Überfall in Bern

05. Januar 2018 05:53; Akt: 05.01.2018 05:53 Print

«Sie rissen mich vom Velo und schlugen drauflos»

Ein Fall von Happy Slapping? In der Silvesternacht wurde ein Berner (33) von mehreren Männern aus dem Hinterhalt angegriffen und verprügelt.

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Die Polizei fahndet nach mehreren jungen Männern, die am Silvesterabend um etwa 21.30 Uhr in Bern einen Mann spitalreif geprügelt haben. Dafür hat sie nun einen Aufruf an alle Medien versandt, um an Zeugenaussagen zu kommen.

Denn der Fall scheint so hinterhältig, brutal wie sinnlos zu sein: Am letzten Abend des Jahres begab sich der 33-jährige Berner Nico* auf eine kleine Velotour durch die Innenstadt. Im Innenhof des Kulturzentrums Progr setzte er sich zu einer Gruppe an ein Feuer – «um mich etwas aufzuwärmen und vielleicht noch in ein gutes Gespräch verwickelt zu werden», wie Nico gegenüber 20 Minuten erzählt.

Doch dazu kam es nicht – ganz im Gegenteil: «Die Typen beschimpften mich schon nach kurzer Zeit aufs Übelste; sie wurden immer aggressiver.» Ohne sich aber davon provozieren zu lassen, stand Nico auf, wünschte der Gruppe einen schönen Abend und machte sich zum Gehen bereit. Da spürte er «ä erstä Mupf, de ä Chlapf is Gsicht». «Doch sie erwischten mich noch nicht richtig», sagt Nico.

Täter tauchten aus dem Hinterhalt auf

Er habe sich dann sehr schnell aus dem Staub gemacht, erleichtert, dass ihm keiner mehr folgte. Als er etwas verdattert schon einige Meter zwischen sich und die aggressiven Jungs gebracht hatte, bemerkte er, dass er sein Velo beim Eingang des Innenhofs zurückgelassen hatte. «So bin ich leise zurückgegangen und habe mein Fahrrad geholt.» Die Truppe habe er nämlich nicht mehr gesehen.

Doch dann tauchten diese plötzlich aus dem Hinterhalt auf: «Als ich nur wenige Meter gefahren war, riss mich plötzlich jemand von hinten vom Velo», schildert der Berner. Dann habe er nur noch gespürt, wie Fäuste und Schläge auf ihn niedergeprasselt seien. «Ich schrie lauthals um Hilfe, doch es waren noch nicht viele Leute unterwegs.»

Wie die Polizei nun mitteilt, kamen dem Opfer Fussgänger zuhilfe: «Als sich mehrere Passanten dem Geschehen näherten, liessen die Täter vom Mann ab und flüchteten zu Fuss zurück in Richtung Turnhalle», steht so im Zeugenaufruf. Während sich die Polizei erfolglos auf die Suche nach den Tätern machte, begab sich der Zusammengeschlagene in die Notfallaufnahme des Spitals.

Knochen gebrochen, Gesicht noch immer taub

Nach einer ersten Untersuchung wurde klar: «Eine Operation war unvermeidlich.» Mehrere Gesichtsknochen waren gebrochen, der Kiefer wurde durch die Tritte verschoben. «Auch nach dem dreitägigen Spitalaufenthalt ist ein Teil meines Gesichts noch immer taub», sagt Nico. Er hoffe sehr, dass die Lippen und Backen bald wieder aufwache. Nico: «Und vor allem hoffe ich sehr, dass die Täter geschnappt werden. Sie müssen für das, was sie da angerichtet haben, Verantwortung übernehmen.»


*Name geändert

Personen, die Angaben zur Täterschaft
oder zum Hergang der Ereignisse machen können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer +41 31 634 41 11 zu melden.

(miw)