Zieglerspital

31. August 2015 17:07; Akt: 31.08.2015 17:34 Print

«Können uns Leerstehen des Spitals nicht leisten»

Das Berner Zieglerspital wird geräumt. Politiker machen nun Druck, rasch eine Asylunterkunft in den Gebäuden einzurichten.

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Die Zeiten, in denen Patienten den Bettentrakt des Zieglerspitals in Bern bevölkerten, sind vorbei: Der medizinische Betrieb wurde am Freitag eingestellt, die Räumungsarbeiten haben am Montag, dem 31. August 2015, begonnen. (Bild: nel)

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Anfang 2016 sollen zwei der acht Gebäude auf dem Areal für eine Zwischennutzung zur Verfügung stehen. Das ist manchen Politikern zu langsam: Sie wollen es so rasch wie möglich für Asylsuchende nutzen.

Der Boden, auf dem das Spital steht, gehört schon heute der Stadt Bern. Die Gebäude werden ebenfalls in ihren Besitz übergehen, Gespräche laufen. Noch ist die Zwischennutzung nicht klar definiert: Auf dem Areal befinden sich insgesamt acht Gebäude. Bis Ende Jahr geleert werden der Betten- und Behandlungstrakt sowie das Renferhaus. Die übrigen sechs Gebäude sollen schrittweise geräumt werden oder stehen nach Ablauf fixer Mietverträge zur Verfügung.

«Die Stadt entscheidet, welches Mobiliar sie für die Zwischennutzung übernehmen möchte, den Rest räumen wir. Die medizinischen Geräte wiederum werden entweder auf die anderen Spitäler des Spital Netz verteilt oder gehen zurück an den Hersteller», sagt Alfred Hirschi vom Stab der Spital Netz Bern AG

Unterbringung von Asylsuchenden

Für die GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim aber ist eine Nutzung ab 2016 zu spät: «Aufgrund der heutigen Situation ist es nicht nachvollziehbar, dass so lange gewartet werden soll.» Dies insbesondere, da der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser grossen Druck auf die Gemeinden ausübe und diese zur Aufnahme von Asylsuchenden verpflichte.

Nach Einschätzungen der Grossrätin könnte das Zieglerspital ab dem 1. November vorerst als provisorisches Asylzentrum genutzt werden. «Es braucht jetzt pragmatisches, unkompliziertes und flexibles Handeln, damit wir Platz für die Asylsuchenden schaffen und die unterirdischen Anlagen schliessen können», so die Grossrätin.

Auch der Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) ist die rasche Nutzung des Zieglerspitals als Unterkunft für Asylsuchende ein grosses Anliegen. «Wir können uns ein Leerstehen des Zieglerspitals in der jetzigen Notlage nicht leisten», so Teuscher, Direktorin für Soziales der Stadt Bern – insbesondere, da es dem Kanton an Unterbringungen mangle. «Mir ist klar, dass wir dadurch das Asylproblem nicht lösen. Es ist aber wichtig, dass die Stadt Bern ein positives Zeichen setzen kann.» Daher hat die Gemeinderätin auch ein Gespräch der betroffenen Parteien initiiert, das in der nächsten Zeit stattfinden soll, um rasch zu einer Lösung zu finden.

Asylunterkunft, Altersheim oder Studentenwohnungen

Es sei normal, dass in der Politik Stimmen laut würden, denen alles viel zu langsam gehe, sagt dazu Finanzdirektor Alexandre Schmidt. «Es wäre aber völlig falsch, in einer Hauruck-Übung möglichst rasch das Zieglerspital für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen und damit unter Umständen die eigentliche Zwischennutzung, welche über mehrere Jahre dauern dürfte, zu gefährden.» Auch betont der Gemeinderat (FDP), dass die Schlüsselgewalt für das Spital bei der Spital Netz Bern AG liege und die Stadt daher nicht in Eigenregie über Gebäudenutzungen entscheiden könne – es sei denn, sie wäre auf vertraglicher Ebene dazu ermächtigt.

Laut Schmidt stehen neben einer Asylunterkunft auch andere Nutzungsmöglichkeiten im Raum: So könnten etwa ein Altersheim oder Studentenwohnungen im ehemaligen Zieglerspital untergebracht werden.


(nel/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pat Bay am 31.08.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ..... 

    Immer mehr Einwohner und immer weniger Spitäler in paar Jahren bauen wir für hunderte Millionen Franken neue Einrichtungen. Eine Nutzung als Pflegeheim kombiniert mit Spital und Kita würde ich einem Asyl Zentrum jederzeit vorziehen.

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  • E. Lektriker am 31.08.2015 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie die Zeit vergeht..... 

    Als ich 1975 meine Lehre als Elektromonteur begann war ich noch ein paar Monate im Zieglerspital wo mein Lehrbetrieb den 2. Stock installierte. Jetzt bin ich 56 und das Spital ist Geschichte! Eigentlich wahnsinnig wenn man bedenkt was so ein Spital kostet. Oder doch ein Beitrag zur Senkung der Gesundheitskosten?

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  • Hugo Studet am 31.08.2015 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallenbad auf dem Zieglerareal

    Das Areal wäre ideal für das geplante Hallenbad. Guter ÖV und für viele rasch erreichbar.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Steruerzahler am 01.09.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Diejenigen, die nichts oder wenig

    bezahlen, haben immer die besen Ideen.

  • J-P am 01.09.2015 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Vorschläge

    Alterheim Studentenwohnanlage Generationenhaus, das fine ich vernünftige Vorschläge. Genau das braucht es.

  • Peter Vogel am 31.08.2015 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich was verpasst

    Aus welchem Grund wurde das Spital überhaupt geschlossen? liesst man nicht ständig von überarbeiteten Ärzten? Gibt es Ersatz?

  • Studiosus am 31.08.2015 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohnraum satt

    Und warum nicht günstige Wohnungen machen? So für Fr. 700.- eine Vierzimmerwohnung wäre sicher möglich. Aber nein, die Politiker wollen die mit ihnen verbandelte Betonmafia nicht konkurrenzieren.

  • Daniel Siegmann am 31.08.2015 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mut zur Utopie

    Für Alterswohnheime und Spitäler wird die Personalknappheit im Gesundheitswesen in Zukunft noch prekärer werden. Da braucht es grundsätzlich neue Modelle. Eines wäre das Generationenhaus. Dabei würden junge Menschen, Studenten, Asylsuchende, alte Menschen in sozialen Gemeinschaften zusammen wohnen. In solche Gemeinschaften integriert wären auch Kitas, stationäre und ambulante Pflegestellen, sowie Gemeinschaftsräume und Informationszentren. Würde allerdings mit selbstsüchtigen und egoistischen Menschen nicht funktionieren.

    • lolo am 02.09.2015 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      keine familie oder was

      ich fühle mich wohl in der sippe meiner familie.danke für denn denkanstoss und einen schönen tag noch.

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