Treffpunkt Bahnhof Bern

11. Juli 2017 18:07; Akt: 11.07.2017 18:32 Print

«Wir stören hier weder Pendler noch Gäste»

Der Berner Hauptbahnhof soll attraktiver werden. Deswegen will die SBB herumlungernde Jugendliche und Randständige vom Areal weglotsen. Diese wollen aber bleiben.

20 Minuten spricht mit Jugendlichen vor Ort.
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Herumlungernde Jugendliche und biertrinkende Randständige sind der SBB am Bahnhof Bern schon lange ein Dorn im Auge. Nun will das Unternehmen den Bahnhof aufwerten, damit die Pendler öfter dort verweilen, essen und einkaufen. Hierfür sollen die Berner Randständigen und herumhängenden Jugendlichen vom Bahnhofsperimeter weggelotst werden. Just dort, wo sich die unerwünschten Gäste neben dem Restaurant Tibits versammeln, soll in Zukunft ein Vorbau erstellt werden, wie «Der Bund» berichtet.

Dass Jugendliche und Randständige dort herumstehen, rauchen und teils auch trinken «wirkt sich negativ auf die Aufenthaltsqualität der Restaurant-Gäste aus», sagte Jürg Stöckli, Chef der SBB-Sparte Immobilien, gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Gemütlich eine Zigi rauchen

20 Minuten hat mit jungen Leuten vor Ort gesprochen Sie kämen bloss hierher, um Freunde zu treffen, sagen sie. Oft sei es nur ein Ort zum Verabreden, manchmal würde man aber auch etwas länger verweilen.

Der 25-jährige Flavio etwa hat gerade Feierabend: «ich rauche hier meine Zigi und surfe etwas im Internet», so der Verkäufer. Täglich verbringe er etwa 30 Minuten am umstrittenen Treffpunkt.

Und der Stadtberner Tobias (23) sagt: «Wieso wollen die uns hier weghaben? Wir stören doch niemanden. Wir stehen niemandem im Weg und belästigen mit unserer Anwesenheit weder die Gäste des Tibits noch die Pendler.» Anders sieht dies der 19-jährige Polymechaniker Raphael. Er sei zwar selber rund eine Stunde pro Woche hier, «doch ich kann die SBB verstehen.» An Abenden und vor allem auch übers Wochenenden arte es immer wieder aus.

«Weglotsen wird schwierig»

Auch Orlando «Füürtüfu» Grossen verbringt einen Teil seiner Freizeit am Bahnhof Bern und sagt: «Hier habe ich schon wirklich wüste Szenen erlebt.» Schlägereien – oft bedingt durch reichlichen Alkoholgenuss – gebe es leider immer wieder. Weglotsen liessen sich die Leute wohl kaum: «Wir sind es gewohnt, uns hier zu treffen», sagen sie. Wieso gerade dieser Ort ein Magnet für viele Berner ist, weiss zwar niemand so recht. «Doch wo sonst sollen wir uns in der Stadt verabreden?», fragt Tobias.

Laut Stöckli will man den unerwünschten Jugendlichen und Randständigen aber eine Alternative bieten. Man müsse nun herausfinden, welche Orte für sie besser geeignet seien.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Pendler am 11.07.2017 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht im Weg stehen?

    Das erlebe ich jedes mal ganz anders. Alle sind im Weg und der beissende Rauch nervt auch. Geht wieder Pokémon suchen...

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  • TigerDragon am 11.07.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treffpunkt

    Teilweise kein durchkommen,durche die Leute beim Bahnhofsplatz.

