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09. Mai 2018 18:17; Akt: 09.05.2018 18:17 Print

SVP-Frau wettert gegen verstorbenen Tschäppät

Die Berner SVP-Frau Bea Habegger nervt sich ob der Heroisierung des verstorbenen Ex-Stapi Alexander Tschäppät. Parteipräsident Thomas Fuchs rät zu Pragmatismus und Pietät.

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Am Freitag verstarb der ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät nach kurzer, schwerer Krankheit. In vielen Medien erschienen Nachrufe auf den Politiker. Dabei wurden überwiegend positive Dinge aus Tschäppäts Leben thematisiert.

Dies mag der Berner SVP-Frau Bea Habegger gar nicht gefallen, wie sie auf Twitter unmissverständlich kundtut: «Och das mediale Sozigejammer!», kommentiert sie beispielsweise einen NZZ-Artikel.

Mietwohnungsaffäre gab den Ausschlag

Darauf angesprochen erklärt Habegger, was für sie den Ausschlag zu diesen Tweets gab: «Man sollte Alt-Stadtpräsident Tschäppät nicht ‹vergöttern›. Er war vielleicht für die einen Stadtvater oder gar Held, es gibt aber durchaus auch die Kehrseite der Medaille. Während der Mietwohnungsaffäre 2014 hat er sich beispielsweise überhaupt nicht an die parteilich hochgehaltenen sozialen Spielregeln gehalten.

Denn während ein Sohn des Stadtpräsidenten in einer verbilligten Wohnung logiert habe, seien andernorts Betagte, Behinderte oder Sozialfälle auf die Strasse gesetzt worden oder hätten immens höhere Mietkosten selbst tragen müssen. Die Tweets seien im Zusammenhang mit diesen Vorkommnissen zu verstehen.

Die Reaktionen blieben nicht aus: «Erbärmlich, den Tod eines Menschen für die eigene politische Propaganda zu missbrauchen. Schämen Sie sich.» Dass sich Habegger schämen solle, wird noch von anderen Usern gefordert, doch: «Ich finde, jeder darf seine Meinung vertreten, solange er auch selbst dafür hinsteht», verteidigt sich Habegger.

«Sie haben nicht dasselbe Wissen»

Dass solche Posts Unbill auslösen können, damit hat die SVPlerin gerechnet, jedoch seien die meisten der Kommentierer nicht aus der Stadt Bern. «Sie stammen unter anderem aus dem Emmental oder Zürich. So hat man vielleicht auch nicht dieselbe Sichtweise auf die Stadt Bern wie effektiv Betroffene und deren Vertreter.»

Der neue Präsident der SVP Stadt Bern, Thomas Fuchs, würde im Normalfall keine solchen Aussagen wie Habegger machen, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. «Aus Pietätsgründen würde ich mich damit zurückhalten, aber verboten ist es nicht.» Ein Nachruf sei in seinen Augen schliesslich eine positive Würdigung des Verstorbenen. Ausserdem weist Fuchs darauf hin, dass man den Ex-Stapi auch vor seinem Tod mit diesen Vorwürfen hätte konfrontieren können.

(ber)