Gestohlene Zuchttiere

14. September 2017 06:44; Akt: 14.09.2017 06:44 Print

«Die Vorstellung, dass die Schafe sterben, schmerzt»

Sieben seltene Schafe wurden im solothurnischen Guldental gestohlen. Sechs Weibchen waren sogar noch trächtig. Besitzer Roland Zweifel ist tieftraurig.

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Am Samstag grasten sie noch auf der Weide auf dem «Archehof uf em Bode» in Ramiswil SO. Am Sonntagmorgen war die Koppel leer: Zweifels ganze Herde Saaser Mutten wurde gestohlen. Ein Männchen und sechs trächtige Weibchen der vom Aussterben bedrohten Rasse sind seit vier Tagen unauffindbar.

«Als ich nach ihnen sah und sie nicht dort waren, dachte ich zuerst noch, sie wären bloss ausgebüxt. Das gab es auch schon, aber sie gingen nie weiter als 150 Meter weit fort und kamen sofort zurückgaloppiert, wenn man sie rief.» Doch diesmal blieben die Tiere unauffindbar. «Ich habe alle Höfe in der Umgebung angerufen, sie sollen Ausschau nach meinen Tieren halten. Auch die Jagdgesellschaft habe ich informiert und sie haben bei der Suche mitgeholfen, doch gefunden haben wir unsere Tiere nicht mehr.»

Genmaterial hat grossen Wert

Nach zwei Tagen verständigten Roland Zweifel und seine Frau Esther Müller die Polizei. Diese gab am Mittwoch eine Diebstahlmeldung mit Zeugenaufruf heraus. «Es tut mir einfach so furchtbar weh, denn unsere Tiere waren handzahm und so lieb. Man hegt und pflegt sie täglich und dann sind sie plötzlich weg.» Es laufe ihm kalt den Rücken runter, wenn er daran denke, dass jemand die Tiere zum Verzehr töten könnte. «Man stellt sich vor, wie sie auf den Bock kommen und Kopf ab – das ist so grausam.»

Schlimm sei zudem, dass es sich um eine vom Aussterben bedrohte Rasse handelt. «Ihr Genmaterial ist wichtig und wir sind darauf angewiesen, um die Rasse weiterzuzüchten.» In der Schweiz leben nur noch 600 Tiere dieser Rasse.

Vor drei Jahren waren im Wallis über 100 Saaser Mutten gestohlen worden. Danach machte die Stiftung ProSpecieRara, die sich der Rettung bedrohter Schweizer Tierarten verschrieben hat, einen Aufruf: Wer kann, soll Tiere dieser Rasse weiterzüchten und den Bestand wieder aufstocken. So kamen Zweifel und Müller überhaupt zu den damals vier Tieren – und starteten mit der Zucht.

Alle Weibchen waren trächtig

«Dass die Diebe mit den gestohlenen Tieren weiterzüchten werden, ist unwahrscheinlich. Die sind alle angemeldet und tragen eine Ohrmarke, das würde sofort auffallen», so Zweifel.

Eigentlich habe er sogar noch viel mehr Tiere verloren, denn die sechs Weibchen waren alle trächtig. «Das ist das Bitterste an der ganzen Geschichte. Die Geburten hätten in den nächsten zwei bis drei Wochen bevorgestanden.» Schafe haben in der Regel ein bis vier Lämmer pro Wurf.

Eigentlich gibt Zweifel die Saaser Mutten im Sommer auf die Alp. «Das taten wir dieses Jahr nicht, weil sie ja trächtig waren. Wir wollten uns selber um die Tiere kümmern.» Er ruft nun alle auf, Augen und Ohren offen zu halten. «Vielleicht bemerkt ja jemand auf einer Weide irgendwo unsere Tiere. Man erkennt sie sofort an den langen Lampi-Ohren.»

(ct)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Julchen am 14.09.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuchttiere

    Wo haben denn heutzutage die Menschen ihr Gewissen.Hoffentlich kann man die Tiere wieder finden.Ich wünsche dem Besitzer jedenfalls ganz viel Erfolg beim suchen.

  • ein tierfreund am 14.09.2017 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfassbar

    einfach nur Wahnsinn. diese Respektlosigkeit diese dreistheit. wo leben wir eigentlich. weitere Worte fehlen mir. nur noch soviel : ich wünsche dem Besitzer dass noch alles gut wird und seine Schafe bald wieder auf seiner weide grasen.

  • H.P.Müller am 14.09.2017 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Das hat System

    Uns haben wurden auch schon Schafe von der Weide geklaut. Das hat System. Es sind aber immer die schönsten Tiere. Es sind immer die zahmen Tiere und es ist immer Nachts.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Leserli am 14.09.2017 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Was haben wir nur importiert.

    Es braucht eben doch einen grösseren Zaun, als unsere Politiker gerne wahrhaben möchten.

  • Crypta am 14.09.2017 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    diebstal

    Es gibt heute kein Respekt mehr gegen fremdes Eigentum. Nun können wir nur noch auf einen guten Ausgang hoffen dass der Besitzer seine Schafe wieder bekommt

  • Ratmal Werwol am 14.09.2017 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schwein haben

    tun für einmal nur Schweine. Solche werden nie gestohlen. Hingegen Schafe, Kaninchen, Katzen schon. Da kommt einem schon mal ein Verdacht auf, den man aber natürlich nicht aussprechen darf, weil manche Leute sich sonst empören könnten....

    • Alerta am 14.09.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Ratmal

      Du hast recht. Katzen, Hunde, etc. Es müssen Walliser gewesen sein...

    • Religionslehrer am 14.09.2017 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      Komische Logik

      Es werden auch keine Kühe gestohlen. Müssen wohl Inder gewesen sein!

    einklappen einklappen
  • Mikka am 14.09.2017 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    immer häufiger

    Leider kam und kommt das immer wieder vor, schliesslich gibt es in der Schweiz nur an wenigen Orten Hallal-Fleisch zu kaufen und wenn man nicht mobil ist sucht man es in der Umgebung. Schade um die Tiere und Schande über die Diebe.

    • Vegan am 14.09.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

      Realistisch bleiben

      Da die meisten Tiere nicht richtig betäubt werden gibt es absolut keinen Unterschied zu "halal". Wir sind kein bisschen besser. Zudem hat das nichts mit dem Thema zu tun.

    einklappen einklappen
  • Anna am 14.09.2017 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fassungslos

    Zuerst war ich geschockt, dann wütend, danach tief traurig. Ein ganzes Karussell an Gefühlen. Was ist denn hier nur los?!!! Es wird alles gestohlen, was zu Geld gemacht werden kann. Ohne jeglichem Respekt und Gefühl. Das sind keine Menschen mehr. Diese Kreaturen müssen lebenslang hinter Gitter oder gleich lang unter strenger Aufsicht Schafzucht betreiben. Vielleicht ist noch etwas zu retten. Wäre fast schon ein Wunder... Die Besitzer der gestohlenen Schafe tun mir unendlich leid.