Pratteln BL

18. Februar 2016 11:27; Akt: 18.02.2016 14:04 Print

Weiträumig beissender Gestank wegen Leck

Nach der Explosion in der Chemiefabrik Rohner in Pratteln trat am Mittwoch ein stinkender Stoff beim Aufräumen aus einem Leck aus. Dieser breitete sich bis nach Deutschland aus.

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Die Explosion in der Chemiefabrik Rohner in Pratteln vom Dienstag hatte Nachwirkungen: Ein stinkender Stoff trat am Mittwoch beim Aufräumen aus einem Leck aus. Der Gestank breitete sich bis über den Rhein nach Grenzach (D) aus. Die Behörden empfahlen, die Fenster zu schliessen.

Der Gestank begann am Nachmittag bei Entsorgungsarbeiten, wie der Baselbieter Krisenstab am späten Abend mitteilte. Er stamme von der Substanz Ethanthiol, die als riechbarer Markierungsstoff anderen Substanzen beigemischt werde – so wird auch das Koch-Gas zu Hause riechbar gemacht. Gefahr habe jedoch nicht bestanden.

Der Gestank war so unangenehm, dass der Krisenstab die betroffene Bevölkerung aufforderte, die Fenster geschlossen zu halten. Und er breitete sich am Abend weiträumig aus, sodass laut Krisenstab Behörden-Einsatzzentralen in Basel, Liestal und Lörrach (D) «zahlreiche Meldungen» deswegen erhielten.


Nach-Stinken

Der Wind trug das Ethanthiol auch nordwärts über den Rhein nach Deutschland. Dort fiel es in Grenzach-Wyhlen unangenehm auf, wie die Gemeinde und die deutsche Polizei in der Nacht auf Donnerstag ihrerseits mitteilten.

Gemäss deren Informationen war das olfaktorische Problem – ein «Gasgeruch mit knoblauchartiger Note» – bei der Chemiefirma zunächst beim Belüften eines beschädigten Fasses aufgetreten. Danach aber habe man eine «Leckage» einer Produktionsanlage gefunden und abgedichtet.

Das Lüften des Gebäudes habe dann den Gestank verschlimmert, doch gegen Morgen habe sich dieser verzogen. Gemäss Krisenstab beruhigte sich die Lage nach Mitternacht. Beim Auslüften des Gebäudes könne indes je nach Wetterlage der Gestank auch am Donnerstagmorgen nochmals lokal auftreten. Neue Emissionen seien nicht zu erwarten, hiess es.

Erneut Grosseinsatz

Die Geruchsbelästigung war selbst in Grenzach – die südbadische Gemeinde stand in Kontakt mit dem Baselbieter Krisenstab – derart intensiv, dass die Feuerwehr eigene Luftmessungen unternahm. Betroffenen empfahl man, Fenster und Türen zu schliessen und Lüftungen auszuschalten.

Luftmessungen wurden laut Baselbieter Krisenstab laufend durchgeführt; sie hätten keine Gefahr gezeigt. Insgesamt seien wegen des Gestanks auf beiden Seiten der Landesgrenze 122 Personen im Einsatz gestanden.

Am Dienstagmorgen war es bei der Rohner AG zu einer Explosion mit anschliessendem Brand gekommen. Zwei Angestellte wurden dabei verletzt; am Produktionsgebäude entstand grosser Sachschaden. Die Ursache wird noch untersucht. In der Folge war schon damals von unangenehmem Geruch wegen eines Markierstoffes die Rede gewesen.

(ey/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roland März am 18.02.2016 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strukturformel unbekannt

    Was soll Ethaniol denn sein? Ich kenne diese Verbindung nicht. Sollte wohl Ethanthiol sein, dass sehr übel riecht. Falls dem so ist, mal wieder sauber recherchiert ;-)

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  • yudy am 18.02.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Behördeninfo?

    Schlimm,dass am gestrigen Abend,von den Behörden keinerlei Infos an die Bevölkerung ging.

  • Nicita am 18.02.2016 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Find es grad unglaublich!! Wir, wohnhaft in Liestal, rochen den ganzen Abend diesen fürchterlichen Gestank! Dass man aber die Fenster schliessen soll und dass dies von den Aufräumarbeiten kam, erfährt man dann aber erst wenn es vorbei ist zufällig hier! Unglaublich!! Stärkt das Vertrauen ja imens...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • heinzgitz am 21.02.2016 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerhall

    Am Samstag Mittag roch es auch in der Schweizerhalle, ob es jetzt Ethanthiol ist bin überfragt. Oder ob die dort ansässigen Chemie Firmen das ausnutzten und jetzt Ihre überflüssigen Substanzen billig über die Luft entsorgten bleibt nur eine reine Vermutung.

  • Verwirrt am 21.02.2016 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Und was war der Trägerstoff?

    Ethanthiol Markierungsstoff anderen Substanzen beigemischt werde... aha und welcher anderen Substanz war es hier? Wenn ein duftstoff zugesetzt wird der in so "geringen mengen" einen solchen bereich verunsichern kann währe es doch interessant was denn als trägerstoff gedient hat? Des weiteren hat ja das zusetzen eines duftstoff auch einen grund. z.B. erhöhte explosionsgefahr wie bei butane. Interessant währe auch eine meldung im Radio gewesen. nun ja.

  • Dr Der Chemie am 18.02.2016 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wers glaubt

    Klar nicht gesundheitsgefährdend- und in 30 Jahren haben wir ganz zufällig mehr Lungenkrebserkrankungen - wenn wir das so hinnehmen sind wir selbst schuld. Aber das ist ja der bekannte Kreislauf - die Pharmaindustrie verdient dann an unserer chemo und Krebstherapie.

    • Chemielaborantin am 19.02.2016 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht ganz ungefährlich ABER...

      Die Menge macht das Gift. Über Fälle von carcinogenen Folgen wurde bisher nicht berichtet, dennoch sollte der Stoff nicht in großen Mengen in die Umwelt gelangen, da er das Wasser verunreinigen kann. Direkter Kontakt kann zu Reizungen führen

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  • Kevmister am 18.02.2016 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizerhalle

    Seit der Katastrophe in der Schweizerhalle waren alle Chemieunglücke, und das waren nicht wenige, völlig unproblematisch und es Bestand noch nie eine Gefahr für die Bevölkerung. Wers glaubt.

    • Ban Ane am 19.02.2016 07:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Kevmister

      Man will die Bevölkerung ja nicht verunsichern. Lieber keine als falsche Informationen.

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  • yudy am 18.02.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Behördeninfo?

    Schlimm,dass am gestrigen Abend,von den Behörden keinerlei Infos an die Bevölkerung ging.