Amok-Rentner Kneubühl

14. Dezember 2012 07:26; Akt: 14.12.2012 10:02 Print

«Ich entschuldige mich nicht»

Vor zwei Jahren schoss Peter Hans Kneubühl einem Polizisten in den Kopf und hielt die Bieler Polizei auf seiner Flucht mehrere Tage in Atem. Nun spricht er zum ersten Mal im Fernsehen darüber.

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Am . Im Januar 2013 (Bild) ist schon das Regionalgericht Berner Jura-Seeland in Biel zu diesem Schluss gekommen. Vor Gericht, das auch die Zurechnungsfähigkeit des Rentners klären musste, verteidigte sich Kneubühl im Januar 2013 selber, obwohl er einen amtlichen Verteidiger hatte. Das bedeutet, dass Kneubühl unter anderem auch den Polizisten befragte, den er am 8. September 2010 angeschossen und schwer verletzt hatte. Kneubühl machte dabei einen wirren Eindruck, viele seiner Fragen wirkten völlig sinnlos. Kneubühl hatte am 8. September 2010 auf einen Polizisten geschossen, diesen schwer verletzt und danach die Berner Polizei mehrere Tage lang auf Trab gehalten. Deshalb müsste er sich wegen vorsätzlicher Tötung verantworten. Doch die . war der «Amok-Rentner» Peter Hans Kneubühl nach seiner Tat im Herbst 2010 auf der Flucht. Im Mittelpunkt des Dramas steht werden. Es war in einem ungepflegten Zustand, der Renter soll es seit einem Jahr kaum verlassen haben. Vor dem ersten Besichtigungstermin hatte sich der 67-Jährige . Die Polizei hatte versucht, mit Kneubühl zu sprechen. Doch dieser war . Die Polizei rückte deshalb mit einem Grossaufgebot an und umstellte das Wohnhaus. 40 Personen mussten werden oder konnten nicht nach Hause gehen. In der Nacht auf den und verletzte einen Beamten schwer - obwohl dieser eine schusssichere Weste trug. . Die Polizei bemerkte anscheinend erst gegen Mittag, dass der Senior geflohen war. Das gesamte und die Schule geschlossen. Die Behörden . Der naheliegende Wald wurde genauso zum Zielgebiet wie Büren an der Aare. Dutzende Mitglieder von wurden aufgeboten. Ein kreiste über Biel mit Wärmebildkamera. Im Verlauf des Donnerstags suchte die Polizei an Bushaltestellen, ... ... in Parks und Gärten, ... ... an Quartierstrassen und am Bahnhof in Biel nach dem Rentner. Doch François Gaudy, Polizeichef der Region Berner Jura/Seeland, musste an einer sei. Die Bevölkerung müsse zwar nicht beunruhigt sein, Gaudy mahnte allerdings zur . Trotz einer landesweiten Fahndung nach ihm konnte Kneubühl in sein Haus zurückkehren, erneut auf Beamte schiessen und wieder abtauchen. Am , die dem bisherigen Fahndungsbild überhaupt nicht ähnlich waren. Zuvor hatten die Behörden das Foro rechts veröffentlicht. Dafür hatten sie ein Bild aus den Achtzigerjahren künstlich altern lassen. Doch das Bild zeigte den . «Peter, bitte melde dich»: Die Polizei warf in der Region Biel . Das Schreiben stammte von einem Verwandten Kneubühls, mit dem der Rentner den Kontakt noch nicht abgebrochen hatte. Kneubühl fand auch : Am Montag, 13. September demonstrierten rund 20 Personen für den Flüchtigen und forderten einen «Notausgang» für den Rentner. Während Kneubühls Flucht bewachten Polizisten das Bieler Lindenquartier ununterbrochen. Die Schule blieb geschlossen. Denn laut Gerüchten von Anwohnern soll er in der Nacht auf Sonntag, 12. September zum zweiten Mal bei seinem Haus aufgetaucht sein. Vermutungen wurden auch laut, Kneubühl habe gebaut. Mit Spezialgeräten suchte die Polizei darum nach Hohlräumen. Erst am wurde Kneubühl gefasst - dank Diensthund Faro. Der Vierbeiner steht im Sold der Kapo Basel-Land. . Als der Hund Peter K. stellte, liess er sich widerstandslos festnehmen. Er wurde durch den Hundebiss leicht verletzt, war aber ansonsten in guter gesundheitlicher Verfassung. Die Stelle befindet sich am Waldrand, nur 15 Minuten von der Taubenlochschlucht entfernt am Rand der Stadt Biel. Noch am Vortag war die Polizei einem Hinweis aus Pieterlen BE nachgegangen. Mit Hunden jagten sie über ein Feld in Richtung Schrebergärten. Ausgangspunkt war offenbar das Altersheim in Pieterlen, wo laut Anwohnern eine Tante Kneubühls lebe. Am Nachmittag des 16. September, kurz vor drei Uhr, waren dort Kastenwagen vorgefahren. Der berühmteste Rentner von Biel sass im Regionalgefängnis in Untersuchungshaft.

