Radikale Forderung in Basel

12. Februar 2014 18:59; Akt: 13.02.2014 11:10 Print

Polizeidirektor will alle Drogen legalisieren

Der Basler Polizeidirektor Baschi Dürr macht mit einem Tweet Schlagzeilen. Er fordert die Straffreiheit für alle Drogen.

Die radikale Forderung des Basler Sicherheitsdirektors Baschi Dürr im O-Ton auf Twitter.

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«Sonst müsste man alle harten Drogen auch freigeben. Das will ja auch niemand», twitterte Nationalrat Christian Wasserfallen (FDP) aus der Arena des SRF vergangenen Freitag zur Liberalisierung der Drogenpolitik. «Doch, das will ich», antwortete ihm postwendend der Basler Polizeidirektor Baschi Dürr (FDP). Mit seiner radikal-liberalen Ansicht hat er sich nicht nur Freunde gemacht. «Das ist eine Verarschung all jener Fahnder, die ihrer Aufgabe nachkommen und das Lumpenpack einsammeln», erregt sich Grossrat Felix Eymann (LDP) in einem Telebasel-Bericht über die radikale Äusserung des liberalen Polizeidirektors.

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Weniger hart ins Gericht geht Wasserfallen mit Dürr. Obwohl der Berner bezüglich Drogenliberalisierung eine ganz andere Meinung hat. «Ich akzeptiere seine Meinung. Er ist in seiner Argumentation wenigstens konsequent», hält er Dürr zugute. Inhaltlich hält er aber dagegen: «Spätestens wenn für die Schäden die Allgemeinheit in die Verantwortung genommen wird, zieht das Liberalismus-Argument nicht mehr.»

Polizei nimmt es gelassen

Der Basler Polizeibeamtenverband nimmt den Tweet indes gelassen zur Kenntnis. «Diese Meinung zu haben, ist sein legitimes Recht», sagt Vizepräsident Heinz Salvisberg. Man würde sich erst äussern, wenn eine entsprechende politische Vorlage zur Debatte stünde. Dürr versichert aber, «derzeit» nicht dahingehend politisch aktiv zu werden. Er verweist aber auf die Erfahrungen mit der Alkoholprohibition in den USA, die zeigen, «dass die Probleme mit dem Verbot viel dramatischer wurden».


Vorderhand gilt in der Schweiz noch das Betäubungsmittelgesetz, das den Drogenhandel und -konsum unter Strafe stellt. Die Ablehnung der Hanfinitiative Ende 2008 hat aber auch deutlich gemacht, dass eine Liberalisierung illegaler Drogen nicht mehrheitsfähig ist. «Ich finde es aber wichtig, dass man grundsätzlich darüber nachdenkt. Wenn mein Tweet zu solchen Diskussionen anregt, dann ist das Ziel erreicht», so Dürr.

Schweiz schaut interessiert in die USA

Beim Bundesamt für Gesundheit verfolgt man derzeit aber mit Interesse die Entwicklung in den USA. «Nachdem in den Staaten Colorado und Washington Cannabis weitgehend legalisiert wurde, hoffen wir in absehbarer Zeit zu erfahren, welche Auswirkungen ein freier Drogenmarkt tatsächlich hätte», so BAG-Sprecherin Catherine Cossy.

In der Fachwelt wird das Thema kontrovers diskutiert. Befürworter argumentieren, dass eine Liberalisierung die Voraussetzungen für eine wirksame Prävention schaffen würden, währenddessen die Gegner einen Konsumanstieg prophezeien.

(lha)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Sie sagen einfach "Das ist böse und gehört bestraft" Hinterfragen aber keine Hintergründe=Wegschauen. Prävention heisst Leute über Folgen aufzuklären z.B. die "Rauchen tötet"-Kleber auf Zigi-Packungen. Um Konsum im Affekt zu verhindern wäre mein Vorschlag, dass man in den Läden/Abgabgestellen harte Drogen 48 Stunden im Voraus bestellen muss. Die Süchtigen holen einfach ihre heutige Dosis und bestellen gleich für übermorgen, Neukonsumenten bestellen und müssen dann erst darüber schlafen. Und wo man konsumieren darf ist in einer legalen Umgebung viel leichter zu regulieren (siehe Rauchverbot) – Tommy

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans Hagel am 12.02.2014 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    ILLUSION!

    Endlich hat es mal einer kapiert! Würden das alle Staaten machen, würde das weltweite Kartenhaus der Drogenmafia auf einen Schlag in sich zusammenfallen! Aber genau daran sind viele Leute in Schlüsselpositionen von Wirtschaft und Politik nicht interessiert, weil das Drogengeschäft mitunter das Lukrativste ist, und deshalb geschieht auch nichts.

  • xerox am 12.02.2014 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Dürr

    Ich stimme Herr Dürr hier sofort zu. Seit einigen Jahren schon, plädiere ich für die Legalisierung aller Drogen. Leider ist der gute Mann mit seiner Forderung noch ein paar Jahrzehnte zu früh.

