Vor Bar verprügelt

13. Februar 2018 18:01; Akt: 13.02.2018 18:39 Print

«Sie kickten mich gezielt ins Gesicht»

Familienvater O.V. (36) wurde am Samstagabend vor der Berner Cuba-Bar brutal zusammengeschlagen. Mehrere Typen hätten auf ihn eingetreten, als er am Boden lag.

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Es habe als lustiger Abend begonnen. «Ich war bei einer Kollegin zuhause. Mit einem weiteren Freund hatten wir gegessen und etwas Rum getrunken», erzählt O.V.* (36).

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Der aus Panama eingewanderte Wahl-Berner ist mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in den Skiferien gewesen und hatte seine Freunde einige Zeit nicht mehr gesehen, weshalb er mit ihnen einen gemütlichen Abend verbringen wollte. Die Freunde wollten anschliessend in die Cuba-Bar gehen. «Ich mag die nicht besonders, aber liess mich dann überreden. Wir haben getantzt und hatten viel Spass.» Dann ging er kurz nach draussen um frische Luft zu schnappen, sagt V.

«Wottsch Problem?»

«Ich hatte meine Jacke drinnen gelassen, doch die Security wollten mich nicht mehr reinlassen. Vielleicht weil ich etwas betrunken war, das gebe ich zu», erzählt er weiter.

Er hielt sich noch ein Weilchen auf dem Kornhausplatz auf und ging noch kurz Geld abheben, bevor er zum Club zurückkehrte. Dabei bemerkte er eine kleine Gruppe von drei oder vier jungen Männern, schenkte ihnen jedoch keine Beachtung.

«Dann pöbelten sie mich plötzlich an – grundlos», schildert der 36-Jährige. Er sei ausgewichen, habe sich zu einem nahen Brunnen begeben. Doch die agressiven Jungs liessen ihn nicht in Ruhe. «Sie fragten: Wottsch Problem?» Einer habe ihn an der Schulter gerissen, dann flogen die Fäuste. «Ich fiel zu Boden, doch sie hörten nicht auf. Sie traten mich gezielt ins Gesicht, voll gegen den Kopf.» Er habe sich zusammengerollt, um sich zu schützen.

Knochenbrüche und Sehnerv verletzt

Das Bewusstsein habe er nie verloren. Ihn beschäftigt, dass niemand eingegriffen habe. «Erst als sie von mir abliessen, kam einer und half mir aufzustehen.» Er habe sich das Blut aus dem Gesicht gewischt und sich gerade noch nach Hause schleppen können. Zuhause im Breitsch brachte ihn seine schockierte Frau sofort ins Spital.

Die Folgen der Prügelattacke: gebrochene Gesichtsknochen, Prellungen und Schürfungen. Zudem sieht V. seither doppelt. «Etwas mit dem Sehnerv stimmt nicht und ich werde noch operiert. Die Ärzte müssen aber warten, bis mein Gesicht abgeschwollen ist.»

Club stellt Videomaterial zur Verfügung

Die Polizei hat Kenntnis vom Vorfall und sucht Zeugen. Auch Samuel Güven, Inhaber der Cuba-Bar, wurde von der Polizei informiert, sagt er zu 20 Minuten. «Bis am Dienstag wusste ich aber von nichts. Gut möglich, dass meine Sicherheitsleute den Vorfall gar nicht bemerkt haben, denn sie stehen im Winter im Innern des Clubs.»

Die Security sei nur bis zur Türschwelle verantwortlich, doch seine Männer «wären unter Umständen schon zu Hilfe geeilt, wenn sie gesehen hätten, dass einer allein von mehreren angegriffen wird.» Güven will der Polizei nun das Videomaterial von jenem Abend zur Verfügung stellen. «Wir wissen nicht, ob die Täter überhaupt bei uns waren. Wenn ja, wird sie das Opfer aber vielleicht wiedererkennen.»

Mehrere solche Vorfälle

Die Polizei hat zudem Kenntnis von einer weiteren Tätlichkeit mit drei involvierten Unbekannten in den Innenstadt in derselben Nacht. «Wir klären nun ab, ob allenfalls ein Zusammenhang besteht», sagt Polizei-Sprecher Dominik Jäggi.

In jüngster Zeit ereigneten sich noch zwei weitere Fälle von Gewaltexzessen im Ausgang in Bern. In der Silvesternacht wurde ein 33-Jähriger auf dem Heimweg von mehreren Männern vom Velo gerissen und verprügelt. Und am 20. Dezember griff eine Gruppe von 10 bis 20 Männern in der Aarbergergasse einen einzelnen Mann an und trat auf ihn ein, als er bereits am Boden lag.

(ct)