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Der Rentner, der sich vor über zwei Jahren mit Waffengewalt gegen die Räumung seines Hauses in Biel wehrte und einen Polizisten schwer verletzte, will sich bei seinem Opfer nicht entschuldigen. «Er hat mich angegriffen», sagte Kneubühl in einem Fernsehinterview mit dem Sender TeleBärn am Donnerstagabend.

Der Sender strahlt das Interview in drei Teilen aus. Wie schon am Mittwochabend antwortete Kneubühl klar und präsent auf die Fragen der Journalistin. Er sieht sich aber durchs Band weg im Recht. Am Tattag sei «nichts Spezielles» in ihm vorgegangen. «Verstehen sie, ich wusste ja, dass dieser Tag kommt und war vorbereitet», sagte Kneubühl.

Auf die Frage, ob er denn keinen anderen Ausweg gesehen habe, als sich mit Waffengewalt zur Wehr zu setzen, antwortete er: «Es gab keine andere Möglichkeit.» Er habe alles ausgeschöpft, jahrelang mit Behörden und Gerichten gekämpft.

«Ein gutes Gefühl»

Selbst ein paar Tage vor dem Räumungstermin habe er beim Regierungsstatthalter und beim Obergericht Eingaben gemacht und geschrieben, es gehe um Leben und Tod. Doch nichts sei geschehen. Er habe also gewusst, dass die Polizei kommen und ihm alles wegnehmen würde. Kneubühl sprach von einem Polizeiüberfall: «Sie kamen, um einen gefährlichen Psychopathen abzuholen.»

Ob er denn so etwas wie Stolz empfinde, dass über tausend Polizisten ihn tagelang nicht zu fassen bekamen, wollte die Reporterin wissen. Nein, Stolz sei das nicht, erklärte Kneubühl. Ein bisschen ein gutes Gefühl habe er aber schon gehabt. «Ich war damals 67 und wusste nicht, was ich mir noch zutrauen konnte.»

Wie und wo genau er die neun Tage auf der Flucht verbrachte, wollte Kneubühl aber nicht sagen. Er betonte lediglich, dass er keine Hilfe gehabt habe.

Flucht bleibt im Dunkeln

Im Herbst 2010 hatte sich Kneubühl im Zuge einer Erbstreitigkeit mit Waffengewalt gegen die Zwangsräumung seiner Liegenschaft gewehrt. Er verschanzte sich in seinem Haus. Als die Polizei anrückte, schoss Kneubühl einem Polizisten in den Kopf und verletzte ihn schwer.

Dem Rentner gelang die Flucht. Tagelang lieferte er sich ein Katz- und Mausspiel mit einem riesigen Polizeiaufgebot. Nach neun Tagen konnte ihn die Polizei oberhalb von Biel verhaften. Wie von ihm beschrieben, lag Kneubühl schon vor der Tat jahrelang im Streit mit verschiedenen Behörden. Er hatte Behördenvertreter immer wieder mit seitenlangen Schreiben eingedeckt und galt als querulatorisch.

Anfang Januar wird sich das Regionalgericht Biel mit seinem Fall befassen. Das Gericht wird zu beurteilen haben, ob Kneubühl schuldunfähig ist und in eine Anstalt eingewiesen wird.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Loris am 14.12.2012 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kompliment!

