Neun Jahre Haft

13. Dezember 2012 12:23; Akt: 13.12.2012 13:52 Print

Viele K.o.-Tropfen und ein Todesfall

Er hat mehrere Opfer betäubt und sie ausgeraubt, einer der Männer starb dabei. Das Baselbieter Strafgericht hat deshalb einen Slowaken zu neun Jahren Haft verurteilt.

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Zu neun Jahren Haft wegen Raubes und fahrlässiger Tötung hat das Baselbieter Strafgericht am Donnerstag einen 39-jährigen Slowaken verurteilt. Er beraubte Männer, die er mit K.o.-Tropfen in Getränken betäubte; 2010 starb eines seiner Opfer in Oberwil BL.

Der Verurteilte lebte seit Jahren von der K.o.-Tropfen-Masche. Kaum hatte er in Deutschland eine Strafe deswegen abgesessen, schlug er wieder zu in Linz (A), Zürich und Oberwil. Drei Monate nach dem tödlichen Raub in Oberwil, wo er Kreditkarten, Bargeld und ein Mobiltelefon stahl, wurde er in Tschechien festgenommen.

Das Baselbieter Strafgericht hatte nun die beiden Schweizer Fälle zu beurteilen. Die Hinterlist des «Berufsverbrechers», vor allem in Homosexuellenlokalen Opfer anzusprechen, sowie sein rücksichts- und skrupelloses Vorgehen bedeuteten ein «sehr schweres Verschulden», sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilsverkündigung.

Tötungsabsicht verneint

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Täter, der jede Tötungsabsicht verneinte, Mord oder eventualvorsätzliche Tötung vorgeworfen und 20 Jahre Strafe verlangt. Laut Gericht fehlen jedoch für einen Vorsatz ausreichend klare Beweise; er sei daher «in dubio pro reo» («im Zweifel für den Angeklagten») freizusprechen.

Dass der Tote mit einem Kissen über dem Kopf gefunden wurde, lasse vorsätzliche Tötung zwar möglich erscheinen, doch DNA- oder andere Spuren fehlten. Auch widersprüchliche und unglaubwürdige Aussagen reichten nicht. Der Täter hat laut dem Gerichtspräsidenten auch nicht wissen können, dass das Opfer krank war und wie betrunken es nach dem Basler Barbesuch bei der gemeinsamen Heimkehr nach Oberwil war. Tödlich war nämlich erst die Kombination von Alkohol, Krankheit und dem Betäubungsmittel - einem Drögeler abgekauftes Dormicum (Flunitrazepam).

Schlechte Perspektiven

So blieben die Anklagepunkte Raub, welcher unbestritten war, sowie fahrlässige Tötung. Bei letzterem reicht laut Präsident schon für eine Verurteilung, wenn man ein Risiko, dass ein Opfer in Lebensgefahr gerät, nicht mit Sorgfalt vermeidet. In beiden Punkten wurde der Täter denn auch schuldig gesprochen.

Das maximal mögliche Strafmass für diese beiden Delikte läge bei insgesamt 15 Jahren. Strafmildernd wirkten seine glaubwürdige Reue wegen des Todes seines Opfers, die Risikobereitschaft der Opfer sowie sein tadelloses Verhalten in der Haft. Den Eltern des Opfers sprach das Gericht zudem 100'000 Franken Genugtuungssumme zu.

Sobald der Slowake seine Strafe in der Schweiz abgesessen hat, wird er nach Österreich ausgeliefert für den Linzer Fall. Offen seien mögliche weitere Vorwürfe in Deutschland, hiess es. Weil der Mann so kaum in absehbarer Zeit zu Geld kommt, hat das Baselbieter Gericht die fünfstelligen Verfahrenskosten gleich dem Staat angehängt.

(sda)

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