Freiburg (D)

23. November 2017 19:02; Akt: 23.11.2017 19:11 Print

Wut bei Deutschen über zu lasche Raser-Gesetze

Der Fall eines 18-jährigen Schweizer Rasers, der auf einer deutschen Autobahn Tempo 280 fuhr, sorgt für Aufregung. In Deutschland werden nun härtere Gesetze gefordert.

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Auf deutschen Autobahnen sind immer wieder Schweizer Raser unterwegs. (Bild: Symbolbild iStock)

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Sie suchen den Nervenkitzel auf deutschen Strassen: Immer wieder gehen der Polizei von Baden-Württemberg Schweizer Raser und Schnellfahrer ins Netz. Der jüngste Fall: Ein 18-jähriger Schweizer aus dem Baselbiet donnerte in seinem BMW mit 280 km/h über die Autobahn A5 bei Neuenburg am Rhein. Was nebst seinem Vergehen für scharfe Kritik sorgt, sind die Konsequenzen: Gerade mal 800 Franken Busse musste er an Ort und Stelle bezahlen.

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Das stösst anderen Verkehrsteilnehmern sauer auf. Der 61-jährige Car-Chauffeur Ralf Keller aus Lörrach (D) und einige seiner Berufskollegen können es nicht fassen, dass ein solches Vergehen bloss mit einer Geldbusse geahndet wird. Zumal es kein Einzelfall sei: «Es ist bekannt, dass Schweizer auf unseren Strassen ihre Autos testen.» Eine solche Strafe schmerze den Täter zu wenig und erfülle ihn gar mit Stolz, meint Keller. Er fordert härtere Gesetze: «Für uns Deutsche sind die Gesetze im Schweizer Strassenverkehr sehr streng – aber die Schweizer Behörden kriegen so Ordnung ins Land.» In der Schweiz droht Rasern der Einzug samt Verwertung des Tatfahrzeugs und eine Gefängnisstrafe.

Kleiner Handlungsspielraum für Behörden

Das Problem mit Raser-Touristen ist den deutschen Behörden bekannt. Aber: «Bei uns gilt eine andere Gesetzgebung als in der Schweiz», sagt Mathias Albicker, Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg. Wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet würden, handle es sich bei Temposünden lediglich um eine Ordnungswidrigkeit – auch im Falle des 280-km/h-Rasers. Ihm blüht höchstens noch eine höhere Geldstrafe, falls die zentrale Bussgeldstelle in Karlsruhe seine Tat als vorsätzlich einstuft. Mehr habe der 18-Jährige aber nicht zu befürchten, so Albicker. Der Handlungsspielraum gegenüber Rasern ist also sehr klein.

Trotz wiederholter Fälle spricht Albicker nicht von einem expliziten Problem mit Schweizer Lenkern. Es komme zwar immer wieder mal zu Vergehen auf der Autobahn A5. «Aber auch Autofahrer aus anderen Ländern wie Frankreich oder der Niederlande sind zu schnell unterwegs.» Dank der Geschwindigkeits-Begrenzung auf weiten Strecken der A5 handelt es sich laut Albicker nicht um ein flächendeckendes Problem.

Zurückhaltende Polizei

Auch in Konstanz geraten Schweizer Autofahrer immer wieder in den Fokus der Polizei. «Autorennen sind gelegentlich zu einem Problem geworden», sagt Bernd Schmidt, Sprecher des Polizeipräsidiums Konstanz. Er spricht damit Autobahn-Vorfälle an, die Anfang 2016 für Schlagzeilen gesorgt hatten. Auch im laufenden Jahr seien auf der Autobahn A81 in drei Fällen jeweils zwei Autofahrer von der Polizei erfasst worden. «In allen Fällen handelte es sich um Autos mit Schweizer Kennzeichen», so Schmidt.

Diese Woche sei zudem in einem Baustellenbereich mit Tempo 80 ein Schweizer Fahrzeug mit 167 km/h gemessen worden – die bislang höchste Geschwindigkeit in dieser Zone, so Schmidt weiter. Es handele sich aber um Einzelfälle.

Politik ergreift Massnahmen

In der Politik wurden die Töne gegenüber Schweizer Rasern schärfer. Anfang Monat führte die Regierung Baden-Württembergs eine Tempolimite auf einem Teilstück der A81 ein – parallel dazu plant sie eine Informationskampagne insbesondere für Raser aus der Schweiz.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mayer am 24.11.2017 00:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    «Für uns Deutsche sind die Gesetze im Schweizer Strassenverkehr sehr streng..." Falsch, es ist für alle streng und hat nichts damit zu tun, dass sie deutsch sind.

  • Sabai am 24.11.2017 02:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergehen an die CH Behörden melden

    Die Schweiz und Deutschland haben ja ein Abkommen, in welchen Straftaten auch in den Heimatländer weiter verfolgt werden. BRD Polizei soll das Vergehen an die CH Staatsanwaltschaft melden, dann werden diese Ämter aktiv und die Fahrzeuge sind dann schon mal weg.

  • Chrümel am 23.11.2017 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autolobby

    Ein einem Land wo die Autolobby mehrheitlich das Sagen hat wird es schwierig strengere Gesetze durchzusetzen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 25.11.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exponentielle Risikosteigerung

    ab Geschwindigkeiten über 120kmh mit massiven Todesfolgen auf überfüllten Autobahnen Europas. Radikale Geschwindigkeitsbeschränkungen sind gefordert.

  • Hotwith am 25.11.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro/Contra

    Solange niemand gefährdet wirt.Ist so ein guter ansatz,Es gibt tempolimiten ok,nur ists auch wenig schikane beispiel CH,wenn man bei lehrer autobahnen mal 140 fährt,je nach abschnitt 150/160 was auf den CH autobahnen nicht wirklich gut kommt weil die bahnen schmäler sind als z.b. Deutschland,und zu viele kurven.trotzdem bei kein verkehr ,und z.b.155 km/h(inkl.abzüge) hohe busse ganz klar,ausweisentzug nicht unbedingt.Dafür eine bewährung.Bei unfall-ausweiss entzug.und bei unschuldigen verl.oder leider toten,busse ausweis weg und SOFORT gefängniss,bei toten von mir aus lebenslänglich.

  • Chief Oporating Officer bei Umbrella Cor am 24.11.2017 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Also Bitte......

    Und dann gibt es zahlreiche deutsche,die mit höchstgeschwindigkeit über unsere autobahn rasen und sich keinen deut um unsere gesetzte kümmern....

  • Sabai am 24.11.2017 02:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergehen an die CH Behörden melden

    Die Schweiz und Deutschland haben ja ein Abkommen, in welchen Straftaten auch in den Heimatländer weiter verfolgt werden. BRD Polizei soll das Vergehen an die CH Staatsanwaltschaft melden, dann werden diese Ämter aktiv und die Fahrzeuge sind dann schon mal weg.

  • Mayer am 24.11.2017 00:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    «Für uns Deutsche sind die Gesetze im Schweizer Strassenverkehr sehr streng..." Falsch, es ist für alle streng und hat nichts damit zu tun, dass sie deutsch sind.