    Gratuliere Herrn Kneubühl, einer der sich nicht alles bieten lässt!

  • H. Krustowsky am 14.12.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Warum schenken die Medien diesem Mann so übermässig viel Aufmerksamkeit und warum bieten sie ihm eine Plattform für seine paranoiden Wahnvorstellungen? Wo bleibt das Interview mit dem Polizisten, der schwer verletzt wurde? Es wäre auch mal interessant seine Version der Vorkommnisse zu hören!

  • Weg Gsperren am 14.12.2012 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nein...

    Der Mann gehört nicht für immer weggesperrt. Er gehört bestraft für seine Tat. Wenn er rauskommt ist er 90. Die Tat ist unentschuldbar aber die Logik nachvollziebar. Die Geschichte ist aus einer Erbstreitigkeit entstanden. Wie fair die Verlaufen ist weiss niemand. Ich frage mich nur ob die Beteiligten was gelernt haben oder ob der Mann bewusst in die Ecke gedrängt wurde und das Justizsystem als blinde Maschine einfach losrollte. Der Konflikt war angekündigt und hätte VOR dem Polizeieinsatz der ein absolutes Fiasco war, gelöst werden können, ohne angeschossenen Polizisten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cheerio am 14.12.2012 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Warnung an Behörden und Politiker

    Ich kann nur an die Behörden und Politiker appellieren, keine Zwangsenteignungen von Wohneigentum durchzuführen, schon gar nicht, wenn es ein Haus aus dem Familienbesitz ist!

  • Geht mich ja nichts an, aber.. am 14.12.2012 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ist Recht immer gerecht?

    Das Problem heute ist, dass die verschiedenen Behörden nicht mit gleichem Mass messen. Klar, Menschen machen Fehler. Doch wir lernen aus diesen und es gibt Mitmenschen, die uns auf unsere Fehler aufmerksam machen. Wenn man es mit Behörden zu tun hat, ist es eine Art Lotterie. Es kommt immer darauf an mit welchem "Typen" man es zutun hat.

  • Lecavalier am 14.12.2012 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht aus Täter ein Opfer konstruieren

    Dass es sich beim Täter um eine Person handelt, welche seit Jahren mit Behörden, Nachbarn, Familie etc. im Streit lebte und sich immer tiefer in sein Querulantentum und sein von ihm selber definiertes "Recht" hineinsteigerte, ist für einige "verständnisvolle" Schreiber offenbar kein Faktor. Kommt mir vor wie der Geisterfahrer, welcher stur die Meinung vertritt, er liege richtig, aber alle entgegenkommenden Lenker eben falsch. Einfach so grundlos ist man nicht gegen den "armen Mann" vorgegangen. Aber was interessieren schon die Fakten, wenn man seinem eigenen Früstchen Luft verschaffen kann.

  • STSS am 14.12.2012 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Unverständis

    Wenn ich hier manche Beiträge lese, verstehe ich die Welt nicht mehr. Da bereitet sich ein Mann, nach eigenen Angaben, mit Waffen auf die polizeiliche Räumung seines Hauses vor!?!? Dann wird ein Polizist, der seine Arbeit macht, so einfach mal mir nichts dir nichts über den HAUFEN geschossen! Und scheinbar gibt es Menschen die das noch gut finden?! Mehr noch, Herr Kneubühler soll ein Held sein!! Da spielt es ja auch keine Rolle das dieser Polizist auch ein Mensch mit einem Leben war. Ich hoffe inständig, dass sich dieser Polizist vollständig von seiner Verletzung erholt und gesund wird.

  • Ju am 14.12.2012 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behörden nehmen ...

    .... Keinem das Haus so einfach mal zum Spass weg!!! Der Mann hätte lieber Schulden abbezahlt anstatt Briefe ab die Behörden zu schreiben. Und keine Reue zu zeigen einem Menschen, der "nur" seinen Job macht, in den Kopf geschossen zu haben ist erbärmlich und krank. Der Typ gehört verwahrt und dem Polizisten wünsche ich alles Gute, hoffe, er hat die Attacke dieses Psychopathen ohne Schaden überlebt.

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