Wohnungsmangel

23. September 2015 06:04; Akt: 23.09.2015 06:04 Print

«Wir wollen nicht in der Bibliothek übernachten»

von Nadine Ellis - Studieren und auch Wohnen in der Länggasse bleibt für viele Studenten nur ein Traum. Denn Wohnraum nahe der Uni ist knapp und kaum bezahlbar.

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Mitten auf dem Trottoir vor der Hallerstrasse 5 steht eine in die Jahre gekommene Wohnzimmergarnitur. Doch an der Hallerstrasse wird am Dienstagmittag nicht entrümpelt: Es handelt sich um eine Aktion der SP Länggasse-Felsenau unter dem Motto «Studieren und Wohnen in der Länggasse: Wir wollen nicht in der Bibliothek übernachten.»

«Mit der Aktion wollen wir das Problem des knappen Wohnraums in der Länggasse sichtbar machen», erklärt Nationalratskandidatin Ursula Marti (SP). Wie eine Statisktik der Stadt Bern zeigt, standen am 1. Juni 2015 in der Länggasse nur 34 Wohnungen frei (siehe Infobox).

«Balance zwischen Uni und Wohnraum finden»

Dies soll sich in den kommenden Jahren ändern, verlangt die SP. Die Partei erinnert deshalb daran, dass der Kanton Bern die ehemaligen SBB-Gebäude an der Mittelstrasse 43 und an der Hochschulstrasse 6 kaufte, um dort verschiedene universitäre Einrichtungen zusammen zu führen. Somit könnte die Uni zehn Mietobjekte, die hauptsächlich in der Länggasse liegen, freigeben. «Wir fordern, dass sich die Uni die betroffenen Gebäude als Wohnraum zur Verfügung stellt», sagt Marti.

Bei der Uni Bern heisst es dazu auf Anfrage: «Ob die bisher gemieteten Büroflächen in Wohnungen umgewandelt werden, müssen die Eigentümer entscheiden. Dabei haben sie sich an den geltenden Nutzungszonenplan der Stadt Bern zu halten. Die Universität hat hier keinen Einfluss.»

Zimmer in Länggasse rund 200 Franken teurer

Besonders schwierig ist die Wohnungssuche für Studenten: Weil normale WG-Zimmer in der Länggasse oft zu teuer sind, weichen sie in günstigere Quartiere aus. «Ich werde demnächst nach Ausserholligen ziehen, weil die Mieten dort günstiger sind. In der Länggasse würde ich für ein Zimmer etwa 200 Franken mehr bezahlen», erzählt eine 22-jährige Studentin der Sozialen Arbeit. Zwei ihrer Studienkolleginnen pendeln von Flamatt und Bützberg nach Bern: «Ein Zimmer in Bern können wir uns nicht leisten, daher wohnen wir bei unseren Eltern.»

Der Englischstudent Jan Schneider (23) hingegen hatte Glück: Er wohnt nahe der Welle und bezahlt samt Nebenkosten nur 500 Franken. «Das WG-Zimmer habe ich durch Beziehungen bekommen», erzählt Schneider. Er kenne jedoch Freunde an der Mittelstrasse, die einiges mehr für ein Zimmer hinblättern müssten. Daher sei sein Zimmer heissbegehrt: «Ich würde gerne nach Zürich ziehen und habe bereits vier Interessenten, die mein Zimmer sofort übernehmen würden», so Schneider.

Vergünstigte Zimmer waren im Nu weg

Weitere Wohnmöglichkeit für Studenten bieten die Wohnheime und Wohnungen des Vereins Berner Studentenlogierhaus (VBSL), bei welchem sich auch die Universität engagiert. Der Verein bietet Zimmer und Wohnungen mit möglichst tiefem Mietzins für bis zu 700 Personen an. «Insbesondere die Wohnungen im Umkreis der Uni sind sehr gefragt», sagt VBSL-Präsident Juerg Stucki.

In diesem Jahr gingen alle Zimmer wieder weg wie heisse Weggli: «Kurz vor Semesterbeginn hatten wir 100 Studenten auf unserer Warteliste. Viele Studenten haben sich aufgrund der Ausbuchung erst gar nicht bei uns angemeldet.» Das Angebot wird nun ausgebaut, wie Stucki freudig erzählt: «Bis 2020 werden wir für die Studenten 300 neue vergünstigte Plätze schaffen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raggi am 23.09.2015 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst Student

    Was müssen gewisse Studenten immer jammern? Sie wollen eine Wohnung, nicht mehr als 10 Minuten von der Uni entfernt und natürlich muss sie günstig genug sein, damit das Stipendium reicht, um sie zu finanzieren. Wenn ihr zu wenig Geld habt, pendelt halt, wenn das nicht geht, geht halt arbeiten.

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  • Maya am 23.09.2015 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pendeln

    Ein wenig ausserhalb gibt es genug günstige Wohnungen. Ja da muss man halt pendeln. Arme Studis.

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  • Olly am 23.09.2015 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Günstige Wohnungen für Flüchtlinge

    Vor allem die SP und Soziologie Studenten sollten wissen, dass das das Ergebnis links grüner Politik ist. Ich verstehe nicht, wie man alle Flüchtlinge reinlassen will ( SP/Grüne Forderung) sich aber gleichzeitig über fehlenden günstigen Wohnraum beschwert. Bevor man was fordert sollte man sich den Konsequenzen bewusst sein, das scheint nicht überall der Fall zu sein. Ich bin gegen längere Öffnungszeiten, jedoch protestiere ich nicht um 19:30 Uhr vor dem Coop. Kapiert ?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nathalie am 24.09.2015 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Vorschlag

    Statt das Zieglerspital als Durchgangszentrum für Flüchtlinge bereitzustellen, könnte das nun leerstehende Spital in ein Studentenwohnheim umgebaut und für 400-500 Fr. vermietet werden. Ist nicht gleich neben der Uni, jedoch immer noch in Bern. Auch langfristig wäre dies meiner Meinung nach viel besser...

  • Ben Bella am 23.09.2015 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arme Studenten ...

    Schon tragisch, wenn man als Studentin nicht gleich neben der Uni wohnen darf. Ich darf auch nicht neben meiner Arbeitgeberin wohnen. Ich muss pendeln, 40 min jeder Weg. Das kann eine Studentin auch.

  • Studii am 23.09.2015 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber studi

    Ich muss auch ständig von biel auf bern pendeln. Dafür arbeite ich halt ein bisschen

  • Vögi am 23.09.2015 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SP Logik

    Jammern über Platzmangel aber alle rein lassen, die Leute muss man zuerst mal verstehen und die Wähler die eine solche Partei noch wählen xD

  • armer pendler am 23.09.2015 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist halt so

    Auch ich muss jeden Tag 1h15min. hin und zurück pendeln damit ich arbeiten kann.