  • Ingo M. am 12.02.2014 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wir verkaufen doch schon Drogen!

    Wir verkaufen unseren Kindern doch schon heute hochoffiziell Drogen! Mit 16 Jahren Bier und Zigaretten, mit 18 schon Hochprozentiges und Gras! Wir gehen jetzt einfach einen Schritt weiter und verkaufen ab 21 Jahren auch noch Heroin, Kokain und Co.! Wo liegt das Problem?! Wie, wann und wo jede/r seine Drogen konsumiert bleibt in deren Verantwortung! Genauso wie heute jede/r selber entscheiden muss, ob, wann und wieviel Alkohol zu sich nehmen will. Auch ist heute schon jeder selber dafür verantwortlich, wenn er/sie z.B. ein Fahrzeug in Fahrunfähigem Zustand benützen will. Konsequenzen bleiben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruzicic Srdan am 14.02.2014 11:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar..

    Ein Land voll mit psychisch labilen Drogensüchtige wäre ein riesen Vorteil für die Schweiz.. Man sollte diesen "Polizeichef" entlassen.

  • myself am 14.02.2014 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    Wir brauchen nicht immer noch mehr Drogen. Momentan gibts wenigstens bei Einigen noch Einstiegs-Hemmungen. Warum aber nicht mitmachen, wenn es eh legal ist? Es wird auch gestohlen und gemordet. Sollten wir dies nicht auch endlich legalisieren? Wird ja eh gemacht

    • Tommy am 14.02.2014 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      Gesunder Menschenverstand

      "Warum nicht mitmachen wenn es eh legal ist?" Klar deshalb sind wir ja alle Alkoholiker/Raucher, Springen mit Fallschirmen aus Flugzeugen und sammeln Briefmarken. Ist ja alles legal... Es gibt noch ein paar andere Gründe etwas nicht zu machen. Z.B. weil man keinen Spass daran hat oder es das Geld nicht wert ist (deshalb sammle ich keine Briefmarken) oder weil es zu riskant ist bzw. einem Angst macht (deshalb spritze ich kein Heroin und springe nicht aus Flugzeugen). Ich verzichte nicht auf Heroin weil es eine 0.01% Chance gibt, dass ich eine Busse kriegen könnte. Sondern wegen dem Risiko.

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  • liatia am 14.02.2014 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsidee

    ich bin überzeugt, dass Legalisierung zu einer Explosion des Konsums führt. Wie viele möchten gern, sind aber zu faul, die Drogen irgendwie über Umwege zu beschaffen, oder wüssten nicht, wie? Was frei erhältlich ist, wird konsumiert, siehe Alk und Zigis. Das ist auch bei Drogen nicht anders. Zu hoffen, dass der "Reiz des Verbotenen" so verloren geht, ist naiv, denn zb Koks wird nicht wegen dem Reiz konsumiert, sondern wegen der erhofften Wirkung.

    • hans wurst am 14.02.2014 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      keine ahnung

      Sie haben keine Ahnung, heutzutage braucht es keine grosse Umwege mehr um an Drogen zu kommen.

    • Adrian am 14.02.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Legalisierung für nicht zu höherem Konsu

      Grundsätzlich hast du wahrscheinlich recht. Aber. Es geht primär darum die Drogenkartelle zum Untergang zu treiben. Die die Drogen konsumieren möchten tun dies auch. Und mit dem Geld das so vom Bund eingenommen werden könnte, würde bestimmt zu grossen Teilen der Drogenprävention zugute kommen was der Anstieg des Konsum verunwahrscheinlicht. Wenn jemand harte Drogen konsumiert ist er sich den folgen bewusst und hat meistens bereits eine Vorgeschichte welche ihn zu diesem Entscheid treibt. Mit der legalisierung könnte man ein Tabuthema ganz normal diskutieren und debattieren.

    • Tommy am 14.02.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

      keine grosse Zunahme des Konsums

      Vielleicht sollte es mal eine Studie/Umfrage dazu geben: Wenn sämtliche Drogen morgen legalisiert würden, wer würde dann alles Heroin probieren? Die meisten würden dank Prävention nein sagen, nicht wegen dem Verbot! Es sagt ja sowieso niemand, dass bei der Legalisierung alle Drogen "ohne Umwege" erhältlich sein müssen. Da kann man jegliche Beschränkungen einbauen: Registrierung irgendwo, maximale Bezugsmengen pro Tag, Bestellfristen, obligatorische Beratungen, höhere Krankenkassenprämien etc. aber legal soll es gefälligst sein, da es keine Opfer gibt!

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  • sam am 14.02.2014 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Legalisieren  

    Erst mal Marihuana legalisieren und dan weiter schauen. Meiner Meinung nach hat es viel mer Vorteile als Nachteile.. In Amsterdam und anderen Ländern funktioniert es ja auch, also warum nicht in der Schweiz?

  • Roman am 14.02.2014 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel 

    Nicht alle Drogen das ist zuviel