Bern

10. Dezember 2017 15:47; Akt: 10.12.2017 15:59 Print

«Der Buschauffeur war aggressiv, ich hatte Panik»

Das Video des kickenden Buschauffeurs schlug hohe Wellen. Nun spricht der Passagier, der im Postauto getreten wurde. Er hat den Fahrer angezeigt.

Diese Aufnahmen des Vorfalls wurden 20 Minuten zugestellt. (Video: Leser-Reporter)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Augenzeuge hatte gegenüber 20 Minuten berichtet, der Passagier habe mit den Tätlichkeiten begonnen. Daraufhin meldete sich dieser bei 20 Minuten, um seine Sicht darzulegen. Hier seine Schilderung des Vorfalls.

«Der Tag hat für mich super angefangen und endete im absoluten Horror», sagt der junge Mann. Er sass am Dienstagabend im Postauto 101 nach Hinterkappelen, als es zum Handgemenge zwischen ihm und dem Postauto-Chauffeur kam. Videoaufnahmen eines Augenzeugen zeigen, wie der Chauffeur im Kung-Fu-Stil in Richtung des Mannes zutritt.

Streit um Burger-Papier

Er sei ganz vorne im Bus gesessen und habe vor der Abfahrt noch die letzten Bissen seines Cheeseburgers genossen. Als er damit fertig war, habe er das Papier im kleinen Ghüderkübel gleich bei der Führerkabine entsorgt – dies habe dem Chauffeur nicht gepasst. «Er hat mir in sehr schroffem Ton befohlen, das Papier wieder rauszunehmen, weil das sein privater Ghüder und er keine Putzfrau sei», sagt der Mann.

«Nachdem ich mich geweigert habe, stand der Fahrer bei der nächsten Haltestelle auf, nahm das Papier aus dem Behälter und steckte es mir in meine Jacke.»

«Er schlug zuerst zu»

«Wie er mit mir umgegangen ist, hat mich in diesem Moment sehr wütend gemacht», so der Mann weiter. Darum habe er die Verpackung aus der Tasche genommen und auf den Boden geworfen. Daraufhin sei die Situation eskaliert – beide seien laut geworden und sich schliesslich gegenüber gestanden. «Aus heiterem Himmel hat er mir einen Faustschlag verpasst. Der Buschauffeur war richtig aggressiv, ich hatte Panik», sagt der Passagier. Er habe versucht, sich zu schützen und die Arme vors Gesicht genommen. Als nächstes habe der Buschauffeur dann zugetreten. Mehrmals habe er dem Chauffeur gesagt: «Was machst du für einen Scheiss?»

Er habe danach nur noch aus dem Bus steigen wollen. «Ich habe die Türe geöffnet, bin raus und habe dem Fahrer noch hinterher geschrien, dass er dafür seinen Job verlieren wird.» Von draussen habe er dem Fahrer noch zugeschrien: «Ich ficke dich.» Er sei nicht stolz darauf, aber ihm seien einfach die Sicherungen durchgebrannt.

Aufnahmen sollen Wahrheit zeigen

Er sei froh, dass Postauto jetzt die Überwachungsbänder des Vorfalls gesichert habe: «Auf diesen wird ganz klar ersichtlich sein, dass ich unschuldig und das Opfer bin.» Er gehe nun rechtlich gegen den Buschauffeur vor. Christoph Gnägi, Sprecher der Kantonspolizei Bern, bestätigt: «In Zusammenhang mit diesem Vorfall wurde bei uns eine Strafanzeige eingereicht.»

Postauto Schweiz wollte zu den Vorwürfen gegen den Fahrer noch keine Stellung nehmen, sonder erst die Ergebnisse der internen Untersuchung abwarten: «Wir klären den Ablauf ab, auch mithilfe der Auswertung der Überwachungskamera. Wir tun dies seriös und wollen dem Ergebnis nicht vorgreifen», so Sprecherin Katharina Merkle.

Wann diese bekannt werden, ist noch unklar. Fest steht bereits, dass es sich beim umzankten Müllbehälter tatsächlich um einen Ghüderkübel für den Fahrer handelt. «Jedoch ist es nicht verboten, dass auch Passagiere ihren Abfall darin entsorgen», so Merkle.

(cho/ber)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.F. am 10.12.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann ist es ja klar...

    Asozial verhalten, Littering, beleidigend und am Schluss eine Heulsuse die das Gefühl hat unschuldig zu sein.

    einklappen einklappen
  • MV916 am 10.12.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Der Busfahrer hatte recht ist auch mühsam wenn man sich mit solchen Fahrgästen rumärgern muss

    einklappen einklappen
  • Usländer am 10.12.2017 15:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Aus einer Mücke einen Elefant machen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Max T. Krüger am 12.12.2017 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant!

    Man muss sie hören alle beide!

  • Dieter Thomann am 12.12.2017 00:02 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht

    So jemand gehört fristlos entlassen. Ist ja nicht verboten, zu essen im Bus und in den Mülleimer geworfen hatte der Passagier das Papier auch. Total unprofessionelles Verhalten.

  • Zuhörer am 11.12.2017 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los im Kanton Bern?

    Die Lage scheint gespannt zu sein. Das ist nicht der erste Fall, der mir auffällt. Die Berner haben in der Regel ein recht gutes "Gschpüri" und dass sie sich unter einer Aristokratie noch immer ausgebeutet fühlen, kann ich mir nicht vorstellen. Es fühlt sich an wie eine Existenzangst, die mir auch nicht fremd ist. Vielleicht wäre es gut, darüber zu reden, bevor Fäuste fliegen.

  • Skorpion am 11.12.2017 16:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuldig ist...

    ...der Hamburger. Die verschiedenen Zutaten reagieren mit Licht beim auspacken. Mögliche Symptome beim Verzehr sind zum Beispiel: plötzlich auftretende Respektlosigkeit, unkontrolliertes Verhalten, Anfall von starker Demenz und Mediengeilheit. Wenn dann die Überheblichkeit nachlässt ist der erste Anfall vorbei. Junge, lass das Teufelszeug, du siehst ja was es mit dir angerichtet hat.

  • Pipapo am 11.12.2017 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewalt im ÖV

    Mir wurde beigebracht, es braucht immer zwei für einen derartigen Konflikt. Gewalt ist nie die Lösung weder von Mitarbeitenden noch von Kunden!