Kernkraft

24. September 2014 17:42; Akt: 24.09.2014 17:42 Print

Studie: Schweiz nicht gerüstet für AKW-GAU

von Lukas Hausendorf - Die Wasserversorgung wäre in der Schweiz im Falle einer AKW-Havarie nicht gewährleistet, so das Fazit einer Studie des Atomschutzverbands. Behörden und Versorger widersprechen.

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Einer Studie des Öko-Instituts Darmstadt zufolge wäre die Schweizer Trinkwasserversorgung auf eine ähnliche Reaktorkatastrophe wie die in Fukushima 2011 nicht vorbereitet. Die Studie wurde im Auftrag des Trinationalen Atomschutzverbands TRAS erstellt und am Mittwoch in Basel präsentiert. «Fukushima hat gezeigt, dass kaum denkbare Unfälle möglich sind und die Sicherheitsstandards der Atomkraftwerke in Frage gestellt», so TRAS-Präsident Jürg Stöcklin.

Die vier Schweizer Kernkraftwerke sind alle an Aare und Rhein gebaut, denen auch eine vitale Funktion bei der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zukommt. Anlass genug für den Atomschutzverband die Folgen eines Schweizer Fukushimas unter diesem Gesichtspunkt untersuchen zu lassen.

Versorgung wäre nicht gewährleistet

Käme es zu einer solchen Katastrophe in Gösgen, müsste die Trinkwasserversorgung der Stadt Aarau innert einer Stunde abgeschaltet werden, so das Fazit der Studie. Basel wäre 14 Stunden nach einem Austritt radioaktiver Stoffe aus Leibstadt betroffen. «Das reicht nicht, um die Versorgung umzustellen», sagt Studienleiter Christian Küppers. Auch Zürich wäre betroffen: Im See würde die Konzentration von Cäsium, Jod und Strontium den Grenzwert massiv überschreiten. Aufgrund der häufigen Südostwinde müsse davon ausgegangen werden, dass im Ereignisfall auch der Bodensee kontaminiert würde, was nicht ohne Folgen für die Trinkwasserversorgung im Südbadischen Raum bliebe, so die Studie.

Der Atomschutzverband kommt zum Schluss, dass die Schweiz überhaupt nicht auf einen derart gravierenden Reaktorunfall vorbereitet wäre. Laut TRAS-Präsident Stöcklin hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI den Fall, dass radioaktiv kontaminiertes Kühlwasser in die Gewässer gelangen könnte, in ihren Sicherheitsanalysen bislang ignoriert. «Das schlimmste Szenario, von dem man dort zurzeit ausgeht, ist tausend Mal kleiner als Fukushima.» Und obwohl das ENSI gerade in diesem Bereich Mängel festgestellt habe, seien die Atomkraftwerkbetreiber bis heute nicht in die Pflicht genommen worden, moniert Stöcklin.

ENSI kontert Vorwürfe

Es sind gravierende Anschuldigungen, die der TRAS gegenüber der eidgenössischen Kernkraft-Aufsichtsbehörde erhebt. Das ENSI widerspricht diesen: «Kontaminierte Gewässer sind bei uns sehr wohl ein Thema», sagt Mediensprecher Sebastian Hueber. Im Rahmen der Fukushima-Aktionspläne sei diese Problematik aufgegriffen worden, die Arbeiten daran dauerten an. «Zudem verfügen die Kernkraftwerke bereits heute über Einrichtungen, um grössere Mengen Löschwasser zurückhalten zu können. Diese entsprechen den Normen für Industrieanlagen», so Hueber.

Überdies habe das ENSI das Szenario Fukushima bereits durchgespielt und in seinen Berechnungen mit der gleichen Menge Radioaktivität operiert, wie in Fukushima ausgetreten ist.

Basler Trinkwasser auf Wochen gesichert

«Die IWB kann die Rohwasserentnahme aus dem Rhein sofort abstellen», sagt dazu Erik Rummer, Sprecher der Industriellen Werke Basel. Über Wochen könne im Grundwasser Lange Erlen noch ohne frisches Rheinwasser Trinkwasser produziert werden. Es passiere übrigens häufig, dass der Rohwasserzufluss vom Rhein abgestellt würde – nämlich immer dann, wenn der Fluss wegen Hochwassers zu trüb wird oder Grenzwerte überschritten würden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Vals am 24.09.2014 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    natürlich nicht.

    Gewinne privatisieren, Risiken sozialisieren.

    einklappen einklappen
  • carmen diaz am 24.09.2014 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    hat es dafür...

    ...eine studie gebraucht? ich glaube jeder halbwegs intelligente mensch wusste das schon...

    einklappen einklappen
  • Ueli Frey am 24.09.2014 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    eine Schande!

    Unsere Helden (gutbezahlte Bundesbeamte ) in Bern kassieren lieber einen überrissenen Lohn statt was zu leisten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pierre KOHLER am 25.09.2014 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    "Aufgrund der häufigen Südostwinde müsse davon ausgegangen werden, dass im Ereignisfall auch der Bodensee kontaminiert würde..." Südostwinde bringen die Kontamination nicht von den schweizerischen AKW zum Bodensee.

  • chef am 25.09.2014 04:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir ist aufgefallen...

    dass meine Kommentare so gut wie nie veröffentlicht werden... herrscht in der Schweiz etwa doch nicht die freie Meinungsäusserung? :)

  • Micha Maier am 25.09.2014 00:55 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative zu Atomkraft?

    Deutschland zeigt eindrücklich dass es zurzeit keine Alternative zu Atomkraft gibt. Gas: sind wir abhängig vom EU/RU Verhältnis. Kohle: Sehr umweltbelastend. Sonne/Wind: solange man nicht effektiv speichern kann, braucht man sie nicht, ausserdem ist nicht planbarer Strom ein Riesenproblem für jedes Stromnetz (und nein, die Pumpspeicher-KW als Zwischenspeicher reichen nicht für die CH). Wir sollten anfangen neue Meiler zu planen, auch wenn wir hier ebenfalls vom Uran abhängig sind, aber das lässt sich wenigstens auf lange Zeit platzsparend beschaffen, falls nötig.

  • Jon am 25.09.2014 00:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht schlimm

    Jetzt hab ich immer gedacht, es wäre nicht so schlimm, wenn etwas passiert.

  • Kevin Kammerer am 24.09.2014 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht wirklich.....

    ein Problem, sondern alles eine Frage der Grenzwerte.