorstadt das Trottoir.

Nach dem Deckensturz nahm Mutz Kontakt mit dem Tiefbauamt auf. Dieses sah sich den Schaden in der Wohnung an. Die Lehrerin und alleinerziehende Mutter liess daraufhin die herunterhängende Decke professionell abstützen.

Absage von allen Behörden

Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement (BVD), dem das Tiefbauamt unterstellt ist, meldete den Fall seiner Versicherung. Doch die Helvetia erteilte Mutz eine Absage, wie sie gegenüber der BaZ weiter sagt. Die Begründung: Es könne nicht nachgewiesen werden, dass der Schaden aufgrund der Baustelle entstanden sei. Dabei seien nur «leichte Baumaschinen» eingesetzt worden, wodurch die Norm eingehalten worden sei, so der Schadensinspektor der Versicherung.

Doch dieser hat laut Mutz den Schaden gar nie inspiziert: «Ohne genau zu wissen, was hier vorgefallen ist, hat er jede Schuld vom BVD weggewiesen.» Mutz gab nicht auf, kontaktierte erneut das Tiefbauamt und die Versicherung. Ohne Erfolg: Ein Beamter habe gemeint, das Haus sei gar nicht denkmalgeschützt und dass man eine Betondecke hätte einbauen müssen, so Mutz gegenüber der Zeitung. Ein zweiter habe die Schuld auf die historische Bausubstanz geschoben.

Das BVD verweist auf Anfrage der BaZ auf den Entscheid der Versicherung. Sprecher Marc Keller betont zudem, dass keine schweren Maschinen eingesetzt worden seien und die Erschütterungen durch die Bauarbeiten weit unter dem geltenden Grenzwert lägen. «Aus unserer Sicht handelt es sich somit um einen bedauerlichen Einzelfall mit ungeklärter Ursache.» Bei den weiteren Bauarbeiten in der St.-Alban-Vorstadt werde man allerdings besonders vorsichtig sein.

Mehr als ein Auslöser möglich

Wie aus dem Grundbuch zu erfahren ist, ist das Gebäude nicht ausdrücklich denkmalgeschützt. Allerdings befindet es sich in einer Schutzzone. «Damit ist zumindest die Gebäudehülle rechtlich geschützt», sagt Thomas Lutz, Leiter der Bauberatung bei der kantonalen Denkmalpflege, gegenüber 20 Minuten. «Bei diesem Altstadthaus ist auch das Gebäudeinnere aus fachlicher Sicht schutzwürdig.»

Weshalb sich die Decke genau absenkte, kann Lutz nicht beurteilen. Ein Einfluss der durch die Baustelle verursachten Erschütterungen sei zwar nicht auszuschliessen, könne aber einer von vielen Faktoren sein. «Beim Marktgräflerhof wurde in den letzten Jahren ein ähnliches Phänomen festgestellt», sagt er. Dort seien aber senkrecht eingeschlagene Nägel, die nie gerostet sind und sich somit nicht mit dem Holz verbunden haben, mitverantwortlich. Für den Rest habe die tägliche Belastung des Materials gesorgt.

(daf)