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  • Berner am 11.07.2017 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann halt so

    Grüni hat's gesagt. Wenn die Polizei im Auftrag der Politik nicht einschreitet, dann soll der Eigentümer aufräumen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eduard J. Belser am 16.07.2017 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Rauchverbot und Raucherzonen

    Zur Entspannung der Lage würde auch eine generelles Rauchverbot auf den Bahnhöfen mit genau festgelegten und begrenzten Raucherzonen beitragen, dort wo NichtraucherInnen sicher nicht angequalmt werden können. Die Anqualmerei ist einfach nicht hinnehmbar, vor allem auch, weil die meisten RaucherInnen meinen, sie hätten das Recht, ihre abgerauchten Kippen einfach überall auf den Boden zu schmeissen. Zudem stehen sie beim Anzünden ihres Stinkzeugs den eiligen öV-BenuterInnen im Weg.

  • Veronica am 13.07.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Bremsschwellen

    Die bremsen da halt den Pendlerstrom aus. Muss man sich noch fast entschuldigen wenn man durch will oder nem Hund auf den Fuss tritt. Gibt schlimmeres aber das nervt einfach nur. Drum gehe ich da nur durch wenns unbedingt sein muss.

  • Su.J am 13.07.2017 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Und wo ist der Journalismus?

    Ihr befragt 3 Jugendliche und dies soll dann einen ausreichenden Überblick über die Situation am Bahnhof sein? Indem ihr die "Randständigen" (wie kann man nur so ein widerliches Wort verwenden!) nicht befragt, bestätigt ihr, absichtlich oder nicht, das Gefühl der Angst und Ignoranz der Gesellschaft gegenüber diesen Menschen, die dauernd weggescheucht werden. Unparteiischer Journalismus ist das nicht!

  • Super Mario am 12.07.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Besser mal die Ampel abschaffen

    Die ewige Warterei an der Ampel stört mich mehr als die Jugendlichen vor dem Bahnhofeingang. Natürlich kann man als Fussgänger auch unten durch, aber trotzdem finde ich diese Ampel überflüssig. Zwischen Schweizerhof und Burgerspital sollte ein "freies queren" eingerichtet werden, dann würde die Autoraserei und das pubertäre Motoren-Machtgehabe auch endlich aufhören.

    • Barbara S. am 12.07.2017 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Situation vor Augen ...

      Die vielen Pendler (mit Auto, zu Fuss, auf dem Velo, im Bus etc.) können sich auf dem Gebiet ganz schön in die Quere kommen ... Ob es dort ohne Ampel keine Raserei oder Motoren-Machtgehabe mehr geben wird ist fraglich ...

    • Michel am 13.07.2017 00:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Super Mario

      Super Mario ist wohl gestresst weil er als Pendler zurück in seinen Heimathafen Zürich muss.....seit die vielen zigtausend Pendler von Zürich kommen hat sich in Bern leider extrem viel zum geändert.

    • Super Mario am 14.07.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Michel

      Zum Glück hat Super Mario seinen Heimathafen nicht in Zürich sondern im gemütlichen und sympathischen Bern, welches natürlich mit weniger Ampeln noch gemütlicher wäre.

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  • fred am 12.07.2017 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptanz

    Auch diese Menschen sind ein Teil unserer Gesellschaft und wir sind doch ein offenes westliches Land, dass nicht die unschöne Wahrheit von aussortierten vertuschen möchte, weil diese eventuell ihren eigenen Kopf haben, zuwenig anpassungsfähig sind oder nicht rentabel sind

    • Eduard J. Belser am 16.07.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstverständlich, aber ...

      Ja selbstverständlich, solchen Menschen muss Gelegenheit geboten werden, sich in Ruhe zu treffen. Aber es muss nicht der Bahnof sein, weil, dort geht es einfach mit den vielen Reisenden eng und hektisch zu. Das macht den Bahnhof ungeeignet als Treffpunkt. Kein Verständnis habe ich hingegen für das Herumgüseln. Das ist ein parasitäres Verhalten auf Kosten der Allgemeinheit. Wie soll jemand der als Jugendlicher herumgüselt, begreifen, dass er als Erwachsener, z.B. als Banker oder AKW-Manager, nicht einfach Milliarden-Schäden anrichten und die Folgekosten den SteuerzahlerInnen aufbürden darf?

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