Augusta Raurica

03. April 2018 05:51; Akt: 03.04.2018 05:51 Print

Forscher bauen antiken Kühlschrank nach

Wie haben die Römer einst ihre Nahrungsmittel frisch gehalten? Basler Archäologen gehen davon aus, dass diese in Scheeschächten gelagert wurden – und bauen einen solchen Kühlschrank nach.

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Basler Forscher versuchen erneut, das Rätsel eines bei Grabungen in Kaiseraugst entdeckten Schachts zu lüften. In den Tagen nach Ostern füllen die Wissenschaftler diesen mit Schnee und testen, ob er sich als Kühlschrank eignet.

Die Römer machten sich solche Schächte wie denjenigen in Augusta Raurica zunutze, um Obst, Gemüse, Austern, Käse oder andere verderbliche Waren zu lagern. Während der Wintermonate wurden die Schächte mit Schnee und Eis gefüllt und mit Stroh abgedeckt. Tatsächlich wurden rund um Augusta Raurica eine grosse Anzahl Austernschalen gefunden. Verderbliche Ware musste auch in der Antike schon gekühlt werden.

Mallorquinische Methode soll Erfolg bringen

Bereits zwei ähnliche Versuche hat das Team um den Archäologen Peter-Andrew Schwarz von der Universität Basel schon absolviert. Beim ersten Experiment hatte es den ganzen Schnee in einer Fuhre eingefüllt. Wegen der zu milden Witterung habe sich dieser aber nicht verdichten können. Beim zweiten Versuch füllten die Forschenden mehrmals in gewissen Zeitabständen Schnee ein. Zudem legten sie auch Stangeneis in die Grube. Das funktionierte schon besser – der Schnee hielt bis im Juni.

Nun will Schwarz nach der Methode der Nevaters auf Mallorca vorgehen: «Wir werden jeweils 20 bis 30 Zentimeter hohe Schneelagen einfüllen, diese gut verdichten und mit Stroh abdecken, bevor wir dann die nächste Schneelage einfüllen.» Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Freitag an und sind für Besucher zu sehen. «Auf Mallorca wurde mit dieser Methode bis zum Aufkommen von elektrischen Kühlschränken Schnee bis in die Sommermonate konserviert, um Lebensmittel zu kühlen», erklärte Schwarz anlässlich eines früheren Experiments gegenüber der «BZ Basel».

Zeigen, was möglich ist

Das Experiment ist zwar kein Beweis, dass der Schacht in Kaiseraugst tatsächlich als Kühlschrank genutzt wurde. Aber Schwarz möchte zeigen, dass es prinzipiell möglich war. Mit der Auswertung des dritten Versuchs rechnen die Forscher im August.

(lha/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • eiskalt am 03.04.2018 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    warum das Rad neu erfinden?

    Im Muggiotal sind diese ' Kühlschränke ' noch immer erhalten und im Museum erklärt. Verstehe nicht ganz, warum die Wissenschaftler das 'nachbauen', wenn es bereits existiert?

    einklappen einklappen
  • Simi am 03.04.2018 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Experimente

    Ich verstehe den Sinn dahinter nicht ganz. Das man früher Lebensmittel in Eiskellern gelagert hat war an vielen Orten gang und gäbe. Das man diese Schächte gefunden hat bestätigt lediglich das diese Praktik der Konservierung schon sehr sehr alt ist. Ist auch nicht verwunderlich das diese Eisblöcke über Monate nicht schmolzen. Hölen und Keller halten über das ganze Jahr eine konstante Temperatur sofern sie tief genug sind. Legt man dann Eis rein und isoliert das ganze sinkt die Temperatur weiter. Ist die gewünschte Temperatur erreicht, kann man sie gut halten.

  • Scotti am 03.04.2018 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kalt

    Ich werde jetzt auch Forscher .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dr. Corry Read-Write am 04.04.2018 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind Scheeschächte?

    Und jetzt hätte ich noch gerne gewusst, was die Scheeschächte sein sollen, die im Titel erwähnt werden? Des find i gar ned schee....

  • Chrigeli am 03.04.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    50- und 60-iger Eislagerung

    Noch in den 50- und 60-igern brachte Warteck mit seinem Pferdefuhrwagen die Bierfässli und auch die Eisstangen, welche zum Kühlen der Getränke in der Theke des Turnerstüblis meiner Grossmutter in Kleinhünigen in einem speziellen Eisfach mit dicken Wänden gelagert wurde, habs selber noch erlebt, man braucht also nicht zu den Römern zurück zu gehen. So lang ist noch nicht her.

  • Post it am 03.04.2018 09:19 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglich

    Wer bezahlt das eigentlich? Wirklich wichtige NEUE Erkenntnisse können daraus kaum gewonnen warden. Hoffe das dies nicht vom Steuerzahler berappt wird.

  • Dan Wesson am 03.04.2018 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Ok, dafür ist Geld da?

  • Steuerzahler am 03.04.2018 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Sinn und Unsinn

    Wer genau finanziert solche Untersuchungen? Ist das eine Art Erwachsenen-Abenteuer-Kindergarten mit Steuergelder finanziert? Was hat man davon?