Spitzkegeliger Kahlkopf

25. September 2016 19:32; Akt: 25.09.2016 19:32 Print

«Jetzt gehen wir wieder auf Zauberpilz-Suche»

Im Berner Jura suchen momentan viele wieder bewusst nach Drogenpilzen. Der Konsum birgt aber Risiken – und es gibt noch ein anderes Problem.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Herbst hat begonnen und mit ihm die Pilzsaison. Sammler im ganzen Land werden in den nächsten Wochen ihre Körbe füllen. Unter ihnen ist auch A. I.* Die 32-Jährige geht regelmässig im Berner Jura auf Pilzsuche, jedoch halten ihre Augen nur nach ganz bestimmten Pilzen Ausschau: dem Spitzkegeligen Kahlkopf. Dieser Pilz zählt zu den potentesten halluzinogenen Arten – und spriesst jetzt wieder in vielen Feldern, wie I. sagt: «Jetzt ist der Zeitpunk ideal um wieder auf Zauberpilz-Suche zu gehen.»

Umfrage
Haben Sie schon Erfahrungen mit Drogenpilzen gemacht?
28 %
26 %
4 %
35 %
7 %
Insgesamt 3191 Teilnehmer

«Wenn ich die Pilze esse fühle ich mich leicht und lustig. Manchmal habe ich sogar Halluzinationen», so I. Sie gehe oft mit Freunden zusammen: «Wir essen die Pilze meist gleich an Ort und Stelle und flashen es dann in der Natur.» Wenn sie alleine gehe, nehme sie die Zauberpilze mit nach Hause und trockne sie dort. Den genauen Fundort will die Seeländerin nicht verraten, nur so viel: Rund um Tramelan würden oft Hippies durch die Felder streifen.

Unbeliebt bei Kontrollstellen

Der Psilocybe semilanceata, so der Fachausdruck, ist nicht nur den Blumenkindern ein Begriff, auch Pilzkontrolleuren ist er bestens bekannt – und ein Dorn im Auge, wie Jean-Claude Michel sagt: «Wenn jemand mit den Pilzen zu mir kommt, halte ich sie zurück und vernichte sie.» Er arbeitet seit 30 Jahren als Pilzkontrolleur und war Präsident der Vereinigung Amtlicher Pilzkontrolleure der Schweiz. Schliesslich seien das Giftpilze. Michel findet, dass Pilzkontrollstellen den Konsum dieser Pilze nicht noch unterstützen sollten.

Drei-Tage-Rausch und Flashbacks

Auch die Gift-Informationsstelle Toxinfo Suisse rät vom Verzehr der Zauberpilze ab. Oberärztin Cornelia Reichert warnt, dass die Substanz Psilocybin nicht nur euphorisch wirkt und Halluzinationen auslöst: «Konsumenten können stattdessen auch Angstzustände bekommen – sogenannte Horrortrips.» Ausserdem könnten die Rauschzustände sehr lange dauern: «Einige Konsumenten berichteten, dass sie die Wirkung drei Tage lang spürten.» Andere hätten über Flashbacks geklagt: «Auch mehrere Monate später können die Konsumenten Halluzinationen plötzlich wiedererleben ohne erneut Drogen eingenommen zu haben.»

Weiter gibt Reichert zu bedenken, dass es um ein Naturprodukt handle, niemand könne die Pilze genau dosieren. Die Menge Psylocybin pro Pilz sei variabel: «Es ist möglich, dass in einem Pilz viel Psilocybin steckt, im nächsten deutlich weniger.»

Auch Gesetzlich ist dem Konsum Einhalt geboten. Gemäss der Kantonspolizei Bern fällt der Spitzkegeliger Kahlkopf unter das Betäubungsmittelgesetz. Wer ihn sammelt, macht sich strafbar.

