Coop wirft Bananen weg

09. Juni 2017 15:07; Akt: 09.06.2017 15:07 Print

«Es wird immer Foodwaste geben»

Der Fall einer Coop-Filiale, die Dutzende Bananen in den Kehricht warf, schlug hohe Wellen. Daniela Rondelli kämpft tagtäglich gegen Foodwaste. Sie spricht von einem Umdenken in der Bevölkerung.

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Daniela Rondelli, ein Foto mit weggeworfenen Lebensmittel in einer Coop-Filiale liess im Netz die Emotionen hochgehen. Warum?
Ein grosser Teil der Bevölkerung verurteilt Foodwaste, diesbezüglich hat in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden – leider noch zu theoretisch. Viel zu wenig Leute setzen sich konkret mit ihrer Situation auseinander und suchen Optimierungen im eigenen Haushalt. Beim Mann, der das Foto auf Facebook gepostet hat, habe ich mich zum Beispiel gefragt, was er denn konkret unternimmt, um zu Hause keine Lebensmittel zu verschwenden.

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Hand aufs Herz: Achten Sie zu Hause auf Foodwaste?
61 %
7 %
23 %
9 %
Insgesamt 616 Teilnehmer

Wie kommt es überhaupt so weit, dass leicht braune Bananen bei Detailhändlern im Müll landen?
Bei den Erwartungen unserer Konsumgesellschaft wird es immer Foodwaste geben. Alles muss immer erhältlich und frisch sein – zudem wollen wir immer nur das Beste. Ich möchte den Konsumenten sehen, der im Laden eine braune Banane kauft, wenn er daneben auch eine schöne, gelbe haben kann.

Sollten denn nicht einfach mehr Lebensmittel zu 50 Prozent des Preises verkauft werden?
Das wird von den Detailhändlern gemacht. Diese Massnahme alleine ist jedoch kein Garant, dass die Waren doch noch wegkommen. Das liegt am Konsument, der oft nur das Frischste will.

Werfen auch Sie manchmal essbare Lebensmittel weg?
Es passiert auch mir, dass muss ich zugeben. Ich achte aber sehr darauf, möglichst keine Esswaren wegwerfen zu müssen. Wenn ich koche, schaue ich darauf, dass nichts übrig bleibt. Probleme bereitet mir manchmal Brot. Ich wohne allein und Brot wird oft nur noch in grossen Laiben angeboten – so wird es hart, bevor ich es essen konnte.

Wird Brot in der Schweiz besonders oft weggeworfen?
Ja, Brot ist der Spitzenrenner im Abfall. Nach Ladenschluss werden uns jeweils sehr viele Brotwaren abgegeben. Aber mir ist aufgefallen, dass die Gestelle am Abend nicht mehr ganz so voll sind wie noch vor wenigen Jahren. Mein Bäcker hat gegen Ladenschluss fast nichts mehr – das kalkuliert er bewusst so. Das freut mich.

In der Migros und im Coop ist die Situation aber anders. Dort werden auch vor Ladenschluss noch Brote gebacken.
Der Konsument hat den Anspruch, um diese Zeit noch das volle Angebot zu haben. Ich verstehe auch die Detailhändler, die gegen Feierabend noch immer Brot backen. Wir Konsumenten geben den Takt an und bringen den Umsatz. Gleichzeitig finde ich auch, dass die Grossverteiler die Problematik Foodwaste erkannt haben und Anstrengungen dagegen unternehmen.

Noch lange nicht jedes Lebensmittel in der Schweiz wird konsumiert. Eine Million Tonnen landet jährlich im Hauskehricht. Warum?
Wir schätzen den Wert der Lebensmittel nicht mehr. Daneben sind wir sehr bequem geworden. Jeder wünscht sich ein frisches Rüebli aus dem Garten – selber Gemüse anpflanzen tut jedoch kaum einer. Es hat wohl halt einfach was mit der persönlichen Werthaltung, mangelndem Wissen im Bezug auf Resteverwertung und der heutigen Konsumgesellschaft zu tun.

