Ghostwriting

12. Februar 2018 05:46; Akt: 12.02.2018 10:06 Print

«Die Studenten sind nicht faul, sondern verzweifelt»

Eine deutsche Ghostwriter-Agentur wirbt auf einer Facebook-Seite der Universität Basel für ihre Dienste. Die Chefin rechtfertigt sich.

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In einer öffentlichen Facebook-Gruppe der Universität Basel tauchte vergangene Woche eine Annonce auf, die unter anderem Ghostwriting anbot. Ghostwriter verfassen Texte für Auftraggeber. Diese publizieren sie dann unter eigenem Namen – oder geben sie als eigenen Arbeiten an der Uni ab.

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Das Phänomen ist weit verbreitet. Strafrechtliche Schritte liefen aber bisher ins Leere. Die Universität St. Gallen versuchte in der Vergangenheit erfolglos, gegen eine Ghostwriter-Agentur vorzugehen, wie das «Tagblatt» berichtete.

«Meine Kunden sind nicht faul»

Die 35-jährige Berlinerin, die das Inserat postete, nimmt auf Anfrage Stellung. Aus ihrer Sicht seien viele Studenten mit ihrer Situation überfordert und suchten nach Hilfe. «Sie erhalten zu wenig Unterstützung von ihren Betreuern und können sich nicht mit den Themen auseinandersetzen, geschweige denn Arbeiten darüber verfassen», sagt sie.

Zudem müssten viele Studenten nebenbei arbeiten. In Kombination mit den Anforderungen der Universitäten treibe das einige in existentielle Nöte. «Meine Kunden sind nicht faul, sondern verzweifelt», hält sie fest. Eine junge Frau habe am Telefon gar geweint.

«Ich will vor allem coachen», erklärt die Deutsche. Sie wolle überforderten Studenten helfen, gute Arbeiten abgeben zu können. Das Ghostwriting als solches stehe für sie nicht im Vordergrund. «Das Material, mit dem ich arbeiten muss, ist oft schlecht. Das Problem liegt am Bildungssystem, das diese jungen Menschen alleine lässt», sagt sie.

«Ghostwriting per se ist legal»

Rechtsanwalt Martin Steiger, dessen Kanzlei auf Recht im digitalen Raum spezialisiert, weist darauf hin, dass Ghostwriting per se legal sei. «Man beauftragt jemanden damit, einen Text zu verfassen», sagt er. Was danach mit dem Text geschehe, sei eine andere Frage.

Steiger stuft es als schwierig ein, im akademischen Umfeld einen Straftatbestand zu konstruieren. «Die Hürden für Verfahren wegen Urkundenfälschung sind sehr hoch», konstatiert er. Zudem hält er es für wenig sinnvoll, die Staatsanwaltschaft bei Fällen hinzuzuziehen, für die die Universitäten bereits klare Reglemente haben: «Die disziplinarischen Folgen sind oft viel schwerwiegender», so Steiger.

Ebenfalls relativiert er die Verfolgung der Ghostwriter: «Das Angebot deutet auf eine Nachfrage hin». Die Anzahl der geforderten schriftlichen Arbeiten habe seit der Bologna-Reform stark zugenommen. Statt die Symptome zu bekämpfen, solle man das Problem zum Beispiel durch andere Arten von Aufgaben und Prüfungen angehen.

Universität distanziert sich, Gruppe handelt

Die Universität Basel distanziert sich von den diversen inoffiziellen Uni-Facebook-Seiten. Auf ihrer offiziellen Seite würden deratige Beiträge gelöscht, wie Mediensprecher Reto Caluori auf Anfrage mitteilt. Ghostwriting würde wie anderes unlauteres Verhalten den Richtlinien der Fakultäten entsprechend bestraft.

Fehlbaren Studenten der philosophisch-historischen Fakultät drohen Konsequenzen von einer Bewertung mit der Note 1 bis zum Ausschluss vom Studium im Wiederholungsfall. Zur Anzahl von Ghostwriting-Fällen habe die Universität keine Informationen.

Bei der betroffenen Facebook-Gruppe sind solche Annoncen ebenfalls nicht gerne gesehen. «Ich bin erstaunt über diesen Post», sagt Administrator Manuel Alvarez. Er habe den Beitrag sofort gelöscht und die Nutzerin blockiert – das übliche Vorgehen in solchen Fällen. Vor rund einem Jahr hätten die Admins einen ähnlichen Post entdeckt und umgehend entfernt.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arwen90 am 12.02.2018 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doch schon faul...

    ....Oder aber überfordert und deshalb wohl nicht geeignet für dieses studium und den darausfolgenden Beruf. Man zieht das Studium durch und zwar ohne zu schummeln. Sonst hat man es nicht verdient. Ich könnte nicht damit leben, z.b zu sagen ich habe den bachelor aber dabei war es nicht allein mwin verdienst... aber manche können das so wirs aussieht..

  • Peter J. am 12.02.2018 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh Wunder

    Überforderte Studenten? Wohl die darunter, denen die Eltern das Gymi durchgeklagt haben und mittels Ghostwriting versuchen zumindest den Bachelor zu erhalten. Ansonsten sind die einfach zu faul.

  • claudia am 12.02.2018 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    akademie ist nicht alles

    wer den druck des studiums nicht aushält soll bitte eine berufslehre machen. die ver-akademisierung funktioniert nicht

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexander am 12.02.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ist die Uni das Auffangbecken der Lehren?

    Sind eventuell zu viele Studis an der Uni weil ihre schulischen Leistungen nicht für eine Lehre ausreichen? Oder sie so wenig Energie haben, um den Anforderungen des Berufsleben standzuhalten?

  • Alexander am 12.02.2018 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Uni... nur die Besten sollen da rauskommen...

    Ein Studi der mit den Anforderungen der Uni nicht zurechtkommt, ist an der Uni fehl am Platz. Nur die geistige Elite verdient einen Abschluss. Für den Rest gibt es Fahhochschulen, die nach einer Lehre besucht werden können.

  • Morlem am 12.02.2018 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Studium ist Wissen, oder auch nicht

    In der Wirtschaft nennt man diese Art der Verzweiflung Inkompetenz und führt oftmals , anders wie in der Politik, zum Jobverlust.

  • Gregor Floppy am 12.02.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig und fehl am Platz

    Nein, diese Studis sind nicht faul, sie sind suboptimal begabt: Sie sind unfähig zuzuhören, sie lesen keine Empfehlungen fürs wissenschaftliche Arbeiten, sie verstehen Texte nicht, sie können weder korrekt noch stilistisch einwandfrei schreiben und sie sind unfähig, sich auf ein Thema wirklich zu fokussieren. Sie gehören schlichtweg nicht an eine Universitäten oder oder Fachhochschulen.

  • Kenio am 12.02.2018 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag die

    Naja mein Dozent sagt immer, das Ziel sollte sein mit 20% Aufwand, 80% Ertrag zu erzielen. Das habe ich auch erreicht mit einem Ghostwriter. Ich habe ihm meine Ideen und Statistiken, gezeigt und er hat es auf Papier gebracht. Stimmt ich bin evtl zu Faul um zu schreiben, mir egal denn ich hasse viel schreiben ubd für meinen Job benötige ih es auch nicht. Also sind all die Arbeiten die überall eingeführt werden, non sense