Neuer Rauschpilz in der Schweiz

Der Spitzkegeliger Kahlkopf ist in vielen Gebieten der Schweiz anzutreffen. Er ist jedoch nicht mehr der einzige Zauberpilz, der hierzulande wächst. Wie die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL vor wenigen Tagen bekannt gab, trifft man in freier Wildbahn immer öfter auf den Blauender Kahlkopf. «Es ist etwa möglich, dass jemand Reste dieses Drogenpilzes in der Natur entsorgt hat und er darum nun hierzulande Fuss fassen konnte», sagt Ludwig Beenken vom WSL.

* Name geändert

(cho)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gopf am 25.09.2016 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Experte

    Wenn ich Pilze suche und sie dann von einem Experten kontrollieren lasse, möchte ich genau wissen was für Pilze ich gefunden habe. Der Experte sollte mich nicht bevormunden, schliesslich wird er von mir bezahlt!

    einklappen einklappen
  • Aufklärer am 25.09.2016 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Fliegenpilz

    Psilocybin hat eine Wirkdauer von 4-6h und gehört u.a. mit LSD zu den am wenigsten schädlichen Substanzen, weit vor Alkohol! Bitte richtig informieren bzw. aufklären, dient viel mehr der Schadensminderung, Danke.

    einklappen einklappen
  • naturmensch am 25.09.2016 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliches Halbwissen

    Ihr seid ja ganz schlau. Ich könnte nachfolgend noch 10 weitere, natürlich vorkommende, psychoaktive Pflanzen/Pilze aufzählen. Jedoch tue ich das nicht. Weil ich genau weiss, dass es eine gewisse sorte Jugendliche gibt, welche dies als direkte Anleitung verstehen würden.. So wie diesen Artikel.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • ihrengstirnigen am 26.09.2016 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sammelt

    anstatt zu jammern und zu weinen, hier eure Wut kund zu tun, über eine angebliche Anleitung zu Konsum von Drogen, schnappt euch ein Korb und geht in den Jura. Es würde auch helfen Dinge anders zu betrachten. Ein Ausbruch aus dem engstirnigen Daseins, tut so manchem gut.

  • ooppaa am 26.09.2016 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    ich opa und andere opas....

    wir hatten früher immer schottische hochland pilos, die sind um einiges cooler und besser als unsere depro-psilos, ob wohl wir diese auch kiloweise, rein schoben, war neben chnübi,lsd, hero und koks, ne schöne herbstliche abwechslung.....

  • ich wars am 26.09.2016 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    falscher ansatz...

    "Unbeliebt bei Kontrollstellen Der Psilocybe semilanceata, so der Fachausdruck, ist nicht nur den Blumenkindern ein Begriff, auch Pilzkontrolleuren ist er bestens bekannt und ein Dorn im Auge, wie Jean-Claude Michel sagt: «Wenn jemand mit den Pilzen zu mir kommt, halte ich sie zurück und vernichte sie.» Er arbeitet seit 30 Jahren als Pilzkontrolleur und war Präsident der Vereinigung Amtlicher Pilzkontrolleure der Schweiz. Schliesslich seien das Giftpilze. Michel findet, dass Pilzkontrollstellen den Konsum dieser Pilze nicht noch unterstützen sollten." Sie mehmens trotzdem - also......

  • nancyboy am 26.09.2016 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    fliegen auf pilz

    wir haben früher fliegenpilze getrocknet, vermahlen und geschnupft. war immer ne riesen gaudi, v.a. wenn ein fremder auch ne line wollte und dachte es sei h oder c.

  • Maria Luzern am 26.09.2016 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    und der Konsument straffällig gemacht

    Alkohol und Tabak....wie viel Alkoholleichen gibt es täglich, Krebsraten Dank Tabak? Da der Staat an beidem verdient, das Gesundheitswesen redet von Kosten, aber auch daran verdient, die Lobby im Staate sitzt, ist es legal, denn sonst geht dem Fiskus gutes Geld zum Verschwenden, selbstbedienen verloren!! Huluzinogene gehören zur Kultur des Menschen! Sogar ein fester Bestandteil des Menschen DMT der Zirbeldrüse. Aber klar, selbst das wird systematisch bekämpft!! Ziel ist, den Menschen in der Wahnehmung zu minimieren, diese Stoffe zu verteufeln. Verdient Niemand damit müssen sie verboten werden,