Was kann der Konsument denn konkret tun?
Eine Einkaufsliste schreiben und sich an diese halten. Und auch nicht mit Hunger einkaufen gehen. Das wussten schon unsere Mütter und das hilft tatsächlich sehr. Auch sehr wichtig ist die richtige Lagerung der Lebensmittel. Ausserdem sollten wir wieder mehr auf unsere Sinne setzen. Ein Joghurt kann gut noch Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum essbar sein, wenn es richtig gelagert wurde. Einfach mal etwas aufmachen, daran riechen und versuchen. Ein Mindeshaltbarkeitsdatum ist kein Todesurteil für ein Lebensmittel.

(cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leona85 am 09.06.2017 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiederverwertung von altem Brot

    Mit altem Brot kann man doch noch so viel machen. Kennt man denn das Vogelheu nicht mehr? Was ist mit Käseschnitten, Brotsuppe, Apfel/Brot-Rösti? Viele neue Backofen/Steamer haben auch ein Brotauffrischungsprogramm. Oder Brotscheiben mit Wasser bespritzen und in den Toaster. Oder das Brot gleich zu beginn halbieren und in den Tiefkühler. Und ab und an ein hartes Stück Brot essen schadet auch nicht.

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  • Koch am 09.06.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr wie traurig

    Schade, anstatt Obst und Gemüse 2. Qualität zu Suppe oder Mus zu verarbeiten wirft man diese lieber weg bevor es andere essen.

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  • N.Stadelmann am 09.06.2017 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    KEIN EINZELFALL!

    Ich habe in der Coop Filiale im Puls 5/Zürich hautnah miterlebt, wie Gemüse, Brot und fertig gebratene halbe, sowie ganze Poulets beim Ladenschluss und ohne einen 50% Kleber einfach in den Müll geworfen wurden. Obwohl ich danach fragte, ob ich eins mitnehmen könnte, da es eh schon im Müll liegt, wurde mir mit einem unfreundlichen ton einfach nur "NEIN" gesagt. Was ist bloss los mit dieser Gesellschaft!???

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MoNa am 10.06.2017 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brot

    Bei Buchmann Max-Bill-Platz kann jeder auch das Pane Maggiore scheibchenweise kaufen.... kein Grund also für alle Singlehaushalte...

  • Stefan am 10.06.2017 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mein eigenes Verhalten mit Esswaren

    Ich kaufe als Konsument nur das nötigste ein darum mache ich auch eine Einkaufsliste somit kommt die Versuchung das mein Kühlschrank /Esswaren überfüllt ist nicht in frage und wenn das Datum in einem Produkt abgelaufen ist probiere ich es noch zuerst als in den Müll zuwerfen.

    • Snooker am 10.06.2017 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      jawol. Und das was in den Regalen übrig bleibt isst man selber. Punkt

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  • daniele_8005 am 10.06.2017 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an Bedürftige, nicht an geizige

    Ich verstehe dass die Grossverteiler diese Sachen nicht gratis an Kunden abgeben. Sonst käme jeder Schnäppchenjäger zu Ladenschluss. ALLERDINGS: Es gibt doch Organisationen die diese Sachen für Bedürftige holen. Gibt es das nicht mehr? So kämen die Sachen an die richtigen Leute. Caritas etc.?!?

  • fredi gurtner am 10.06.2017 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Food Waste

    Wie ich weiss werden Gemüse und Früchte in einem speziellen Containersack zur zur Verwertung in Kompostanlagen und Biogaszentralen entsorgt. Das "alte" Brot wird in Harrassen gesammelt um nächsten tag in die Verteilzentren gefahren, wo es dann verwertet wird. Paniermehl, als Beispiel. Noicht mehr verkäufliche Fleisch Waren werden in speziellen Säcken in Tiefkühlraum gelagert und an bestimmtemn Tagen zurück in die VZ's genommen. Von dort geht es dann in die Kadaverabfuhr. Das ist für mich das Schlimmste, aber aus hygienischen Gründen muss es leider so gemacht werden.

  • Peter Müller am 09.06.2017 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verschwenderisch

    schaut doch einmal auch bei Lidl und Aldi was dort alles weggeworfen wird.