Drama vom Bielersee

09. Januar 2013 16:14; Akt: 10.01.2013 18:23 Print

«Wir sind nicht schuldig, wir sind die Opfer»

von T.Hirsekorn/S.Nopper - Gegen den Bootsführer, der auf dem Bielersee eine Frau überfahren haben soll, wurde Anklage erhoben. Nun melden sich Angehörige des Opfers und des mutmasslichen Täters zu Wort.

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S.F.*, der Freund von Angela A.*, die im Bielersee von einem Motorboot tödlich verletzt wurde, ist zur Zeit unauffindbar. Nicht einmal sein Vater, E.F.*, erreichte seinen Sohn am Mittwochmittag telefonisch. 20 Minuten Online konnte mit E.F. sprechen, nachdem bekanntgegeben worden war, dass gegen den 77-jährigen U.T.*, der das Motorboot gesteuert haben soll, Anklage erhoben wurde. «Ich bin weder besonders ergriffen, noch enttäuscht über den Entscheid», sagt E.F. Denn alles andere als eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung wäre für ihn und seinen Sohn unhaltbar gewesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft U. T. vor, das Schlauchboot von S.F. und Angela A. in der Nähe des St. Peterinsel übersehen zu haben, Ende Juli 2010 wurde sein Boesch-Boot beschlagnahmt. U. T. beteuerte stets seine Unschuld. Dies tut er auch jetzt. «Wir sind nicht schuldig, wir sind die Opfer», sagte seine Frau zu 20 Minuten Online.

Genügend Belastungsmaterial

Angela A. und S.F. waren am 11. Juli 2010 mit ihrem Schlauchboot auf dem Bielersee unterwegs, als ein Motorboot auf sie zufuhr. Weil es trotz Rufen und Handzeichen die Richtung nicht änderte, sprang das Pärchen ins Wasser. Angela A. wurde von der Schraube des Bootes erfasst und tödlich verletzt, S.F. überlebte unverletzt.

Seit Ende Juli 2010 konzentrierten sich die Ermittlungen auf den in der Region wohnenden Unternehmer U. T., die Schiffsschraube seines Boots wurde demontiert und mehrfach untersucht. Dabei sind Beschädigungen festgestellt worden. Was für Beweise es genau gibt, will die Staatsanwaltschaft erst vor Gericht ausführen. Sie sprach am Mittwoch jedoch von genügend Belastungsmaterial, um den Tatvorwurf hinlänglich zu erhärten.

Wann es zur Gerichtsverhandlung kommt, ist noch unklar. Der Mediensprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft ist jedoch zuversichtlich, dass der Prozess noch in diesem Halbjahr eröffnet wird. Das maximale Strafmass liegt bei drei Jahren Freiheitsentzug. Für U. T. gilt die Unschuldsvermutung.

*Namen der Redaktion bekannt

(Mitarbeit: feb/fum)

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