Bruder getötet

03. Januar 2018 13:09; Akt: 05.01.2018 17:03 Print

Karl Jeker bricht aus der Psychiatrie aus

Bei den Psychiatrischen Diensten Aargau in Windisch ist am Mittwoch ein Mann entwichen. Er hatte 2013 seinen Bruder mit einer Schrotflinte erschossen.

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Der 52-jährige Karl Jeker flüchtete am frühen Mittwochmorgen, 3. Januar 2018, unbemerkt aus den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) in Windisch. Der wegen eines Tötungsdelikts im Jahr 2013 verurteilte Mann befand sich in einem stationären Massnahmevollzug in der Klinik.

Die Kantonspolizei Aargau wurde um 5.10 Uhr über die Flucht von zwei Personen informiert. Sie leitete sofort eine intensive Fahndung nach den Flüchtigen ein. Inzwischen ist es ihr gelungen, einen festzunehmen. Der 37-jährige Mann wurde in einem Nachbarkanton angehalten. Die Suche nach Karl Jeker dauert an und hat bisher keine Anhaltspunkte über dessen Verbleib ergeben.

Stationen sind doppelt gesichert

«Wir hoffen, dass wir aufgrund der Befragung des 37-Jährigen auch Hinweise zum Aufenthaltsort von Karl Jeker bekommen», sagt Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Personen, die Angaben zum Aufenthaltsort des Flüchtigen machen können, sollen sich bei der Kantonspolizei Aargau melden. Ob durch Jeker eine Gefahr für die Bevölkerung besteht, sei zum jetzigen Zeitpunkt schwierig einzuschätzen: «Wenn man ihn sieht, sollte man aber nicht selber reagieren, sondern die Polizei anrufen», so Pfister.

Wie die beiden Männer flüchten konnten, ist noch nicht bekannt. Laut Peter Wermuth, Chefarzt und Leiter der Klinik für forensische Psychiatrie der PDAG, handelt es sich bei den forensischen Massnahmenabteilungen um geschlossene Stationen, die über eine Innen- und eine Aussensicherung verfügen: «Die Innensicherung erfolgt in Form eines Doppelschleusensystems, das der Patient ohne entsprechende Batches/Schlüssel nur mit Gewaltanwendung und nicht ohne Aufmerksamkeit zu erregen, durchdringen kann.» Die Aussenhülle rund um die ganze Klinik sei zudem mit Fenstern aus doppeltem Sicherheitsglas geschützt, die sich nicht öffnen lassen.

Jeker hat seinen Bruder getötet

Karl Jeker hatte 2013 im 2000-Seelen-Dorf Büsserach im Kanton Solothurn seinem Bruder mit einer Schrotflinte in den Bauch geschossen und ihn tödlich verletzt. Hintergrund der Auseinandersetzung war ein Erbstreit zwischen den drei Jeker-Brüdern um das gemeinsame Elternhaus. Karl Jeker, der im Haus lebte, wollte nicht, dass seine beiden Brüder das Land überbauen, er wollte aber auch keine Miete für das Haus bezahlen.

Karl Jeker leistete bei der Verhaftung am Tatort keinen Widerstand und hat die Tat gestanden. Die Staatsanwaltschaft hielt ihn aufgrund seiner paranoiden Schizophrenie für schuldlos und beantragte die Anordnung einer stationären Massnahme. Jeker selbst hielt sich vor Gericht für schuldfähig.

Der 52-Jährige sei immer das schwarze Schaf der Familie gewesen, hiess es nach der Tat – ein Taugenichts, der keine Ausbildung machte und keiner geregelten Arbeit nachging. Eine landwirtschaftliche Ausbildung hatte er abgebrochen. Das Einzige, was den Täter begeisterte, sei das Openair Rock am Bärg gewesen, für das er sich seit Jahren engagiert habe.

(wed)