Basler Demo

26. April 2015 11:07; Akt: 26.04.2015 17:11 Print

Viel Lärm gegen Scientology-Boss

Rund 300 Personen demonstrierten am Samstag gegen die Eröffnung des Scientology-Zentrums. Drei Stunden lang wurde gelärmt, was das Zeug hält.

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Am Samstagnachmittag versammelten sich die Gegner und Kritiker von Scientology, um gegen die Eröffnung der Ideal Org in Basels Iselin-Quartier zu protestieren. Thomas Erlemann, der Drahtzieher der Demonstration, hatte dazu aufgerufen, die Eröffnungsfeier der Scientologen mit einem Lärmkonzert zu stören.

Die rund 300 Demonstranten, vor allem Anwohner des Quartiers, nahmen sich Erlemanns Aufruf zu Herzen. Während drei Stunden wurde gepfiffen, getrommelt und musiziert. «Ich bin ausserordentlich zufrieden mit meinen Leuten», lobte Erlemann den Protest. In einer Ansprache forderte er die Anwesenden dazu auf, sich zu benehmen, und richtete ermahnende Worte an diejenigen, die eine Maske trugen. «Anonymous-Masken haben im Widerstand gegen Scientology Tradition. Dennoch bitte ich euch, eure Gesichter nicht zu verdecken», verkündete er mit einem Megaphon vor der versammelten Masse. Die Demonstration fand auf der gegenüberliegenden Seite des Tempels statt. Mehrere Polizisten sorgten dafür, dass niemand die Strasse betrat und den Verkehr störte.

Zweitgrösste Demo gegen Scientology

Auch prominente Gesichter nahmen an dem Protest teil. Wilfried Handl, der fast drei Jahrzehnte lang der höchste Scientologe Österreichs war und nun seit einigen Jahren gegen die Gruppierung kämpft, war von der Aktion beeindruckt. «Das ist die zweitgrösste Demonstration, die in Europa gegen Scientology jemals stattgefunden hat», sagt er Dank Spendengeldern habe er seine Reise in die Schweiz finanzieren können und würde nun alles haargenau für seinen Blog dokumentieren. Ursprünglich wäre eine Rede mit dem bekannten Aussteiger geplant gewesen. Doch statt der angekündigten zehn Minuten Krach hauten die Demonstranten derart motiviert auf die Pauken, dass der Lärm nie abbrach. Für eine Ansprache wäre es schlichtweg zu laut gewesen «Meine Rede braucht es überhaupt nicht mehr. Was hier passiert, sagt mehr als tausend Worte», so Handl.

Währenddessen feierten die mehreren hundert geladenen Gäste von Scientology die Eröffnung des Prestigebaus. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit, versammelten sie sich im Hinterhof der Lokalität. Sektenboss David Miscavige hielt auf einem kleinen Podium eine feierliche Rede, die tosenden Applaus erntete, den die Demonstranten mit einem Pfeifkonzert quittierten. Die Stimmung blieb allgemein ruhig. Lediglich ein paar rohe Eier wurden aus der demonstrierenden Masse über die Strasse geworfen. Es blieb jedoch bei ein paar Verwarnungen von Seiten der Polizei, die während der ganzen Veranstaltung Präsenz markierte.

Neues Zentrum

Beim neu eröffneten Scientology-Zentrum in Basel handelt es sich laut der Organisation um eine sogenannte «Ideale Organisation» – die erste in der Schweiz sowie nach Berlin und Hamburg die dritte im deutschsprachigen Raum. Untergebracht sind darin ein Informationszentrum, ein Auditorium sowie Büro- und Beratungsräume.

Das in einem früheren Gewerbebau an der Burgfelderstrasse eingerichtete Zentrum weist laut Scientology-Sprecher Jürg Stettler 4600 Quadratmeter Fläche auf. Darin tätig sein sollen rund 150 Personen. Hinzu kommen Besucher. Bisher verfügte die Organisation in Basel über ein kleineres Haus in einem anderen Quartier.

(jd)