Brand in Hochhaus in Brügg BE

14. Mai 2018 11:53; Akt: 15.05.2018 00:32 Print

«Es wird Wochen dauern, bis es nicht mehr stinkt»

Nach dem Brand in einem Wohnhaus in Brügg bei Biel BE musste die Polizei 84 Personen aus dem Gebäude evakuieren. 49 Bewohner wurden in umliegende Spitäler gebracht.

In Brügg bei Biel BE brannte am frühen Montagmorgen ein Hochhaus. (Quelle: Leser-Reporter/20 Minuten)
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Am frühen Montagmorgen brannte ein Wohngebäude in Brügg bei Biel BE. Die Feuerwehr rückte kurz vor 5 Uhr mit einem Grossaufgebot aus, um den Brand unter Kontrolle zu kriegen. «Die Feuerwehr löschte den Brand durch den Eingangsbereich des Hauses. Es stieg immer wieder starker Rauch aus dem Gebäude», berichtet eine Leser-Reporterin, die im Block nebenan wohnt.

Insgesamt 84 Personen mussten evakuiert werden. Die Personen wurden von aussen per Hubrettung und – nach Entlüftung des Gebäudes – über das Treppenhaus in Sicherheit gebracht. Nach erfolgter Evakuation wurden die Personen durch mehrere Ambulanzteams medizinisch versorgt und durch das Care Team des Kantons Bern sowie Angehörige der Zivilschutzorganisation «Nidau plus» betreut. Wegen Verdacht auf Rauchgasvergiftung wurden insgesamt 49 Personen – darunter neun Kinder – mit Ambulanzen in umliegende Spitäler gebracht.

Das Feuer konnte durch die mehr als 60 Angehörigen der Feuerwehren BASS, Bellmund-Port und der Berufsfeuerwehren Biel und Bern im Verlaufe des Vormittags zunächst unter Kontrolle und schliesslich gelöscht werden.

Wohnungen nicht mehr bewohnbar

Einige der Wohnungen sind derzeit unbewohnbar. Für deren Bewohner, wie auch für die Personen, die vorübergehend nicht in das Haus zurückkehren konnten, wurden durch die Gemeinde vorübergehend alternative Unterbringungsmöglichkeiten gefunden.

Andere Bewohner konnten in der Zwischenzeit wieder zurück in ihre Wohnungen. Viele wollen zuerst schauen, wie es ihren Haustieren geht. Wie viele der Wohnungen schliesslich unbewohnbar sind, ist derzeit noch unklar. Die Feuerwehr geht davon aus, dass die Wohnungen ab dem 2. Stock wieder bezogen werden können.


(Video: 20 Minuten)

Auch 10 Stunden nach den Löscharbeiten liegt noch ein beissender Geruch in der Luft. Das Treppenhaus des Hochhauses an der Erlenstrasse ist schwarz, der Boden nass und Klebrig. Ausserdem sind etliche Handwerker in den Gängen unterwegs: «Der Schlüsseldienst kümmert sich um die Schlösser und Schreiner verschrauben die Türen der hospitalisierten Bewohner», so ein Gemeindemitarbeiter vor Ort.

Auch Annemarie Huber konnte ihre Wohnung mittlerweile wieder beziehen: «Die Türe lässt sich nicht mehr schliessen aber sonst geht es – auch mit dem atmen.» Andere Bewohner haben mehr Mühe. Je tiefer das Stockwerk, desto lauter dringt das Husten aus den Wohnungen. «Bei uns im 6. Stock geht es einigermassen. Aber es wird wohl Wochen dauern, bis es hier nicht mehr stinkt», meint ein Bewohner. Das sei jedoch ein tiefer Preis: «Wir sind schliesslich alle nochmals mit einem blauen Auge davongekommen.»


(Video: 20Minuten)

Am frühen Morgen rückten auch Polizei und Sanität zum brennenden Gebäude aus. Bewohner standen auf ihren Balkonen und beobachteten die Situation. «Mich erstaunte, wie ruhig die Leute im Haus blieben», schildert der Unfallreporter Arthur Sieber. Sie seien von der Feuerwehr angewiesen worden, in ihren Wohnungen zu bleiben und Türen und Fenster zu schliessen. Einige leuchteten mit Taschenlampen die Umgebung aus.

«Im Erdgeschoss brannte es lichterloh und schwarzer Rauch stieg aus den Fenstern», so Sieber. Wenig später mussten die Bewohner von den Rettungskräften evakuiert werden. Einige wurden ins Spital gebracht. So auch die Frau und der Sohn von Mustafa Cagan, der mit seiner Familie im Haus wohnt.

Mustafa Cagan harrte während des Brandes auf dem Balkon aus:

Laut einer 83-jährigen Anwohnerin wurden Personen im Rollstuhl aus dem Gebäude gefahren. Andere Bewohner brachten sich und ihre Haustiere in Sicherheit. «Die Feuerwehr trug sogar Hunde und Katzen aus dem Hochhaus und rettet sie», so eine andere Nachbarin.

«Meine Mäuse und Vögel sind noch in der Wohnung», berichtet eine Bewohnerin:

«Mehrere ältere Frauen kamen im Pyjama auf die Strasse», schildert eine andere Frau, die gerade auf dem Weg zur Arbeit war, als sie den Brand mitbekam. «Einige waren in Decken eingepackt, als sie das Haus verliessen.» Die evakuierten Menschen besammelten sich dann laut der Anwohnerin auf einem nahe gelegenen Platz. Sie werden zurzeit in der Mehrzweckhalle Brügg versorgt, die nur wenige Meter vom evakuierten Wohnblock entfernt ist. Man versuche nun, falls nötig, den Betroffenen Wohnungen als Übergangslösung zur Verfügung zu stellen, sagt Bruno Schmid, zuständig für Schutz und Rettung bei der Einwohnergemeinde Brügg:

Brand ist gelöscht

Das Feuer konnte mittlerweile gelöscht werden. Wie Augenzeugen berichten, gehen nun Feuerwehrmänner durch die Stockwerke des Hauses und öffnen die Fenster der Wohnungen.

Mehrere Personen nach Hochhaus-Brand in Spital

(bee/hal/20 Minuten)